The Big Night (1951)

Gepostet am Aktualisiert am

The Big Night (1951)

Erscheinungsjahr: 1951

75 Minuten Laufzeit

Regie: Joseph Losey

Drehbuch: Stanley Ellin, Joseph Losey

Produktion: Philip A. Waxman

Musik: Lyn Murray

Schnitt: Edward Mann

Hauptdarsteller: John Barrymore Jr., Preston Foster, Howland Chamberlin, Howard St. John, Philip Bourneuf, Emil Meyer, Dorothy Comingore, Joan Lorring, Mauri Lynn

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit dem Film THE BIG NIGHT beschäftigen und diesen im Kontext der Schwarzen Liste betrachten. Dabei möchte ich vor allem untersuchen ob politische Inhalte des Autors in diesem Film deutlich sichtbar gemacht werden oder nicht.

Zunächst einmal ein paar Hintergrundinformationen zur Schwarzen Liste. HUAC bedeutet House Committee on Un-American Activities und die Organisation hat vor allem in den 1940er und 50er Jahren viele Regisseure, Drehbuchautoren und andere aus der Filmbranche verfolgt und verdächtigt Teil der Kommunistischen Partei zu sein. So kam es zu einer regelrechten Welle von Verhören. Auffallend sind die Verhöre von 1951, auch als McCarthy Verhöre bekannt, bei denen man Menschen dazu bringen wollte andere zu verraten. 1947 wurden 19 Personnen aus der Filmbranche verhört, davon verweigerten zehn die Aussage und gingen so in die Geschichte ein. Sie wurden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und konnten in Hollywood nicht mehr arbeiten. Einer von ihnen, Edward Dmytryk, hat 1951 eine Aussage gemacht und wurde dadurch von der Schwarzen Liste gestrichen, so dass er wieder in Hollywood tätig sein konnte.

Nun zu dem Film THE BIG NIGHT, der 1951 erschienen ist. Der Film beginnt mit dem Geburtstag von Georgie, der zusammen mit seinem Vater, Andy LaMain, lebt und ohne seine Mutter aufgewachsen ist. In dem Moment als Georgie’s Vater mit der Geburtstagstorte hineinkommt und das Geburtstagslied für seinen Sohn singt, stürmen Männer in das Lokal des Vaters hinein. Darunter Al Judge, der Andy LaMain befiehlt sich auszuziehen und fängt an diesen mit einem Stock zu verhauen. Georgie ist schockiert davon und noch mehr ist er davon schockiert, dass sein Vater nichts dagegen macht.

Während sein Vater am Abend von einem Freund verarztet wird, nimmt Georgie eine Waffe und beschließt, sich an dem Täter noch in derselben Nacht zu rächen. Er beginnt seine Suche in einer Boxarena, wo er glaubt Al Judge anzutreffen. Dort lernt er auch Dr. Cooper kennen indem er diesem seine zweite Karte verkauft. Sie kommen ins Gespräch und Georgie erzählt ihm, dass er auf der Suche nach Al Judge sei. Dieser verspricht ihm zu helfen und führt ihn, nachdem Georgie Al Judge aus den Augen verliert, zunächst aber an die Bar um etwas zu trinken. Schließlich gehen sie zusammen in einen Jazzclub, wo Georgie die Frau von Dr. Cooper kennenlernt. Danach wird der verwirrte Junge zunächst zu Dr. Coopers Haus geführt, wo der Junge von Dr. Cooper’s Schwester versorgt wird. Während er kurz einschläft, findet sie seine Waffe und versteckt sie. Sie versucht alles um ihn davon abzulenken und küsst ihn sogar, doch dieser deckt ihren Plan auf und rennt wütend mit der Waffe weg.

