Rififi (1955)

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  • Produktionsland               Frankreich
  • Erscheinungsjahr             1955
  • Regie                             Jules Dassin
  • Drehbuch                       Auguste le Breton (Romanvorlage), Jules Dassin, René                                                              Wheeler
  • Produktion                      René Bezard, Henri Bérard, Pierre Cabaud / Pathé
  • Kamera                          Philippe Agostini
  • Schnitt                           Roger Dwyre
  • Musik                             Georges Auric
  • HauptdarstellerInnen       Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Jules Dassin,                                                  Magali Noel

 

Einst eine allseits bekannte Respektperson in der Pariser Gangster-Welt sieht sich Tony „The Stephanois“, nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen, mit der Tatsache konfrontiert, dass er mittlerweile zu alt und gebrechlich für das abenteuerliche Leben als Dieb geworden ist. Dennoch hat er noch alte Rechnungen zu begleichen. Vor allem mit seiner Ex-Geliebten Mado, die ihn damals an die Polizei verraten hat und der aktuelle Flirt von Nachtclub-Besitzer Pierre Grutter. Seinen Zorn an ihr ausgelassen, nimmt er das ursprünglich abgelehnte Angebot seines Freundes Jo an, bei einem geplanten Juwelen-Diebstahl mit zu machen. „A man’s got to live“, denkt er sich. (00:16) Schnell die Rolle des Anführers übernommen, heckt er mit ihm und zwei weiteren Kumpanen einen genauesten Plan für den perfekten Raub aus. Dieser gelingt ihnen, doch als Grutter erfährt, wer hinter dem Raub steckt, wird die Loyalität der Bande unter Tony auf die Probe gestellt: César verrät seine Freunde. Grutter, mittlerweile von Mado verlassen, schwört auf Rache gegen Tony und entführt den Sohn Tonio von Jo, in der Hoffnung so an Tony und die Beute zu kommen. In einem letzten heroischen Akt erschießt Tony Grutter und bringt Tonio zurück zu seiner Mutter, ehe er seinen schweren Verletzungen erliegt.

Stilistisch und thematisch folgt Jules Dassins Rififi den Konventionen des Film Noir. In dunklem, pessimistischem Schwarz-Weiß gehüllt, erzählt der Film von Antihelden, maskulinen Machtspielen um verhängnisvolle Frauen und urbaner Illegalität. Es ist die Geschichte eines gebrochenen, misstrauischen Mannes, der einer Vergangenheit hinter her rennt, der nichts mehr zu verlieren hat und in destruktiver Manier, einen vermeintlichen Ausweg aus der trostlosen Existenz suchend, in einen Strudel gerät, an dessen Ende nur der Tod stehen kann.

Zieht man die Verwicklungen und Erfahrungen des Regisseurs und Drehbuchautors Dassin mit den in den 40er und 50er in Hollywood durchgeführten HUAC-Verfahren in Betracht, so liest sich der Film zugleich auch als persönliche Abrechnung oder Verarbeitung Dassins mit dieser für ihn schmerzlichen Periode seiner Karriere.

Dassin hatte sich in Hollywood mit Filmen wie Brute Force (1947) und The Naked City (1948) bereits als Meister des Film Noir einen Namen gemacht, als die Hexenjagd des HUAC schließlich auch ihn erfasste. Von seinem damaligen Produzenten Darryl Zanuck im Jahr 1949 nach London geschickt, um dort Night and the City zu drehen, geriet Dassin erst spät in direktem Kontakt mit der Hexenjagd nach vermeintlichen Kommunisten oder anderweitig links-gerichteten Filmschaffenden Hollywoods. Als er nach Beendigung seines Auftrages freiwillig in die USA zurückreiste, war er bereit vor dem Komitee auszusagen. Es war für ihn nur mehr eine Frage der Zeit bis er vorgeladen werden würde: „I thought that I had all the heroic answers ready. I was going to be a hero.“ Die Vorladung kam schließlich, doch bevor er sich dem Komitee stellen konnte, wurden seine und alle restlichen Anhörungen bereits abgesagt. Ohne also offiziell als Zeuge auszusagen geriet er auf die Schwarze Liste und wurde fortan aus der Filmproduktion Amerikas verbannt. Für ihn besonders schwer zu verkraften, war die Erfahrung von Edward Dmytryk, Teil der Hollywood Ten und Freund von Dassin, angeschwärzt worden zu sein: “I had a double shock with Edward Dmytryk. When he was in prison, I took care of his children. It was very personal, and that hurt very much when he named me. It was so hard to understand that period.”

