Objective, Burma!

Gepostet am

Warner Bros., USA, 1945, schwarz-weiß

Deutscher Titel: Der Held von Burma

Genre: Abenteuerfilm, Actionfilm, Kriegsfilm

Regie: Raoul Walsh

Drehbuch: Alvah Bessie (original story), Ranald MacDougall (screenplay), Lester Cole (screenplay)

Produktion: Jerry Wald/Warner Bros.

Kamera: James Wong Howe

Musik: Franz Waxman

Besetzung: Errol Flynn (Captain Nelson), William Prince (Lieutenant Jacobs), James Brown (Sergeant Treacy), Henry Hull (Williams), George Tobias (Corporal Gordon), Warner Anderson (Colonel Carter), Mark Stevens (Lieutenant Barker), Richard Erdman (Private Hooper), John Alvin (Hogan)

Japanische Truppen besetzten während des zweiten Weltkrieges Burma. Ab dem Jahr 1944 versuchen alliierte Streitkräfte das umkämpfte Gebiet zurückzuerobern. Auf diesen wahren Begebenheiten basiert der Film „Objective, Burma!“. Doch obwohl sich das Originaldrehbuch, geschrieben von Alvah Bessie, auf wahren Ereignissen stützt wurden die Geschehnisse für die Dreharbeiten stark fiktionalisiert.

Unter der Regie von Raoul Walsh entstand mit „Objective, Burma!“ ein US-amerikanischer Kriegsfilm, welcher unmittelbar nach den Ereignissen in Burma gedreht und noch kurz vor der Beendigung des zweiten Weltkrieges veröffentlicht wurde. Er zählt zu den besten Kriegsfilmen, die den zweiten Weltkrieg thematisieren.

Errol Flynn porträtiert den ehrgeizigen Captain Nelson, der mit seiner Einheit im japanisch besetzten Burma, eine deren Radarstationen zerstören soll. Die Soldaten können ihren Auftrag erfolgreich ausführen, doch als sie versuchen durch den unbekannten Dschungel zum Sammelplatz für den Rücktransport zu gelangen, wird das Bataillon von japanischen Soldaten umzingelt und muss flüchten. Für die Soldaten beginnt ein harter Kampf ums Überleben, bei welchem sie den Gefahren des Dschungels und den Angriffen der japanischen Streitkräften gegenübertreten müssen. Nach einiger Zeit ist die Truppe gezwungen sich zu trennen und sie versuchen auf getrennten Wegen die Grenze zu erreichen, um ihre Verfolger abzuschütteln zu können. Als jedoch der Anführer der zweiten Einheit (Lieutenant Jacobs) schwer verletzt den Männern von Captain Nelson in die Arme läuft, starten diese einen Befreiungsversuch ihrer in Gefangenschaft genommenen Kameraden. Im japanischen Lager angekommen finden sie aber nur noch die Leichen der gefolterten Männer und sind gezwungen ihren Marsch Richtung Grenze fortzusetzen.

Errol Flynn spielt zum Ärger Vieler in „Objective, Burma!“ die Rolle des heldenhaften Fallschirmjägers, der seine Truppe aus dem feindlichen Gebiet herausmanövriert. Flynn selbst durfte aufgrund gesundheitlicher Wehruntauglichkeit nicht zum Militärdienst antreten und wollte als Captain Nelson seinen Kritikern zeigen, dass auch er ein mutiger Soldat sein kann. Vor allem die britische Presse prangerte den Kriegsfilm wegen Verleumdung an, da  in Wahrheit ein Großteil der Truppen, welche zum militärischen Erfolg in Burma beitrugen, Engländer waren und keine wie im Film dargestellten US-amerikanischen Soldaten. Der Film wurde bis 1953 in Großbritannien verboten und erst wieder veröffentlicht, als ein Prolog hinzugefügt wurde, der die Bemühungen der Briten in Burma würdigte.

