Thirty Seconds Over Tokyo (1944)

Gepostet am Aktualisiert am

Studio: Metro-Goldwyn-Mayer

Produzent: Sam Zimbalist

Regie: Mervyn LeRoy

Drehbuch: Dalton Trumbo

Darsteller: Van Johnson, Robert Walker, Spencer Tracy; u.v.a.

Länge: 138 Minuten

Unter all den Personen, die an Thirty Seconds Over Tokyo (dt.: Dreißg Sekunden über Tokio) beteiligt waren, sticht ein Name in Bezug auf die schwarze Liste und die HUAC-Verhöre heraus: Dalton Trumbo. Dalton Trumbo war ein Mitglied der Hollywood Ten, jener zehn Filmschaffenden, die sich auf den ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten beriefen und eine Aussage vor dem House Un-American Activities Committee (HUAC) verweigerten. Als Konsequenz wurden Trumbo sowie auch die restlichen neun unfriendly witnesses zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und auf die schwarze Liste gesetzt. Die schwarze Liste war einer Auflistung all jener Personen im Filmgeschäft, die eine Aussage vor dem HUAC verweigerten und denen durch die Nähe zu kommunistischen Vereinigungen anti-amerikanisches Verhalten vorgeworfen wurde. Während jener Zeit nutzte Trumbo Pseudonyme und Fronts, um weiter arbeiten zu können. Ein Front, oder Strohmann, war eine Person, die sich für den Autor ausgab. So wie mit Trumbo die McCarthy-Ära in Hollywood 1947 ihren Anfang nahm, so endete sie ebenso mit Trumbo. Stanley Kubricks Sandalenepos Spartacus aus dem Jahr 1960, zu dem Trumbo das Drehbuch schrieb, war einer der ersten Hollywood-Filme, die der Ära der schwarzen Liste ein Ende setzte (Tieber, 216). Trumbo wurde namentlich in den Credits erwähnt.

Thirty Seconds Over Tokyo erzählt die Geschichte des als Doolittle Raid bekannt gewordenen Überraschungsangriff der US-amerikanischen Luftstreitkräfte auf Tokio. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Leutnant Ted Lawson, einer von jenen Soldaten, die sich dazu bereit erklärt haben, diesen riskanten Angriff auszuführen. Trumbos Drehbuch basiert auf den Erlebnissen des Piloten Ted W. Lawson. Lawson schildert im gleichnamigen Buch seine Eindrücke des Doolittle Raids.

Thirty Seconds Over Tokyo feierte seine Premiere am 15. November 1944, also knappe drei Jahre vor den ersten HUAC-Verhören und der schwarzen Liste. Filme die zu jener Zeit den Krieg thematisierten, waren übersät mit pro-amerikanischer Propaganda und Patriotismus. Das System der Propaganda wurde von einem Großteil der amerikanischen Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg als negativ betrachtet (Koppes, Black, 48ff). Nichtsdestotrotz erfreuten sich auf Propaganda ausgelegte Filme wie 30 Seconds Over Tokyo reger Beliebtheit. Was diesen Film im Kontext der schwarzen Liste interessant macht, ist die Beteiligung Trumbos. Ein Jahr nach der Veröffentlichung von Thirty Seconds Over Tokyo trat Trumbo der Kommunistischen Partei bei, 1947 landete er auf der Schwarzen Liste (Tieber, 218). Trumbos Oeuvre lässt sich in drei Phasen unterteilen – vor, während und nach der Schwarzen Liste. Was alle drei Phasen gemeinsam haben, ist der Erfolg, der von Trumbo geschriebenen Filme. Inhaltlich unterscheiden sie sich vor allem in ihrer Thematik. Während etwa Trumbos Kriegsfilme vor der Schwarzen Liste ebenso von Patriotismus strotzten wie die anderen Filme zu jener Zeit, thematisierten seine Filme während der McCarthy-Ära liberale Themen, wie etwa Individualismus. Nach dem Ende der Schwarzen Liste waren es vor Allem seine Monumentalfilme, wie Spartacus (1960) oder Exodus (1960) die ihn als erfolgreichen Drehbuchautor auszeichneten (Tieber, 219).

