Thieves‘ Highway (1949)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1949, 94 Minuten, schwarzweiß

Regie: Jules Dassin

Drehbuch: A.I. Bezzerides. Basierend auf Bezzerides eigenem Roman „Thieves‘ Market“

Kamera: Norbert Brodine

Musik: Alfred Newman

Produktion: Darryl F. Zanuck (20th Century Fox Film Corporation), Robert Bassler

Besetzung: Richard Conte, Valentina Cortese, Lee J. Cobb, Barbara Lawrence, Jack Oakie, Millard Mitchell, Joseph Pevney, Hope Emerson

A.I. Bezzerides schrieb das Drehbuch zu „Thieves‘ Highway“ nach seinem eigenen Roman „Thieves‘ Market“. Unter der Regie von Jules Dassin kam das Film Noir-Drama 1949 in die Kinos.

Dassin schildert in „Thieves‘ Highway“ das Leben kalifornischer Obsthändler- und Farmer, die von den Großhändlern in San Francisco abhängig sind und  wegen Korruption und kriminellen Machenschaften um ihre Existenz kämpfen müssen.

Erzählt wird die Geschichte des Kriegsveteranen Nick Garcos (Richard Conte), der nach langen Jahren aus dem Krieg zu seiner Familie und seiner Verlobten nach Kalifornien zurückkehrt. Dort muss er mit Entsetzen feststellen, dass sein Vater (Morris Carnovsky), ein freischaffender Lieferant für den Obst- und Gemüsehandel, bei einem dubiosen Autounfall während der Arbeit beide Beine verloren hat, nachdem er zuvor vom Großhändler Mike Figlia (Lee J. Cobb) um Geld betrogen worden war. Nick hat sofort Figlia in Verdacht, etwas mit dem Unfall zu tun zu haben und will seinen Vater rächen. Er investiert sein Erspartes in einen LKW und fährt zusammen mit seinem Partner Ed Prentiss (Millard Mitchell) und zwei Fuhren Äpfeln zum Großhandel nach San Francisco. Nick trifft dort als erster ein und wird promt von Figlia hereingelegt. Abgelenkt von der Hure Rica (Valentina Cortese), die von Figlia bestochen wurde, bekommt Nick nicht mit, dass Figlia seine Fuhre Äpfel in Kommission zu einem überhöhten Preis verkauft und Nick lediglich die Hälfte auszahlt. Rica verliebt sich jedoch in Nick und klärt ihn über Figlias Machenschaften auf. Nick kann daraufhin zwar Figlia zur Auszahlung seines Gewinns zwingen, kurz darauf werden er und Rica jedoch von zwei durch Figlia angeheuerten Schlägern überfallen und wieder um sein Geld gebracht. Erst nach einem weiteren Zusammentreffen, bei dem Nick Figlia stellt und zusammenschlägt, wird der Betrüger von der Polizei verhaftet. Nick, der unterdessen von seiner Verlobten wegen dem Verlust seines Geldes sitzengelassen wurde, verlässt San Francisco und geht zusammen mit Rica zurück in seinen Heimatort.

Die Haupthandlung wird eingerahmt von einer Nebenhandlung, die für zusätzliche Spannung sorgt und mit aussagekräftigen Bildern die beschwerliche Fahrt der Trucker auf dem Highway nachzeichnet. So rettet Ed Nick auf der langen Fahrt in einer spektakulären Szene das Leben, als der beim Reifenwechsel beinahe von seinem Wagen erdrückt wird. Nach diesem Vorfall fahren Ed und Nick zwar weiter, jedoch ist es nun Ed, der Probleme mit seinem LKW hat und zurückbleibt. Während Nick bereits in San Francisco mit dem Betrüger Figlia zu kämpfen hat, verunglückt Ed auf dem Highway tödlich.

Die Nebengeschichte rund um die Trucker und Eds Unfalltod spielt sicherlich eine wichtige Rolle für den Film, was der Titel „Thieves‘ Highway“ deutlich unterstreicht. Andererseits wird der Film wesentlich von der nüchtern dargestellten Liebesgeschichte zwischen Nick und der Prostituierten Rica getragen. Während Rica anfangs Nick noch hintergeht, indem sie sich von Figlia bestechen lässt, entwickeln sich bei beiden starke Gefühle füreinander. Als er von seiner Verlobten Polly (Barbara Lawrence) wegen dem Verlust seines Geldes verlassen wird, erkennt er, dass sie ihn offenbar nur wegen des Geldes heiraten wollte. Dem gegenüber stellt er fest, dass Rica ihn zwar anfangs betrogen hatte, nun aber fest zu ihm hält. Für ihn spielt es keine Rolle, dass sie bislang als Hure gearbeitet hat, denn er sieht hinter ihrer Fassade einen ehrlichen Menschen mit einem verwundbaren Charakter, der an der Rolle der Femme Fatale zerbrochen ist. Diese Darstellung der Verhältnisse ist für einen Film, der in den 40er Jahren veröffentlicht wurde, durchaus gewagt. Und gleichzeitig trägt diese nüchterne, unromantische und realistisch inszenierte Darstellung einer Liebesgeschichte in hohem Maß zur Glaubwürdigkeit und Authentizität des Films bei.

