Während: 1947-1960

HUAC-VERHÖRE

Die Filmindustrie und Hollywood genossen in konservativeren Kreisen seit jeher den Ruf dekadent, verderblich und liberal zu sein.  Das 1939 gegründete und von Republikanern dominierte House Un-American Activites Committee setzte sich für konservativere Inhalte und die Durchsetzung ihrer Politik auch in Hollywood durch. Das HUAC besorgte sich vom FBI Unterlagen darüber, wer in Hollywood Kommunist war und sprach die Studios darauf an, dass sie Kommunisten beschäftige. Diese gaben sich unwissend, obwohl sie Autoren auch wegen ihres politischen Profils beschäftigten, wenn dieses auf den jeweiligen Film passte. Die Studiobosse ließen sich vom HUAC einschüchtern, denn obwohl sie sich gegen jede Einmischung von Außen wehrten, war ihnen die SWG seit langem ein Dorn im Auge.

Das HUAC stellte auf Grund dieser Informationen eine Liste von 19 Zeugen zusammen, von denen 16 Drehbuchautoren waren und die alle an pro-sowjetischen Aktivitäten beteiligt waren. Alle waren in irgendeiner Form kommunistisch eingestellt und unternahmen wenig Versuche dies zu verheimlichen.

Von den 19 mussten 10, später bekannt als die Hollywood-Ten vor dem Komitee in Washington erscheinen. Sie versuchten unter Bezugnahme der Verfassung die Legalität des Komitees öffentlich in Frage zu stellen, indem sie den ersten Zusatz der US-Verfassung nannten der die freie Meinungsäußerung garantiert und so die Frage nach der Parteizugehörigkeit als ungültig erklären. Sie waren überzeugt davon, dass sie bei einem demokratisch dominierten Supreme Court damit Erfolg haben würden, mussten jedoch Gegenteiliges feststellen. Sie wichen der Frage nach ihrer Parteizugehörigkeit aus, brachten sich damit nur in größere Schwierigkeiten da es immer schwieriger wurde, sie öffentlich zu verteidigen.

Kurzzeitig gründeten Schauspieler ein Komitee zur Verteidigung der Hollywood Ten, das Comittee for the First Amendement (CFA). Mit Hilfe von Zeitungsinseraten und einer Reise nach Washington wollten sie den Hollywood Ten mit Streiks aus ihrer Lage heraus helfen. Als die politische Lage sich jedoch weiter anspannte wurde die Gefahr selbst Ziel des HUAC zu werden zu groß und das Komitee löste sich auf.

In der SWG waren mehr Kommunisten als sonst irgendwo in Hollywood und das HUAC sah sie für die Filminhalte verantwortlich.

Am 24./25.11.1947 trafen sich Produzenten und Studiobosse im Washingtoner Waldorf-Astoria Hotel und veröffentlichte anschließend die Waldorf Erklärung. Studios verpflichteten sich darin, keine Kommunisten mehr zu beschäftigen.

1950 entschied der oberste Gerichtshof dass die Hollywood Ten dem Komitee gegenüber nicht den nötigen Respekt entgegenbringen und verurteilte sie wegen Missachtung. Sie mussten ins Gefängnis.

Die Untersuchungen wurden weitergeführt. Hollywood unterstützte die HUAC dabei und erntete öffentlich Lob dafür. Die politische Stimmung erlaubte die Verfolgung von Kommunisten.

1951 litten viele in Hollywood unter dem Gerücht Kommunisten zu sein. 90 von ihnen erklärten sich bereit vor dem Komitee auszusagen und so ihre Unschuld zu beweisen. Sie brachten wiederum andere unter Verdacht Kommunisten zu sein, so standen am Ende der Verhöre 324 Namen auf der Liste deren Träger keine Beschäftigung mehr in Hollywood fanden. Auch Mitarbeiter, die nicht in den Credits erscheinen würden, fanden keine Anstellung mehr.

Neben der schwarzen Liste auf der man nur erschien wenn man seine Aussage verweigerte existierte auch eine graue Liste auf der Liberale erschienen.

