A Face In The Crowd (1957)

Gepostet am Aktualisiert am

Deutscher Titel: Ein Gesicht in der Menge

USA, 126 Minuten, s/w

Studio: Warner Bros.

Regie: Elia Kazan

Produzent: Elia Kazan

Drehbuch: Budd Schulberg

Darsteller: Andy Griffith, Patricia Neal, Anthony Franciosa, Walter Matthau, Lee Remick…

Der 1957 veröffentlichte US-amerikanische Spielfilm A Face in the Crowd entstand unter der Regie von Elia Kazan und basiert auf der Kurzgeschichte “Your Arkansas Traveler” von Budd Schulberg, der auch das Drehbuch verfasste. Die Geschichte handelt vom Aufstieg eines Fernsehstars und im weiteren Sinne von der Macht der Medien.

Protagonist ist der Herumtreiber und „country boy“ Larry Rhodes (Andy Griffith), der im Gefängnis von der jungen Rundfunkmoderatorin Marcia Jeffries für ihre Radiosendung „A Face in the Crowd“ entdeckt wird. Marcia sieht Potential in Rhodes rauem Charme und macht ihn unter dem Künstlernamen „Lonesome“ Rhodes berühmt, und zwar bald schon in ganz Memphis, wo er seine eigene Fernsehshow bekommt. Schnell wird Rhodes bewusst, welchen Einfluss er auf sein Publikum hat, vor allem als er es unwillkürlich schafft, die Umsätze des Matratzenherstellers, der die Show sponsert, durch seine Witze um 55% zu erhöhen. Durch sein Charisma wächst sein Einfluss, sodass er mit Hilfe des jungen, ambitionierten Emporkömmlings Joey DePalma (Anthony Franciosa) eine TV-Show in New York landet. Doch mit Rhodes Popularität steigern sich auch sein Ego und sein Größenwahn, und immer stärker zeigt sich seine arrogante, amoralische, manipulative und machthungrige Seite. Inzwischen ist sein Einfluss auch auf die Politik übergegangen und er wird zum medialen Trainer eines Senatoren und Präsidentschaftskandidaten, der mit Rhodes Tipps und Tricks sein Auftreten und damit seine Beliebtheit verbessern kann. Außerdem beginnt „Lonesome“ eine Romanze mit Marcia, lässt sie jedoch für eine 17-Jährige sitzen, die er spontan heiratet und nach Lust und Laune betrügt. Marcia erkennt mehr und mehr seinen wahren Charakter und schafft es gegen Ende des Films, sich mit Unterstützung eines befreundeten Schriftstellers (Walter Matthau) von Rhodes loszureißen und seinen Aufstieg zu stoppen: Als sich Rhodes nach einer Aufnahme über die Naivität und Lenkbarkeit seines angeblich dummen und willenlosen Publikum auslässt und lustig macht, schaltet Marcia sein Mikrofon wieder ein, sodass er unwissentlich live auf Sendung sein wahres Gesicht zeigt und so viele Fans brüskiert und verliert.

A Face in the Crowd wurde nach seiner Veröffentlichung 1957 mit gemischten Kritiken, jedoch insgesamt positiv aufgenommen und erhielt in den folgenden Jahren immer bessere Bewertungen. Besonders Andy Griffiths darstellerische Glanzleistung in der komplexen Hauptrolle wurde hoch gelobt. Regisseur Elia Kazan und Drehbuchautor Budd Schulberg hatten schon zuvor bei On the Waterfront (USA 1954, R.: Kazan) äußerst erfolgreich zusammengearbeitet. 2008 wurde A Face in the Crowd in das National Film Registry der amerikanischen Nationalbibliothek Library of Congress aufgenommen, wodurch ihm eine besondere Bedeutung in geschichtlicher, kultureller oder ästhetischer Hinsicht zugestanden wurde.

Den Spielfilm mit der Realität der Fernseh- und Medienlandschaft der 1950er Jahre zu vergleichen, fällt nicht schwer. Kazan griff häufig auf semidokumentarische Filmtechniken zurück, und in A Face in the Crowd sorgen einige Cameo-Auftritte damaliger TV-Persönlichkeiten für gesteigerte Authentizität (u.a. Sam Levenson, John Cameron Swayze, Mike Wallace, Earl Wilson, Walter Winchell, … als sie selbst). Auch für den Hauptcharakter des Larry „Lonesome“ Rhodes gab es verschiedene Inspirationsquellen, wie zum Beispiel den populären Radio- und TV-Moderator Arthur Godfrey, der seine Shows wie Rhodes dazu nutzte, sich über seine Sponsoren lustig zu machen und sie damit zu Bewerben. Auch zeigte Godfrey hinter den Kulissen seine dominante und herablassende Seite, von der seine Zuschauer lange keine Ahnung hatten, bis er eines Tages seinen Kollegen und Protegé, den Sänger Julius LaRosa, bewusst live auf Sendung feuerte. Weiters war der Entertainer und Humorist Will Rogers, Sr. ein Vorbild für die Rolle des „Lonesome“ Rhodes, denn auch er soll im Privaten eine völlig andere Persönlichkeit als vor der Kamera gezeigt haben, wo er sich als naiver, gutmütiger, eher ungebildeter Junge vom Land gab. Die Szene, in der Marcia die Scheinheiligkeit von Rhodes durch das Aktivieren des Mikrophons aufdeckt, ist an den „Uncle Don Incident“ angelehnt, bei dem der Host einer Radiosendung für Kinder diese unbeabsichtigt noch auf Sendung als „little bastards“ bezeichnete.

