The Molly Maguires (1970)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1970, 124 Min.

Regie: Martin Ritt

Drehbuch: Walter Bernstein

Kamera: James Wong Howe

Musik: Henry Mancini

Produktion: Martin Ritt, Walter Bernstein/ Paramount

Besetzung: Sean Connery (Jack Kehoe), Richard Harris (James McKenna bzw. Detektiv James McParlan), Samantha Eggar (Mary Raines), Frank Finlay (Davies), Anthony Zerbe (Tom Dougherty), Art Lund (Frazier), Anthony Costello (Frank McAndrew)

Martin Ritt und Walter Bernstein, 2 Filmemacher, die von den negativen Auswirkungen der sogenannten Schwarzen Liste spürbar betroffen wurden, verband nicht nur eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit an verschiedenen Projekten im Film und Fernsehen, sondern auch eine eher linke politische Einstellung und ein großes Interesse an sozialen und moralischen Fragestellungen. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit und das Hinterfragen der moralischen Auffassungen stehen auch im Mittelpunkt ihres 1970 fertig gestellten Filmes The Molly Maguires.

Die beiden Drehbuchautoren (später auch Produzenten und Regisseure) Ritt und Bernstein konnten während der 1950 Jahre nur unter Pseudonymen oder mithilfe von den sog. Fronts (Personen, die in der Öffentlichkeit als der jeweilige Filmemacher auftraten) künstlerisch tätig sein, da sie aufgrund ihrer politischen Überzeugungen von HUAC (House Un-American Activities Committee) auf die sog. Schwarze bzw. Graue Liste gesetzt wurden. Erst in den sechziger Jahren scheinen ihre Namen in den Credits wieder auf und in den siebziger Jahren bearbeiten sie ihre Erfahrungen aus der Ära der Schwarzen Liste in dem gemeinsamen Film The Front . Es ist also nicht verwunderlich, dass als Bernstein 1970 von Paramount die Möglichkeit bekam, die Geschichte der Molly Maguires zu verfilmen, zögerte er keine Sekunde und verwendete den 10 Millionen Dollar hohes Budget, um mit Rittt The Molly Maguires zu drehen.

Pennsylvania, Ende des 19. Jahrhunderts. The Molly Maguires, eine Gruppe Minenarbeiter irischer Abstammung, angeführt von Jack Kehoe (gespielt von Sean Connery) kämpft mittels Sabotageaktionen gegen den Minenbesitzer. Der geldgierige Kapitalist (hier allerdings nicht als eigenständige Figur dargestellt, sondern vielmehr auf ein Symbol aller ausbeuterischen Industriellen reduziert), der gleichzeitig auch der einzige Arbeitgeber im Dorf ist, lässt seine Mitarbeiter unter gefährlichsten Bedingungen arbeiten und scheut nicht einmal vor Kinderarbeit. Wenn schließlich der lange Arbeitstag vorbei ist, bleibt den Männern und Buben auch ein angemessener Lohn vorenthalten.

Die untragbare soziale Situation treibt die Arbeiter zu Sabotagen gegen den Minenbesitzer. Diese geheimen subversiven Aktionen bedeuten für die frustrierten Minenarbeiter die einzige Möglichkeit eines effektiven Widerstandes, denn sie verloren bereits alle Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit im gesetzlichen Rahmen. Die Anfangszene, die gänzlich ohne gesprochenes Wort auskommt, zeigt eine solche Sabotage. Mithilfe von Sprengstoff zerstören die Molly Maguires den Eingang in den Schacht. Da es aber zu der Explosion erst nach dem Ende der Arbeitszeit kommt, als bereits Alle das Gelände verließen, kann die Tat niemanden vorgeworfen werden. Um den ständigen Sabotagen ein Ende zu setzen, soll sich der Detektiv James McParlan unter die Arbeiter mischen, ihr Vertrauen gewinnen und die Widerständigen aufspüren.

Doch die „Mollies“ bleiben nicht nur bei der Wirtschaftssabotage, sie kämpfen ebenfalls gegen die Polizei, die das korrupte Rechtssystem symbolisiert, auf der Seite der Reichen und Mächtigen steht und die soziale Missstände ignoriert. Der Detektiv, der unter dem Pseudonym McKenna auftritt, kann sich erfolgreich in das Dorfleben integrieren, verliebt sich in seine Hausherrin und lernt Kehoe kennen. Letztlich wird er selbst einer von den Molly Maguires und beteiligt sich an ihren Widerstand. Dies nutzt er allerdings nur als Vorwand, um möglichst viele Informationen über ihre Tätigkeiten zu sammeln, welche er dann an die Polizei weiterleitet. Jedoch je länger McKenna in der Minne arbeitet, umso mehr beschäftigt er sich mit den Beweggründen der Mollies. Es lassen sich bei ihm Ansätze innerlicher Zweifel über die Rechtfertigung des polizeilichen Vorgehens feststellen, was auch die Konversation mit dem Polizeichef Davies beweist (00:56:00 – 00:56:08).

