Cry, The Beloved Country (1951)

Gepostet am

UK 1951, 113 min.

Regie: Zoltan Korda

Buch: John Howard Lawson, Alan Paton

Produktion: Zoltan Korda, Alan Paton

Darsteller: Canada Lee, Charles Carson, Sidney Poitier

cry

Der schwarze Priester Stephen Kumalo begibt sich aus der südafrikanischen Provinz nach Johannesburg um seinen Sohn und seine Schwester zu finden. Dort angekommen muss er erkennen, dass seine Schwester eine alkoholkranke Prostituierte und sein Sohn ein Verbrecher geworden ist. Sein Bruder, der auch in Johannesburg lebt, kümmert sich indes nur um seine eigenen Geschäfte und träumt von einem besseren Leben der Schwarzen. Stephens Sohn Absolom wird schließlich in den Mord des weißen Apartheidsgegners Athur Jarvis verwickelt und wird bestraft.

Der Vater des Ermordeten, James Jarvis, begibt sich ebenfalls nach Johannesburg. Die Aufzeichnungen seines ermordeten Sohnes bringen ihn zum Umdenken, was das System der Apartheid anbelangt und es entsteht Respekt für die Ideen und Träume, die sein Sohn hatte. Durch das gemeinsame Schicksal, das Stephen Kumalo und James Jarvis erleiden müssen – der Verlust ihrer Söhne – kommen auch sie sich näher und verstehen die Lebenswelt des jeweils anderen besser.

„Cry, the Beloved Country“ ist einerseits ein Film, der zwei ineinander verschachtelte Familientragödien betrachtet und zeigt, wie diese Tragödien unterschiedliche Menschen einander näher bringen können, andererseits ist er aber vor allem, wie schon die Romanvorlage von Alan Paton, eine Anklage an die Apartheid und an die menschenunwürdigen Lebensumstände, unter denen die schwarze Bevölkerung zu leiden hatte.

Die Drehbuchadaption für diese Literaturverfilmung stammt von John Howard Lawson, ehemaligem Präsidenten der Screen Writers Guild, der 1947 als einer der Hollywood Ten wegen seiner Nähe zum Kommunismus zu 12 Monaten Haft verurteilt wurde. Er verfasste das Buch als er schon verurteilt worden war und schließlich auf der Blacklist stand. Der Film wurde kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis veröffentlicht. Lawson wurde nie offiziell als Drehbuchautor genannt. Es war der Autor der Romanvorlage, Alan Paton, einer der wichtigsten südafrikanischen Apartheidsgegner, der auch als Autor des Drehbuchs galt.

Europaweit und in Südafrika wurde der Film hoch gelobt, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn sich John Howard Lawson als offizieller Drehbuchautor präsentiert hätte. Ein antirassistischer Film von einem Kommunisten geschrieben, wäre im kommunismusfeindlichen Südafrika der Apartheid mit Sicherheit nicht gut angekommen. (vgl. Horne 2006, S. 224)

Obwohl Lawson lange Zeit nicht als offizieller Drehbuchautor genannt wurde, finden sich einige, für Lawson typische Elemente, darin wieder. Es gibt ein Voice-Over, das als Erzähler fungiert und die Zuschauer näher an das Gesehene heranführt. Eine Schlüsselszene, bei der einige Arbeiter Stephen Kumalo von der Arbeit in der Goldmine und deren Wichtigkeit für den Kapitalismus erzählen, findet in einem durch das Land rasenden Zug statt. (vgl. Horne 2008, S. 223)

Eines der interessantesten Elemente des Films ist jedoch die positive Darstellung von Religion und religiösen Werten. Obwohl mit Lawson ein dem Kommunismus zugeordneter Drehbuchautor am Werk war, wurde mit Stephen Kumalo einem Geistlichen die Rolle des Protagonisten und Sympathieträgers gegeben.

Die wesentlichste politische Komponente des Films ist seine implizite Kritik am System der Apartheid. Der Film wurde in Südafrika gedreht. Somit bekommen die ZuschauerInnen einen Einblick in die Umstände, unter denen die schwarze Bevölkerung dort leben musste.

„Filmed on location in South Africa, it exposed the audiences to the grimiest of ghettos, which made Harlem and Watts pale in comparison.“ (Horne 2006, S. 223)

Das Abbilden der trostlosen schwarzen Slums von Johannesburg und die Geschichten von Menschen die dort hingehen und zu Grunde gerichtet werden, ist eine nicht offensichtliche, aber wirkungsvolle Kritik an einem rassistischen 2-Klassensystem, das erst viele Jahre nach Erscheinen des Buches und des Films zu einem Ende kommen sollte.

Literatur:

Claus Tieber, Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem, Berlin: Lit 2008.

Gerald Horne: The Final Victim of The Blacklist. John Howard Lawson, Dean of the Hollywood Ten., Los Angeles: University of California Press 2006.

IMDB Cry, The Beloved Country

http://www.imdb.com/title/tt0043436/ (Zugriff 21.06.2013)

 

Autor: Helmut Käfer

Redaktion: David Fuchs

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