The Robe (1953)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1953, 135 Minuten

Regie: Henry Koster

Drehbuch: Albert Maltz, Philip Dunne

Kamera: Leon Shamroy

Schnitt: Barbara McLean

Musik: Alfred Newman

Produktion: Frank Ross, Twentieth Century-Fox (davor RKO)

Mit Richard Burton (Marcellus Gallio), Jean Simmons (Diana), Victor Mature (Demetrius), Michael Rennie (Petrus), Jay Robinson (Caligula)

The Robe“ ist ein amerikanischer Monumentalfilm, der zur Zeit der Machtergreifung von Caligula in Rom spielt. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lloyd C. Douglas aus dem Jahr 1942.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der römische Tribun Marcellus. Dieser wird nach einem Affront mit Caligula, dem Anwärter auf den Kaiserthron, kurzerhand nach Palästina strafversetzt. Dort bekommt er den Auftrag einen jungen Prediger namens Jesus Christus zu kreuzigen. Zu den Füßen des sterbenden Heilands würfelt Marcellus zusammen mit anderen Soldaten um dessen Gewand, welches er gewinnt. Nach kurzer Zeit wird er von Halluzinationen und Fieberschüben geplagt. Der Tribun glaubt, dass das Gewand Schuld an seiner plötzlichen Krankheit ist und ihn mit einem Fluch belegt hat. Demetrius, ein Sklave, verurteilt seinen Herrn für den Tod des Predigers. Er verlässt ihn und nimmt das Gewand mit. Um den Fluch wieder zu beseitigen, begibt sich nun Marcellus auf die Suche nach den Anhängern von Jesus, den Christen, und dem Gewand, welches er zerstören will. Er trifft auf den Fischer mit Namen Petrus und auf Demetrius, die ihm die Lehren von Jesus zeigen. Marcellus konvertiert infolgedessen zum Christentum und kehrt zurück nach Rom, wo er vor das Tribunal gestellt wird und dem Kaiser Antwort und Rede stehen muss.

Als der Schriftsteller Lloyd C. Douglas die Filmrechte zu seinem Buch im Jahr 1942 an das Studio verkaufte, war dieses noch nicht fertig geschrieben. Aber es dauerte ganze 11 Jahre, bevor der fertige Film zur öffentlichen Betrachtung bereit war.

Doch was passierte in diesen 11 Jahren? Wer schrieb das Drehbuch zum Film?

Der Drehbuchautor Albert Maltz wurde zunächst von RKO beauftragt, das Drehbuch zu „The Robe“ zu schreiben. Dieser vollendete seine Arbeit auch im September 1946, einem Jahr vor den HUAC-Verhören. Aus unerklärlichen Gründen bekam aber der liberale Filmautor Philip Dunne vom Produzenten Frank Ross den Auftrag das Drehbuch zu „The Robe“ neu zu bearbeiten. Auf Dunnes Frage, wer das Skript vor ihm geschrieben habe, versicherte ihm Ross, er selbst habe es davor verfasst (Robb 1996). Im guten Glauben änderte Dunne das Drehbuch um, ohne zu wissen, dass der geblacklistete Maltz der eigentliche Verfasser des Drehbuchs war. Dunne musste 20 Jahre lang mit dieser Lüge leben, bis in den 80er Jahren die Wahrheit aufgedeckt wurde.

Maltz war bekennender Sozialist und Gegner des Faschismus. Dunne war Liberaler und verurteilte die Absichten des HUAC. Im Folgenden soll beschrieben werden, inwiefern sich diese Einstellungen auf „The Robe“ transformieren lassen können und ob, der Film gleichzeitig als eine politische Allegorie als auch ein religiöses Epos gesehen werden kann.