Es gab auch eine Möglichkeit von der schwarzen Liste gestrichen zu werden. In diesem Fall musste man unter Anwesenheit eines FBI-Agenten Namen anderen Kommunisten nennen und seine Vergangenheit verwerfen. 1958 wurde die HUAC aufgelöst.

SCHWARZMARKT

Die schwarze Liste brachte den Schwarzmarkt mit sich, auf dem unabhängige Produzenten Drehbücher von auf der schwarzen Liste stehender Autoren für wenig Geld ergattern konnten, um daraus B- und C-Filme zu machen. Allerdings waren nur wenige Produzenten bereit dazu das Risiko einzugehen. So fanden bis Mitte der 1950er Jahre Autoren, die auf der schwarzen Liste standen, keine Anstellung.

1953 entwickelte sich der Schwarzmarkt auch fürs Fernsehen. Autoren der schwarzen Liste konnten unter Pseudonym oder zu Hilfename eines Strohmannes („Fronts“) Drehbücher schreiben. Beides führte zu Kommunikationsschwierigkeiten da ein Studio nicht mit einem Pseudonym kommunizieren konnte und Strohmänner und Pseudonyme nicht so viel wert waren wie die eigentlichen Drehbuchautoren. Mit jedem neuen Pseudonym sank der Marktwert und Strohmänner konnten ebenfalls auf die schwarze Liste geraten. Produzent, Autor und Regisseur konnten nicht direkt kommunizieren. Eine Möglichkeit war, dass der Strohmann auch als Autor fungiert und die Bearbeitungen selbst durchführt.

Die Arbeitsweise unterschied sich grundlegend von der des klassischen Studiosystems. Die Situation für Drehbuchautoren wurde unsicherer als je zu vor, da es keine schriftlichen Verträge geben konnte und somit keinerlei Absicherung bestand. So gingen alle errungenen Forderungen der Drehbuchautoren wieder verloren.

Während die Studios die Kreativität der Autoren industrialisierte, litt die Erkennbarkeit der Drehbuchautoren notgedrungen. Das geringe Gehalt ließ die Autoren abhängiger von den Produzenten werden und das Versteckspiel die Kommunikation die zur Erhaltung der eigenen Handschrift nötig gewesen wäre, verschwinden.

Das Package Unit wurde Mitte der 50er Jahre zur dominierenden Produktionsweise. Agenturen wie die Music Corporation of America (MCA) vertrat Schauspieler und verhandelte mit den Studios um Gewinnbeteiligungen zu erzielen. Anfang der 50er Jahre waren mehr Autoren, Regisseure und Schauspieler bei MCA als in jedem Studio. MCA kaufte schließlich Universal um ein eigenes Studio zu besitzen. Dies hatte eine Statusänderung von Schauspielern zur Folge, die als Stars auch häufig an den Gewinnen beteiligt waren. Drehbuchautoren mussten in Folge dessen nun somit neben Regisseuren auch die Stars  zufrieden stellen. Es entwickelte sich unter unabhängigen Produzenten und Agenten das arbeiten in Package Units in der ein kreatives Team und ein Drehbuch an Studios verkauft wurde.

Dies hatte auch das Ende der längerfristigen Bindung von Stars und Autoren an ein Studio zur Folge. Die Stars stiegen in der Hierarchie der Filmindustrie auf und die Dominanz der unabhängigen Filmproduktionen nahm zu. Das klassische Studiosystem war beendet.

INHALT

Die schwarze Liste und der Schwarzmarkt übte Druck auf die Studios aus, so dass soziale und politische Themen aus den Filmen weitgehend verschwanden. Anstatt dessen wurden eskapistische Filme produziert. Zum ersten Mal drehten die Studios mit antikommunistischen Filmen Filme, bei denen sie von vornherein wussten, dass sie damit Verluste machen würden. HUAC hatte damit einen Weg gefunden auf Hollywood einzuwirken.

Thematisch auffällig für die Zeit der schwarzen Liste ist zudem, das alle Filme in der Ober- und Mittelschicht verortet sind.

Lynn Kläs


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