Pinky (1949)

Kurzmitteilung Gepostet am Aktualisiert am

USA 1949, 102 Minuten, schwarzweiß

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: Philip Dunne, Dudley Nichols. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Cid Ricketts Sumner

Kamera: Joseph MacDonald

Musik: Alfred Newman

Produktion: Darryl F. Zanuck für Twentieth Century Fox Film Corporation

Mit Jeanne Crain (Pinky), Ethel Barrymore (Miss Em), Ethel Waters (Aunt Dicey), William Lundigan (Tom), Basil Ruysdael (Richter Walker).

Der Film basiert auf dem Roman Quality von Cid Ricketts Sumner und beschäftigt sich mit der Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen im Amerika am Beginn der 1950er Jahre.

Pinky, die titelgebende Hauptperson, kehrt nach ihrer Krankenschwesterausbildung zu ihrer Großmutter in den Süden der Vereinigten Staaten zurück. Diese ist erfreut ihre Enkeltochter wiederzusehen, macht ihr jedoch gleichzeitig Vorwürfe: Sie weiß, dass Pinky ihre (schwarzen) Wurzeln – und damit auch sie – im Norden verheimlicht hat. Pinky will den Süden verlassen als Miss Em, die Arbeitgeberin und Freundin ihrer Großmutter, krank wird. Widerwillig übernimmt Pinky die Stelle der Krankenschwester, doch sie freundet sich bald mit der starrköpfigen Miss Em an. Als diese stirbt und Pinky ihr Haus mitsamt dem Grund vermacht, beginnt ein Rechtsstreit mit Miss Ems Cousine. Diese wirft ihr vor, Miss Em manipuliert zu haben und sich so das Erbe erschlichen zu haben. Pinky gewinnt die Verhandlungen und wandelt das Haus in Miss Em’s Clinic and Nursery School für Afroamerikaner um.

Die Charaktere in Pinky sind sehr unterschiedlich angelegt, doch haben sie alle eines gemeinsam: Es sind starke Frauenfiguren.

Pinky, deren eigentlicher Name Patricia ist, hat durch ihre Ausbildung in Boston eine andere Welt gesehen und kehrt nun zurück in einen Süden, der geprägt ist von Rassentrennung und Missachtung gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung. Zu Beginn will sie sich dieser Ohnmacht der Vorurteile ergeben,in dem sie ihre Herkunft, um sich dadurch eine neue, „weiße“ Identität zu verschaffen. Doch durch Miss Em und ihr Erbe erkennt sie, wozu sie fähig ist und will nicht kampflos aufgeben. Besonders deutlich wird das in der Szene, in der Pinky einen Trauerschleier für das Begräbnis von Miss Em kaufen will. Während sie bedient wird, ereifert sich eine Kundin (bezeichnenderweise die Cousine von Miss Em) darüber, dass Farbige vor ihr – einer Weißen – bedient werden. In dieser Szene scheint Pinky die Wandlung zu vollziehen: von einer eingeschüchterten jungen Frau zu einer starken, überzeugten Bürgerin, die für ihre Rechte eintritt.

Aunt Dicey, Pinkys Großmutter, nimmt im Film eine wichtige Position ein: Sie gibt Pinky den Grund zu kämpfen. Dicey lebt in einer einfachen Holzhütte, kümmert sich um die Wäsche der reichen Leute, die sie teilweise dafür nicht bezahlen; nicht umsonst erinnert das Bild an Sklaverei und Zwangsarbeit. Ungeachtet der widrigen Lebensumstände unterstützt sie ihre Enkeltochter und kümmert sich aufopferungsvoll um Miss Em. Sie weiß, dass ihr von der Gesellschaft Unrecht getan wird, doch sieht sie sich nicht imstande, dagegen anzukämpfen. Diese Haltung bestärkt Pinky, sich eine solche Behandlung nicht gefallen zu lassen.