 Einige Andeutungen im Film spielen auf diese Theorie hin. Doch ich stelle mir die Frage, wie diese schlussendlich gelesen werden sollen. Zwei Lesearten sind vor allem bekannt. Zum einen die des Filmhistorikers John Belton, der den Film als Anti-HUAC Allegorie sieht. Beltons Hauptindiz für diese Behauptung war, die Aussage des Co-Writers Dunne, der in seiner Biographie schrieb, dass der erste Entwurf des Drehbuches für „The Robe“von einem geblacklisteten Schriftsteller geschrieben wurde (Lev 2013). Diese Behauptung ist aber kaum wahrscheinlich, da Maltz das Skript ein Jahr vor den HUAC-Verhören vollendet hatte und nichts von diesem wissen konnte. Dennoch gibt es viele Dialogszenen im Film, die stark an das HUAC erinnert. Vor allem die Szene, wo Kaiser Tiberius (Ernest Thesiger) den Tribun Marcellus auffordert, Informationen über die Anhänger von Christus zu sammeln mit den Worten: “I want names, Tribune, names of all the disciples, of every man and woman who subscribe to this treason.“ (0h54’21)                                   Auch die Charaktereigenschaften von Kaiser Tiberius und Caligula könnten Aufschluss auf die Anti-HUAC Allegorie bringen. Kaiser Tiberius, der im Film wesentlich sanfter dargestellt wird als der Realität entsprechend, regiert nach den Regeln des römischen Imperiums. Nachdem Tiberius stirbt, übernimmt Caligula die Herrschaft über Rom. Er regiert wesentlich brutaler als sein Vorgänger und kennt keine Gnade bei seinen Mitmenschen und Feinden. So könnten Kaiser Tiberius und Caligula als Verkörperung von J. Parnell Thomas, dem Vorstand des HUAC, und dem umstrittenen “Kommunistenjäger“ Joseph McCarthy gesehen werden.

Die zweite Lesart bezieht sich auf die Anti-Faschismus Allegorie, die für mich plausibelste Theorie. Da Maltz sich selbst als leidenschaftlicher Kämpfer gegen den Faschismus bezeichnete und sich im Jahr 1944 und später intensiv mit dem Thema beschäftigte. Zwar kann man auch hier nicht sagen, dass Maltz mit Sicherheit seine Intentionen zum Faschismus in „The Robe“einarbeitete, aufgrund der Tatsache, dass der Film nicht auf seiner eigenen Novelle beruht. Aber es lassen sich auch hier einige Parallelen ziehen. Nachdem Marcellus nach Rom zurückkehrt und vor das Tribunal gestellt wird, äußert dieser eine bewegende Rede für “peace and brotherhood among all men“ und gegen “the course of aggression and slavery that have brought agony and terror and despair to the world.“ (2h02’40-50“) Diese Darstellung kann man sehr gut auf den Faschismus übertragen, als eine Auflehnung gegen ein rechtsextremes, totalitäres und autoritäres Regime.              Ein weiteres Indiz für die Anti-Faschismus Allegorie sind nach Smith die römischen Rutenbündel (fasces) eine Beilvorrichtung, die in Maltz Erstentwurf des Skripts beschrieben werden. So schreibt Smith: “The combination of the fasces with the Roman Eagle and carved lighting takes on contemporary resonance here as implicit references to the Iron Eagle of Nazi symbolism“.(Smith 2011)

Die Theorien, die ich vorher angesprochen habe und das politische Statement des Films wurden in den damaligen Filmkritiken jedoch (wahrscheinlich mit Absicht) kaum angesprochen. Stattdessen wurde vielmehr von der technischen Neuheit „Cinemascope“, ein von Twentieth Century-Fox entwickeltes und patentiertes Breitwandverfahren, berichtet, dass von der eigentlichen Handlung des Films ablenken sollte.

Ein Jahr später, 1954, kam die Fortsetzung von „The Robe“ unter den Namen Demetrius and the Gladiators (USA 1954, Regie: Delmer Daves) in die Kinos, diesmal schrieb Dunne das Drehbuch gänzlich selbst. Eine Besonderheit, da es die einzige Fortsetzung in der Geschichte der „Sandalenfilme“darstellt. Der Film knüpft an das Ende von „The Robe“ an und stellt nun den Sklaven Demetrius (erneut Victor Mature in der Rolle) in den Mittelpunkt der Handlung. Interessant ist hier nun, dass das Drehbuch nach den HUAC-Verhören geschrieben wurde und Dunne von Anfang an die Absichten des HUAC verurteilte. So könnten einige Intentionen von Dunne in den Film miteinbezogen worden sein. Wie zum Beispiel die Haltung des 1947 geblacklisteten Filmregisseurs Edward Dmytryk, welcher nach seiner Haftstrafe beim zweiten HUAC-Verhör im Jahr 1951 sich zum Kommunismus bekannte. Dieser weist Parallelen zur Hauptfigur Demetrius auf: Nachdem dieser von Kaiser Caligula aufgefordert wird, sich vom Christentum zu entsagen, willigt dieser ein und tritt im Rang eines Tribuns in die kaiserliche Garde ein. So wie Demetrius bekommt auch Dmytryk nach seiner zweiten Aussage vor dem Verhör seinen Rang eines „gutbezahlten“ Filmregisseurs wieder zurück.