Diese realen Inspirationen zeigen, wie authentisch und realistisch A Face in the Crowd trotz gelegentlicher satirischer Überzogenheit ist. Damit kann der Film als ein für die 50er Jahre äußerst politischer bzw. gesellschaftskritischer Film eingestuft werden.

Bereits im Titel „A Face in the Crowd“ finden bereits die zwei wichtige Aspekte des Films: Erstens das face, was übersetzt soviel bedeutet wie Gesicht, aber auch im Sinne von Fassade oder Oberfläche gebraucht wird. Und das Gesicht, das „Lonesome“ im Fernsehen zeigt, ist tatsächlich nichts weiter als das – reine Fassade, gespielte, kalkulierte, oberflächliche Herzenswärme gegenüber den in Wahrheit verachteten Zusehern. Das spiegelt auch die Fernsehrealität wider, wo doch jeder Moderator, der als er selbst auftritt, eigentlich nur eine Rolle spielt, während das Publikum glaubt, den Mann oder die Frau hinter der Fassade zu kennen.

Das zweite Schlagwort im Filmtitel ist das der crowd, zu Deutsch die Menschenmasse oder Menge oder auch der Pöbel, welches besonders vom Standpunkt der Massenpsychologie interessant ist. Wie der Film zeigt, lässt sich das Zuschauerkollektiv lässt sich viel zu einfach vom Charisma eines TV-Stars einfangen und manipulieren. Anstatt als Individuen selbst zu denken und sich eigene Meinungen zu bilden, kaufen sie die Produkte, die Rhodes bewirbt, wählen die Politiker, die er präsentiert, übernehmen viele seiner Ansichten usw., und zwar nur aus dem einfachen Grund, dass er im Fernsehen ist und sympathisch wirkt. Auch heute noch lassen sich die Menschen in ihrer Meinungsbildung – ob bewusst oder unbewusst – sehr stark von dem beeinflussen, was sie in den Medien sehen, hören und lesen. Somit ist A Face in the Crowd heute noch genauso aktuell wie vor 50 Jahren.

Der Spielfilm entstand in der McCarthy-Ära, einer Zeit, in der in Hollywood die Kommunistenhatz bereits voll im Gange war. Regisseur Elia Kazan spielte dabei eine besonders kontroverse Rolle, denn im Gegensatz zu einigen Kollegen verweigerte Kazan 1952 nicht die Aussage vor dem Komitee für unamerikanische Triebe (HUAC) , sondern sprach offen über seine Erfahrungen mit dem Kommunismus. Er selbst war in den 30ern Mitglied der kommunistischen Partei gewesen, jedoch nach knapp zwei Jahren wieder ausgestiegen, als die Partei Einfluss auf sein Group Theatre nehmen wollte. Doch was Kazan so starke Kritik einbrachte, dass sich viele Hollywoodgrößen sogar weigerten, ihm 1999 zu seinem Ehrenoscar zu applaudieren, war die Tatsache, dass er auch Namen von anderen ehemaligen Parteimitgliedern nannte. Dies wurde als Verrat an seinen Kollegen angesehen, die dadurch auf die Schwarze Liste kamen und ihre Jobs verloren (obwohl er immerhin nur Namen nannte, die das Komitee ohnehin bereits kannte). Kazan selbst entging so jedoch der Schwarzen Liste und konnte seine Karriere fortsetzen.

Autorin: Marlene Wagner (1163491)

Redaktion: — (niemand eingetragen)

Quellen:

Foreman, Amanda, and Jonathan Foreman. „Our Dad was no commie.“ New Statesman [1996] 26 Mar. 1999: 20+. Biography In Context. Web. 23 June 2013.

Maloney, Courtney. “The Faces in Lonesome’s Crowd: Imaging the Mass Audience in A Face in the Crowd”. Journal of Narrative Theory, Volume 29, Number 3, Fall 1999, pp. 251-277

Steyn, Mark. „The crucible of Hollywood’s guilt: Elia Kazan (1909-2003).“ The Atlantic Dec. 2003: 38+. Biography In Context. Web. 23 June 2013.

Wakeford, Michael. “None Without Sin: Elia Kazan, Arthur Miller, and the Blacklist”

http://www.imdb.com/title/tt0050371/

http://de.wikipedia.org/wiki/Elia_Kazan

http://en.wikipedia.org/wiki/A_Face_in_the_Crowd_(film)

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