Der dritte wichtige Charakter ist Miss Em. Sie ist über 80 Jahre alt und schwer krank, doch lässt sie sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben. Sie weiß, wie wichtig es ist, zu sich und seinen Wurzeln und damit der Wahrheit zu stehen und macht das auch Pinky klar. Als willensstarke Figur dient sie als Vorbild für Pinky und führt sie durch ihr Erbe sanft aber bestimmt auf den für sie bestimmten Weg.

Ein interessanter Aspekt am Film ist, dass die Hauptrollen fast ausschließlich von Frauen besetzt sind. Männer kommen nur am Rande vor und haben außerdem kaum positive Eigenschaften. Sie sind feige, geldgierig und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Pinky kann als sehr politischer Film eingestuft werden und das auf zwei Ebenen. Die erste und offensichtliche Ebene dreht sich um die Frage, welche Rechtfertigung es dafür gibt, Afroamerikaner wie eine zweite Klasse zu behandeln. Die Rassentrennung oder „Separate but equal“ wie die juristische und gesellschaftliche Unterscheidung zwischen Afroamerikanern und Weißen bezeichnet wurde, war bis ins Jahr 1954 rechtswirksam; somit auch noch zu einer Zeit als der Film veröffentlicht wurde. Afroamerikaner werden darin als Opfer gezeigt, die gar nicht oder nur sehr schwer ihr Menschenrecht geltend machen können. Was den Film ausmacht ist, dass Weiße nicht per se als schlecht oder böse dargestellt werden. Es werden die verschiedenen Facetten gezeigt; die geldsüchtige Cousine, der bemühte, aber eingeschüchterte Arzt und auch die willensstarke Miss Em, die sich für Pinky und ihre Großmutter (nicht nur) testamentarisch einsetzt.

Pinky war einer der erfolgreichsten Filme im Jahr 1949. Nichtsdestotrotz wurde er im Staat Texas verboten. Der Grund dafür: Die Angst vor Rassenunruhen aufgrund der Darstellung von Rassenmischung (Pinky ist als Afroamerikanerin mit einem weißen Arzt verlobt) bzw. der ausführlichen Beschreibung von afroamerikanischen Frauen. Trotz dieser Vorfälle wird der Streifen als Beginn einer neuen Ära der Afroamerikaner im Film gesehen. Sie wurden nicht mehr als „Gefahr“ für die (weiße) Bevölkerung gezeigt, sondern als Opfer des (weißen) Rassismus.

Die zweite Ebene, auf der Pinky gesehen werden kann ist der kommunistische Bezug. So können die Afroamerikaner auch als Allegorie für die Kommunisten verstanden werden. Der Satz „You’re the ones that set the standards, you whites“ könnte somit als Botschaft gegen die HUAC gesehen werden. Die HUAC entscheidet, welche Parteizugehörigkeit in Ordnung ist und welche als illegal angesehen wird. Ob eine solche Lesart legitim ist, bleibt fraglich. So fand das FBI keine Beweise für kommunistische Propaganda. Kazan, der Regisseur des Films, hatte als ehemaliges Mitglied der kommunistischen Partei, 1952 vor der HUAC ausgesagt und im Zuge dessen mehrere Namen verraten; diese waren den Behörden allerdings schon bekannt. Kazan machte sich mit dieser Aussage viele Feinde und schreibt in seiner Autobiografie: „[H]ere I am, 35 years later, still worrying over it“.1

Ob es durch die HUAC-Verhöre eine andere, liberalere Darstellung von Afroamerikanern im Film gegeben hat, lässt sich schwer sagen. Sicher ist aber, dass nach dem zweiten Weltkrieg eine Gleichstellung der Rechte zwischen Menschen beider Hautfarben immer dringlicher wurde. So wurde auch Filmen eine größere „Meinungsfreiheit“ eingeräumt und die Notwendigkeit von Zensurbehörden wurde mehr und mehr in Frage gestellt.

Autorin: Anna Kimeswenger – 1009143

Redakteurin: Carina Kroiss – 1006291

Quellen:

1 Sefcovic, Enid (2002): Cultural memory and the cultural legacy of individualism and community in two classic films about labor unions, Critical Studies in Media Communication, 19:3, 329-351. S. 345

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s