Schließlich trifft er Al Judge in einem Wohnhaus und bedroht ihn mit der Waffe. Daraufhin erzählt Al Judge ihm, dass wegen Georgie’s Vater seine Schwester Selbstmord begangen hat. Andy LaMain hat zu ihr gesagt, dass er sie niemals heiraten würde und daraufhin nahm sie viele Tabletten und schluckte diese zusammen mit Alkohol. Georgie kann nicht glauben was er da über seinen Vater hört und will wieder weggehen. Doch nun wird er von Al Judge mit einer Waffe bedroht und es kommt zu einem Kampf, bei dem Georgie auf Al Judge schießt. Erschrocken flieht er zu Dr. Cooper, um ihm davon zu berichten, der ihn aber rauswirft und sagt, er möchte mit ihm nichts zu tun haben. Erst gegen Morgen kommt er zu Hause an. Sein Vater beschließt so zu tun als ob der Junge geschlafen hätte und die Schuld auf sich zu nehmen. Als die Polizei kommt, stellt sich heraus, dass Al Judge nur verletzt wurde und keiner ins Gefängnis muss, da es ein Unfall war. Außerdem kommt noch ans Licht, dass sein Vater Al Judge’s Schwester nur nicht heiraten konnte, weil er immer noch mit Georgie’s Mutter verheiratet ist.

In dieser kurzen Zusammenfassung wird deutlich, dass Recht und Unrecht sowie Wissen und Unwissen eine große Rolle in diesem Film spielen. Meiner Meinung nach wird sehr stark Eigenjustiz betrieben und jeder fühlt sich frei einen anderen zu verurteilen. So ist es am Anfang der Al Judge, der sich das Recht nimmt Andy LaMain auf seine eigene Art und Weise zu bestrafen und diesen mit einem Stock zu verhauen. Als nächstes ist es der Junge Georgie, der die Gründe für das Geschehene nicht kennt und sich mit einer Waffe und dem Entschluss sich zu rächen auf die Suche nach Al Judge begibt. Aber auch Dr. Cooper verurteilt Georgie sofort ohne sich die ganze Geschichte anzuhören als dieser, nach dem Schuss auf Al Judge, zu ihm eilt. Die größte Eigenjustiz würde ich, die des Andy LaMain bezeichnen. Er nimmt die ganze Schuld auf sich, sowohl den Selbstmord seiner Freundin als auch die Tat seines Sohnes, als wäre es selbstverständig und lässt sich sowohl wortlos schlagen als auch verhaften.

Georgie verkörpert in dem Ganzen das Unwissen und die Unschuld. Denn er weiß als einziger nicht, warum sein Vater geschlagen wird, wer Al Judge eigentlich ist und vor allem nicht warum sein Vater die Schwester von Al Judge nicht heiraten kann.

Der Regisseur des Filmes THE BIG NIGHT wurde seit 1945 von House Committee on Un-American Activities ausspioniert und abgehört, da er der Kommunistischen Partei beitrat. Dies geschah auch vielen anderen in Hollywood, die der Partei beitraten wie John Howard Lawson, Wexley, Guild und viele andere. So hatte Joseph Losey dasselbe Schicksal wie viele andere auf der Schwarzen Liste in Hollywood.

Mitten in dieser Periode entstand der Film THE BIG NIGHT, der natürlich Andeutungen auf diese Zeit auf eine provokative Art aufweist. Zunächst einmal wirkt der Film vielleicht weniger politisch. Doch schon bald wird, mit dem Zeigen des Machtkampfs und Kampf nach Gerechtigkeit, klar, dass der Regisseur Joseph Losey eine bestimmte persönliche Richtung damit einschlagen wollte. Wichtig ist dabei auch noch zu beachten, dass das sein letzter Hollywood Film war.

Wie schon oben erwähnt spielt Recht und Gerechtigkeit eine große Rolle in diesem Film. So wird Al Judge dadurch vorgestellt, dass bei seinem Eintreten das Gesicht von Georgie und seinem Vater sich von einem Lächeln in einen Schockzustand verändert. Dann gibt es ein close up auf den Stock in Al Judge Hand ohne Al Judge im Ganzen zu zeigen. Hier werden also zwei Seiten gegenübergestellt, die dem Zuschauer von Anfang an den Eindruck verschaffen soll, wer der „Gute“ und wer der „Böse“ ist. Denn am Anfang ist auch der Zuschauer zunächst einmal im Unwissen. Im Zusammenhang mit der Schwarzen Liste könnte man sich hier die unfair behandelten Filmemacher in Hollywood vorstellen, die ohne Beweise oder Gründe verurteilt wurden. Losey stellt Andy LaMaine als einen Unterworfenen dar, der gehorcht, wenn man ihn schlagen möchte und sogar die nackte Haut zeigen soll. So sollten auch die Filmemacher in Amerika damals gehorchen, sich entblößen und aus der Partei austreten oder andere verraten, um weiterhin Filme machen zu können.