Dassin musste Hollywood schließlich verlassen und versuchte in Europa neuen Fuß zu fassen, doch auch dort war man lange nicht bereit, einen auf der „Schwarzen Liste“ stehenden Regisseur zu engagieren. Ein Film unter seinem Namen hätte in den USA nicht vertrieben werden können. Ob Frankreich oder Italien, er war nicht gewünscht. Fünf Jahre dauerte es letztendlich bis Dassin wieder ein Angebot erhielt und seine Karriere als Regisseur mit Rififi erneuern konnte.

Fünf Jahre sind es auch, die der einstig erfolgreiche Tony „The Stephanois“ im Gefängnis entrissen von seinem Leben ausharren musste, ehe er nach seiner Entlassung darum kämpft an alte Zeiten anzuknüpfen und das Vertrauen zu anderen Menschen zurück zu gewinnen. Wie Dassin wurde auch er von einem Vertrauten verraten. Wenngleich sich eine direkte Allegorie zwischen der Gangster-Bande in Rififi und der vom Staat politisch verfolgten Einheit der Filmschaffenden in Hollywood nicht gänzlich zulässt, so sind diese beiden Gruppierungen insofern vergleichbar, als dass sie nur im unbedingten Zusammenhalt ihrer Mitglieder bestehen können. Deutlich wird dies im Film bei dem Raubüberfall. Der Plan das komplexe, übermächtige Sicherheitssystem des Juwelierladens zu überlisten kann noch so genau durchdacht sein, der Erfolg bzw. Misserfolg des diebischen Unternehmens hängt letztendlich allein vom Vertrauen und blinden Verständnis der Bandenmitglieder ab. Der völlig ohne Dialog inszenierte Diebstahl unterstreicht dies nur. So unterschiedlich die Persönlichkeiten der einzelnen Gangster auch sein mögen, ziehen sie in dieser Sache alle am selben Strang. „We should stick together on everything“, hält der Safeknacker César fest. (00:27) Dass dies letzten Endes jedoch leichter gesagt als getan ist, zeigt sich als eben genau jener César (gespielt von Dassin selbst!) als einziger der Bande den Drohungen von Grutters Handlangern erliegt und seine Freunde verrät. Damit bricht er nicht nur die Loyalität sondern auch mit den Regeln – dem Ehrenkodex unter Dieben. Ganz gleich ob Tony Verständnis oder Mitgefühl für César empfindet, fühlt er sich verpflichtet ihn für diesen Regelverstoß zu töten: „I really liked you, Maccaroni. But you know the rules.“ (01:30) Dassin erinnert sich an diese Szene zurück:

I was thinking when I was writing about my character’s death. […] There’s a close shot of me saying, ‚You’ve got to shoot me,‘ and I was thinking so much of the guys who were blacklisted.  [In the scene] they want [Perlov] to give names to the gangster that’s going to kill me and I was thinking, No, you don’t give names. I was thinking of all my friends who during the McCarthy era betrayed other friends.

Bei den Filmfestspielen von Cannes 1955 mit dem Preis für den besten Regisseur ausgezeichnet, markiert Rififi den Beginn der zweiten Schaffensperiode Dassins und ist zugleich die persönliche Abrechnung mit einer der dunkelsten Phasen sowohl seiner Karriere als auch der amerikanischen Filmgeschichte.

Quelle:

http://www.wga.org/writtenby/writtenbysub.aspx?id=2247 (Letzer Zugriff: 24.06.2013)

Autor: David Fuchs

Redaktion: Helmut Käfer

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