Die Thematiken die Thirty Seconds Over Tokyo behandelt, werden dem Rezipienten wenig subtil übermittelt. Themen wie Patriotismus, Zusammenhalt, aber auch die Rolle der Frau ziehen sich durch den ganzen Film hinweg. In einer Szene gegen Ende des Film werden die amerikanischen Soldaten rund um Leutnant Lawson von den Klängen ihrer Nationalhymne, dargebracht von einem chinesischen Chor, aus einem Krankenhaus verabschiedet. Die Chinesen, denen die Amerikaner ihr Leben zu verdanken haben, feiern sie als Helden.

Fast schon dokumentarisch werden in der ersten Hälfte des Films die Trainingseinheiten der Soldaten gezeigt. Dem Rezipienten werden so die Herangehensweisen der amerikanischen Armee vor Augen geführt. Der Ablauf des Angriffes erfordert es, dass ein beladener B-25 Bomber von einem Flugzeugträger aus startet. Diese Schwierigkeit wird von den US-Soldaten fehlerfrei gemeistert. Generell kommt es zu keinen Konflikten innerhalb des Armeekorpus, im Gegenteil, der Film ist geprägt von brüderlichem Verhalten, wie etwa gemeinsamen Pokerspielen oder Gesangseinlagen. Anhand der Gespräche zwischen den Ehefrauen der Soldaten eröffnet sich dem Rezipienten ein Einblick auf die Rolle der Frau als Kindererzieherin und Hausfrau („We’ll probably have exactly the same doubts that we have right now. For example, will or will he not be home for dinner?“)

In einem ernsteren Moment in der Mitte des Films kommt es zu einem Gespräch zwischen Lawson und einem Kollegen. Der Versuch die Japaner zumindest teilweise als menschliche Wesen darzustellen („My mother had a jap gardener once – he seem like a nice little guy“) oder einen makaberen Ansatz von Sympathie zu zeigen („You know I don’t hate the Japs – yet. It’s a funny thing. I Don’t like ‚em, but I don’t hate ‚em“), folgt die äußerst fragwürdige Rechtfertigung, einen Angriff mit vermeintlichen zivilen Opfern als Notwehr darzustellen („I don’t pretend to like the idea of killing a bunch of people, but it’s a case of drop a bomb on them or pretty soon they’ll be dropping one on Helen.“). Dass es sich bei Helen um Lawsons schwangere Ehefrau handelt, verstärkt diese Rechtfertigung noch weiter. Der Zuschauer soll sich darin bestärkt fühlen, dass der Doolittle Raid unvermeidlich und vor allem die logische Antwort auf den Angriff von Pearl Harbor war.

Schlussendlich ist Thirty Seconds Over Tokyo insofern ein interessantes Stück Filmgeschichte, als es das perfekte Beispiel eines amerikanischen Propagandafilms während des Zweiten Weltkrieges darstellt und den Facettenreichtum Dalton Trumbos im Kontext seines Lebenswerks zeigt. Wie viele Filme Trumbos war auch Thirty Seconds Over Tokyo ein Box-Office-Hit. Auch von den Kritikern wurde der Film hochgelobt. Bei den Oscar-Verleihungen 1945 wurde er in zwei Kategorien nominiert und für die besten Spezialeffekte ausgezeichnet.

Literatur:

Tieber, C. (2008). Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Sudiosystem. Wien: Lit-Verlag.

Koppes, C. R., Black, G.D. (2009). Hollywood Goes To War. How Politics, Profits and Propaganda Shaped World War II Movies. Berkeley, California [u.a.]: Univ. of California Press.

Zusätzliche Quelle:

http://www.imdb.com

Autor: Dominik Mayer (0909135)

Redakteurin: Birte Gemperlein (0907079)

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