America, America (1963)

Gepostet am Aktualisiert am

 

USA, 174 Minuten, s/w
Studio: Warner Bros. Entertainment
Regie: Elia Kazan
Drehbuch: Elia Kazan
Produktion: Elia Kazan
Kamera: Haskell Wexler
Schnitt: Dede Allen
Besetzung: Stathis Giallelis (Stavros Topouzoglou), Frank Wolf (Vartan Damadian), Harry Davis (Isaac Topouzoglou), Elena Karam (Vasso Topouzoglou), Gregory Rozakis (Hohannes Gardashian), Paul Mann (Aleko Sinnikoglou), Linda Marsh (Thomna Sinnikoglou), Robert H. Harris (Aratoon Kebabian), Katharine Balfour (Sophia Kebabian)

In AMERICA, AMERICA beschließt der junge Grieche Stavros Anatolien zu verlassen, um nach Amerika auszuwandern. Die politische Situation um 1896 und der Mord an seinem Freund Vartan, der der armenischen Minderheit im Land angehört, sind die Gründe für seinen Wunsch nach einem Neuanfang. Ihm fehlen allerdings die finanziellen Mittel für diese Reise, daher begibt er sich, wie von seinen Eltern geplant, auf den Weg nach Konstantinopel, um dort der gesamten Familie ein Leben zu ermöglichen. Unterwegs wird er von einem Weggefährten ausgeraubt. Als er schließlich in Konstantinopel ankommt, heiratet er schließlich nach gescheiterten Versuchen das Geld für seine Reise zu erarbeiten Thomna, die Tochter eines reichen Geschäftsmannes. Durch diese Verbindung lernt er auch das Ehepaar Kebabian kennen, mit dem er sich endlich auf den Weg nach Amerika begibt. Doch als Herr Kebabian kurz vor New York die Liebschaft zwischen seiner Frau und Stavros entdeckt, droht der große Traum, ein neues Leben für die Familie und diese nicht zu enttäuschen, zu platzen. Stavros gibt sich vor den Behörden als sein Bekannter Hohannes aus, der in der Nacht zuvor aus Angst vor einer drohenden Rückreise Selbstmord begangen hat und schafft es so, seinen Traum zu verwirklichen.
Der beinahe drei Stunden dauernde Spielfilm erzählt auf eine für den Filmemacher untypische Weise die Geschichte seines Onkels. Er arbeitete bereits seit 30 Jahren an dem Drehbuch, es gab jedoch große Schwierigkeiten bei der Finanzierung, daher erschien es zunächst als Roman. Dieser sehr persönliche Film, von dem Kazan sagt, er hätte ihn selbst schreiben müssen, damit nicht etwas verloren geht, erinnert kaum an andere Werke des Künstlers. Er wurde hauptsächlich in der Türkei und Griechenland gedreht, der Hauptdarsteller war ein Laie, der zunächst nach Amerika gebracht werden musste, um Englisch zu lernen. Durch den Einsatz einer Handkamera und den Verzicht auf andere technische Spielereien wirkt der Film beinahe etwas „roh“. Er erinnert ein wenig an den italienischen Neorealismus, das Sprachrohr des Dritten Kinos, des Kinos der Unterdrückten. Das Motiv der Unterdrückung und Gewalt zieht sich durch den gesamten Film: gegen die griechische und vor allem armenische Minderheit in der Gegend, in der der Protagonist aufgewachsen ist, in Konstantinopel als das Verhältnis zweier Klassen und in Amerika als Immigrant ohne Rechte, dem sogar sein Name willkürlich geändert wird, um ihn anzupassen.
Die Entwicklung der Hauptfigur, die für seinen Traum auch tötet und seine Freunde verrät, scheint wie ein Balanceakt von Nähe und Distanz zwischen Autor und Figur, verrät aber nichts über das tatsächliche Verhältnis zwischen Kazan und seinem Onkel.

Kazan war ein ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei. Nach Vollendung eines anderen Films (VIVA ZAPATA!) wurde er 1952 vor das HUAC geladen, wo er seine tiefe Abneigung gegen den (stalinistischen) Realsozialismus beteuerte und einige Namen von Parteimitgliedern nannte.
Dafür und für weitere diesbezügliche öffentliche Äußerungen brachten ihm dauerhaft viel Kritik von Seiten der politischen Linken ein.
Es handelt sich hier weniger um einen Film über Migration, als vielmehr über die Entstehung der Sehnsucht nach einem Neuanfang und die Umstände, den Weg dorthin.
Der Film schneidet politische Verhältnisse nur an, zeigt Tatsachen ohne den Versuch sie zu erklären. Dennoch spiegelt der Film sowohl Kazans Einstellung dazu, als auch die Emotionen des Protagonisten durchgehend deutlich wieder. Die Zugehörigen verschiedener Gruppen und Gesellschaftsschichten wurden eindeutig mit unterschiedlich sympathischen Zügen dargestellt.
Trotz dieser Öffnung eines neuen künstlerischen Feldes für den Regisseur bleibt AMERICA, AMERICA
der letzte wirklich erfolgreiche Kinofilm Kazans.

Quellen:

http://themovieprojector.blogspot.co.at/2011/06/america-america-1963.html (22.06.2013)

http://sensesofcinema.com/2012/cteq/%E2%80%9Cpeople-are-waiting%E2%80%9D-elia-kazan-and-america-america/ (22.06.2013)

http://www.imdb.com/title/tt0056825/ (22.06.2013)

http://hcl.harvard.edu/hfa/films/2009julsep/kazan.html (22.06.2013)

Autorin: Elisabeth Weissensteiner

Redaktion: Shirin Pegler

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