McKenna/ McParlan: „I’d kill somebody, if I couldn’t get out.“ (im Sinne von: >out of the mine<)

Davies: „Don’t get confused about what side you’re on.“

Die Figur des Detektivs entwickelt sich im Laufe des Geschehens in einer wechselhaften Zweispaltigkeit weiter. Auf der einen Seite erfüllt er mit einer egoistisch-zynischen Haltung seinen polizeilichen Auftrag. Gleichzeitig versucht er aber mehrmals, die Mollies von weiteren Taten abzuhalten. Für die Molly Maguires und vor allem für Jack Kehoe ist jedoch der Widerstand in seinen unterschiedlichen Ausformungen schließlich ein Ausdruck dessen, dass sie lebendige Individuen sind, die sich nicht auf bloße Instrumente für die Arbeit unter der Erde reduziert lassen dürfen. Das Gefühl von Lebendigkeit drückt sich besonders nachdrücklich aus, als Kehoe mit McKenna das Dorfgeschäft zerstören.

Jack Kehoe ist klar, dass er mit seinen Männern gegen die Polizei nicht gewinnen kann und ihr Kampf für soziale Gerechtigkeit von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Trotzdem kämpfen sie weiter, um wenigsten ein bisschen zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen. Der Widerstand der Molly Maguires ist stark symbolisch aufgeladen: Es geht ihnen darum, dass sie wahrgenommen werden.

Der Film ist tief verwurzelt in einem humanistischen Gedanken und plädiert sowohl für Menschenrechte als auch für soziale und ökonomische Gerechtigkeit. Für die Interpretation der Filmhandlung eröffnen sich, meiner Meinung nach, mindestens 2 miteinander zusammenhängende Lesearten. Eine politisch linke Leseart würde The Molly Maguires als einen dezidiert sozialen Film, der eine katastrophale gesellschaftliche Situation schildert, für die Rechte der Arbeiter wirbt und einen Partisanenkampf auf der wirtschaftlichen Ebene ansiedelt. Diese Leseart liegt nahe, dass ein solches Thema während der Blacklist-Ära nicht gedreht werden könnte. Darüber hinaus und damit verbunden wäre ein psychologischer Diskurs durchaus interessant, da einerseits die Suche nach der Motivation der Minenarbeiter, eine von vorherein verlorene Schlacht zu führen für die Hauptfigur ein zentrales Motiv bildet, andererseits repräsentiert jede der wesentlichen Figuren im Film einen anderen Standpunkt im Bezug auf die behandelte Problematik.

Im Film werden vorwiegend lange Plansequenzen mit musikalischer Untermalung eingesetzt. Das Filmgeschehen entfaltet sich vor allem im und durch das Bild, die Dialoge kommen nur sparsam, dafür aber gezielt vor. In diesen Sequenzen wird das Leben der Minenarbeiter in all seinen Facetten gezeigt. Die ausführliche Schilderung des harten Arbeitsalltags steht dabei eindeutig im Mittelpunkt. Diese Strategie erweist sich für den narrativen Aufbau des Filmes als sehr wirksam, da die Bilder alleine aussagekräftig genug sind, um die soziale Problematik klar zu artikulieren und den Zuschauer/innen zu vermitteln. Das dem Film zugrunde liegende Thema als auch die Art und Weise, wie diese dargestellt wird, lässt keine Zweifel über die linke politische Gesinnung der Filmemacher zu.

Trotz der Tatsache, dass es Momente gab, in denen sich McKenna auf die Seite der Molly Maguires stellte, verrät er ihren Plan, das Schießpulver zu stehlen, der Polizei. Bei dieser Gelegenheit werden letztendlich alle drei restlichen Mitglieder der Gruppe bei frischer Tat ertappt und verhaftet. Im Laufe der Gerichtsverhandlung wird McKenna als Zeuge vorgeladen und er enthüllt seine wahre Identität. Im Gerichtsaal verbreitet sich wie eine Welle das Entsetzen über den Verräter. Unmittelbar nach der Verhörung trägt der Richter das Urteil vor: Todesstrafe für Kehoe, McAndrew und Dougherty.

Die Schlussszene des gesamten Filmes fasst in einem letzten Gespräch zwischen McParlan und Kehoe sowohl die thematischen als auch die narrativen Pfade zusammen. Doch McParlan bekommt von Kehoe keine Lossprechung für seine Sünde – seinen Verrat. „See you in hell!“ sind die letzten Worte, die auf der Tonspur zu hören sind.

Auch wenn die Hauptrollen mit zwei der größten Filmstars der damaligen Zeit besetzt waren – Connery war als James Bond berühmt und Harris wurde dank der Rolle von König Arthur in Camelot ebenfalls zum Star – blieb der Film ein Misserfolg an der Kinokassa. Ein möglicher Grund für die niedrigen Box-Office-Einnahmen könnte die Tatsache gewesen sein, so Bernstein, dass das Studio zeitgleich mehrere Big Budget Produktionen auf den Markt brachte und folglich bekam The Molly Maguires nicht das erforderliche Maß an Werbepräsens, um ein kommerziell erfolgreicher Film zu werden. Trotzdem wird der Film als einer der wichtigsten Filme Bernsteins gehandelt.

Bibliographie:

Buhle, Paul, Hide in plain sight, Basingstoke: Palgrave Macmillan, erste Paperback-Ausgabe 2000.

McGilligan, Patrick, Interviews with screenwriters of the 1960s. 3 Backstory, Berkeley [u.a.]: Univ. of California Press 1997.

Tieber, Claus, Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem, Wien: Lit Verlag, 2008.

Autorin: Barbora Dvorcakova (0950769)

Redaktion: Julie Müller

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s