Die abschließende Frage stellt sich nach der Wichtigkeit des Gewandes in „The Robe“. Belton hat zwar bei seiner Allegorie Theorie wichtige Vergleiche zum Film und dem HUAC gefunden wie z. B. der Kommunisten-Christen Vergleich oder die Verhöre mit dem römischen Tribunal, aber er hat nie dem Gewand eine Rolle zugeordnet bzw. mit etwas was das HUAC betrifft verglichen. Anscheinend auch deswegen nicht, weil sich die Antwort auf die Frage schwer einschätzen lässt. Meine Vermutung wäre, dass das Gewand als Allegorie für die Menschen steht, die den HUAC-Verhören immer skeptisch gegenüberstanden. Menschen wie Dunne oder dem Schauspieler Humphrey Bogart, der ebenfalls Liberaler war und das HUAC verachtete. Das Gewand steht für etwas Gutes. Jeder der in dessen Berührung kommt wird bekehrt und glaubt an das Reine im Menschen. So waren vielleicht auch die Anti-HUAC Gegner, die Außenstehende davon überzeugen konnten nicht an dieser menschenverachtenden Hetzjagd des HUAC teilzunehmen und dagegen anzukämpfen.                                                                                       So wie der Glaube des Filmhelden Marcellus an Jesus und an das Gewand, machte es auch ihn schließlich zu einem besseren Menschen. Er kämpfte gegen die Skrupel des Kaisers an und gewann. Zusammen mit seiner einzigen großen Liebe Diana folgte er seinem wahren Herrn Jesus Christus in dessen Reich, um dort ein Leben ohne Verfolgung und Wahn fortsetzen zu können.

Schlussendlich ist es egal wie der Film interpretiert wird, da jeder seine eigenen Eindrücke und sein Wissen in den Film hineinprojizieren kann. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass „The Robe“ vielmehr eine Allegorie auf den Anti-Faschismus darstellt als auf die HUAC-Theorie. Dafür sprechen die Argumente, die ich oben bereits angesprochen habe.                                                                                                            Doch eines ist sicher: „The Robe“ ist insgesamt ein Monumentalfilm über moralische Wertvorstellungen, der unter der nicht wissenden Zusammenarbeit zwischen Maltz und Dunne entstanden ist. Erst nach ca. 50 Jahren (2003) wurde Maltz‘ Name von Twentieth Century-Fox digital in den Credits hinzugefügt, doch diesen minimalen Erfolg konnte er leider nicht mehr erleben. Er starb bereits im Jahr 1985.

Literatur:

Brüning, Eberhard, Albert Maltz. Ein amerikanischer Arbeiterschriftsteller, Veb Max Niemeyer Verlag 1957.

Lev, Peter. Twentieth Century-Fox. The Zanuck Skouras Years. 1935-1965, University of Texas Press 2013.

Robb, David.“Naming the Right Names. Amending the Hollywood Blacklist“, Cineaste – America’s Leading Magazine on the Art and Politics of the Cinema 22/2 Juni 1996, S. 24-29.

Smith, Jeff. “Are you now or have you ever been a Christian? The strange history of The Robe as Political Allegory“, Un-American Hollywood: Politics and Film in the Blacklist Era. Hrsg. von Frank Krutnik u.a. Rutgers University Press 2007, S. 19-38.

Autorin: Daniela Zivic (0946721)

Redaktion: Jacqueline Kloft (0909731)

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