Diese überaus realistischen Bilder der Verhältnisse sind typisch für Dassins Filme. Einerseits  engagierte er Arbeiter des Großmarkts in San Francisco und drehte am Originalschauplatz. Andererseits trägt die schauspielerische Leistung seiner Protagonisten dazu bei, dass die Atmosphäre ohne die oft üblichen Klischees und Ausschmückungen realistisch erscheint, denn fast alle Rollen werden nüchtern und ohne Übertreibung oder theatralischer Überzeichnung gespielt (lediglich Nicks Verlobte neigt in ihrer Darstellung zu leichter Überzeichnung). Noch nicht einmal das Happy End und der Racheakt an Figlia sprengen den Rahmen, sondern auch hier werden der Realismus und die Nüchternheit beibehalten.

Dassin schildert in „Thieves‘ Highway“ das harte Leben der Obsthändler und Farmer- so schnörkellos und mit derart scharfen und dunklen Bildern, dass der ursprünglich als Melodram eingestufte Film in späteren Jahren mehrheitlich, wenn nicht einstimmig, dem Film Noir zugeordnet wurde. Schon sein erster Film, „Zelle R 17“ von 1947, in dem er ein brutal-realistisches Bild einer Gefängnisrevolte nachzeichnete,  machte Dassin als Vertreter eines „harten“ Realismus bekannt. Auch „Die nackte Stadt“ von 1948 wirkt fast dokumentarisch und schildert die Arbeit einer Mordkommission.

Obwohl der Produzent von „Thieves‘ Highway“ Darryl F. Zanuck (20th Century Fox) einige Szenen entschärfen und sogar ohne Dassins Wissen eine komplette Szene drehen und einfügen ließ, wurde der Film als zu pessimistisch und dunkel kritisiert. Die Darstellung von Kalifornien (der goldene Traum) als Land, in dem der Traum vom Erfolg durch Unterdrückung und Ausbeutung zerstört wird, war vielen ein Dorn im Auge. Auch wurde Dassin vorgeworfen, zu scharfe Kritik an der amerikanischen Gesellschaft zu üben, da er ihr unterstellt, die Männer zu zwingen, sich den vom Kapitalismus diktierten Gesetzmäßigkeiten anzupassen. Die Kritik an der filmischen Arbeit Dassins sollte jedoch nicht die einzige bleiben.

Im Jahr der Veröffentlichung von „Thieves‘ Highway“ 1949 geriet Dassin wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei der USA während der 30er Jahre ins Visier antikommunistischer Ermittlungen. Fox Produzent Zanuck ließ Dassin aus diesem Grund seinen nächsten Film „Die Ratte von Soho“ nicht mehr in den USA, sondern in London drehen. 1951 denunzierten Elia Kazan und Edward Dmytryk Dassin vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC). „Thieves‘ Highway“ ist somit Dassins letzter in den USA gedrehter Film, bevor er von der HUAC wegen „unamerikanischen Aktivitäten“ auf die schwarze Liste gesetzt wurde. Ohne Aussicht auf eine Beschäftigung im amerikanischen Filmgeschäft, ging Dassin mit seiner Familie nach Europa, wo er wenig erfolgreiche Filme veröffentlichte. Erst 1968 kehrte Dassin in die USA zurück und verzeichnete weitere Erfolge.

Autorin: Carina Kroiss – 1006291

Redaktion: Marlene Wagner – 1163491

Quellen:

Bezzerides, A.I., Thieves‘ Market, Charles Scribner’s Sons, New York, 1949

http://www.imdb.com/title/tt0041958/ (20.6.2013)

http://www.criterion.com/current/posts/354-thieves-highway-dangerous-fruit (23.6.2013) http://twentyfourframes.wordpress.com/2011/08/19/thieves-highway-1949-jules-dassin-2/ (21.6.2013)

http://der-film-noir.de/v1/node/76 (23.6.2013)

http://de.wikipedia.org/wiki/Jules_Dassin (22.6.2013)

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