Dieser Verfolgungs- und Kontrollwahn wird auch im weiteren Verlauf des Films gezeigt. So wird Georgie angesprochen und kontrolliert, als er seine zweite Karte für den Boxkampf verkauft. Man dürfe es nicht und würde ihn im Auge behalten, sagt man ihm. Später trifft Georgie auf der Toillette erneut auf diesen Mann, der ihn ausfragt, was er hier mache und ob er denn spioniere. Worauf dieser ängstlich antwortet: „I don’t do anything […] I just came with my friends.“ Dies ähnelt sehr stark einer Art Verhör wie die Verhöre der Filmemacher auf der Schwarzen Liste waren. Verstärkt wird dies durch die Frage an den Jungen: „What do you know?“ Diese Frage wurde auch immer wieder bei den Verhören gestellt, um die Angeklagten zu zwingen jemanden oder etwas zu verraten und wird hier von Losey als ein deutliches Merkmal eingesetzt.

Auffällig ist der Name Al Judge, der eigentlich nicht der richtige Name des Mannes ist, aber durchgehend im Film so genannt wird und immer wieder erwähnt wird. So wird er eindeutig als Richter, Judge, bezeichnet. Dieser Richter darf also urteilen und über andere hinweg bestimmen, so wie er dies auch über Andy LaMaine tut. Werden hier explizit die Richter von den Verhören angesprochen? Dieser Eindruck wird vermittelt, dadurch dass dieser Name so oft erwähnt wird und ziemlich im Mittelpunkt steht.

Die Rolle des Mannes ist ein weiteres wichtiges Merkmal im Film. Georgie bezeichnet seinen Vater als einen right man, der also nichts Falsches gemacht hat und unschuldig geschlagen wird bzw. verurteilt wird. Außerdem ist er ein real man, der also auch niemals etwas Falsches oder Unrechtes machen hätte können. Diese Beschreibung des Mannes steht allegorisch zu den Männern, die angeklagt wurden, denn auch diese hielten sich für unschuldig und als unrecht behandelt, so dass auch diese Männer right men und real men sein können. Doch auch Georgie wird von Dr. Cooper als ein man with a mission bezeichnet.

An diesen beiden Punkten merkt man die Handschrift Joseph Losey. Denn dieser  versuchte immer wieder sozial-psychologische Dimensionen in seinen Filmen mit Gesellschafts- und Charakterstudien zu vermitteln. Dieser Film ist ein Beispiel für seine Filme nach 1948, die sich in vielen Fällen mit dem Einzelnen in einer inhumanen Umgebung auseinandersetzen.

Nachdem der Film von Joseph Losey fertig gedreht wird, geht er nach Italien, da Losey 1951 auf die Schwarze Liste gesetzt wird. Er wird seiner Arbeitsmöglichkeit beraubt und flüchtet also nach Europa. Er dreht in Italien, später in Großbritannien unter verschiedenen Pseudonymen Filme. In seiner Abwesenheit wird THE BIG NIGHT dann verändert. Ursprünglich hatte der Film nach Losey mehr Flashbacks. Doch der Produzent Philip Waxman beschloss den Film in eine chronologische Reihenfolge zu bringen ohne Losey zu fragen, da seiner Meinung nach die Flashbacks den Film zerstören würden.

Die Kritik, die auf diesen Film folgte, war grausam. Die Handlung war angeblich zu überheblich, die Charaktere wurden nicht genau definiert und vor allem hat Losey das Ganze auf eine provokative Art und Weise dargestellt. Damit erlitt der Film einen großen Verlust von 100.000 $.

Autor: Lena Gurfinkel (1268146)

Redakrion: Florian Schneider (050770)

Weiterführende Literatur:

Caute, David (1994): Joseph Losey A Revenge on Life, London.

de Rham, Edith (1991): Joseph Losey, London.

http://www.film-zeit.de/Person/9444/Joseph-Losey/ Stand: 20.06.2013.

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