„Objective, Burma!“  verherrlicht die Soldaten des amerikanischen Militärs. Die Fallschirmjäger sind ein Sinnbild für dien Stolz, die Kraft und die Macht, die Amerika ausüben kann. Zugleich werden die Charaktere auch von ihren verletzlichen und sensiblen Seiten gezeigt, um Mitleid bei den Rezipienten hervorzurufen. Schon am Anfang wird während des Fluges jeder einzelne durch eine längere Kameraeinstellung vorgestellt und charakterisiert. Doch vor allem die Szene aus dem japanischen Lager, als die Truppe Captain Nelsons ihre abgeschlachteten Kameraden findet, veranschaulicht sehr deutlich die Gefühle und Emotionen der Soldaten. Im selben Moment wird auch die unglaubliche Brutalität des Feindes dargestellt, was die Zuschauer noch mehr auf die Seite der Amerikaner zieht. Um das Image der Japaner ebenfalls weiter mit negativen Empfindungen zu behaften, werden auch ihre Dialoge nicht untertitelt, wodurch ein größeres Gefühl der Fremde entsteht. Die Charaktere der Japaner werden in „Objective, Burma!“ fast gar nicht herausgearbeitet. Sie werden als der Feind, der zuerst bei der Zerstörung der Radarstation unterschätzt wird und später todesmutig und hinterhältig ist, dargestellt. Auch wird auf keinen spezifischen Soldaten näher eingegangen, anders als bei den amerikanischen Streitkräften, die alle ihre eigenen Hintergrundgeschichten bekommen. Mit dieser Gegenüberstellung des amerikanischen und japanischen Militärs wurde ein Leitfaden des amerikanischen Films weitergeführt, welcher auch in zahlreichen späteren Kriegsverfilmungen fortgesetzt wird, wie man es beispielsweisen im Film „Pearl Harbor“ sehen kann.

Im Jahr 1947, zwei Jahre nach der Erscheinung des Filmes, fanden die ersten Verhöre des House Un-American Activities Committee (HUAC) statt. Das Komitee für unamerikanische Umtriebe befragte vermutliche Angehörige der kommunistischen Partei und all jene, die ihre Aussage verweigerten, wurden auf die Schwarze Liste gesetzt und zu einer Haftstrafe verurteilt. Unter den bekanntesten dieser Schwarzen Liste befanden sich auch Alvah Bessie und Lester Cole.

Alvah Bessie war Schauspieler, Übersetzer, Schriftsteller und Drehbuchautor. Im Jahr 1945 wurde er für den Oscar nominiert in der Kategorie für die beste Originalgeschichte des Filmes „Objective, Burma!“. Der patriotische Kriegsfilm wurde von Lester Cole, einem weiteren Mitglied der Hollywood Ten, überarbeitet. Die beiden Drehbuchautoren wurden nach den Verhören verhaftet und mussten ihre Berufe niederlegen. Anders als Lester Cole, welcher nach seiner Entlassung weiter unter einem Pseudonym arbeitete, weigerte sich Alvah Bessie einen faschen Namen anzugeben und er verdiente seinen weiteren Lebensunterhalt als Kritiker, Publizist und Beleuchter.

„Objective, Burma!“ zählt zu den bedeutendsten, monochromen Kriegsfilmen seiner Generation, was er nicht nur dem ausgezeichneten Originaldrehbuch von Alvah Bessie zu verdanken hat, sondern auch der ebenfalls für den Academy Award nominierten Filmmusik von Franz Waxman und der herausragenden Kameraarbeit von  James Wong Howe. Doch um das Erfolgsrezept dieses Filmes komplett zu machen, fehlt noch die gelungene Zusammenarbeit von Regisseur Raoul Walsh mit dem Hauptdarsteller Errol Flynn, welcher trotz anfänglicher Kritik eine beeindruckende Leistung unter härtesten Drehbedingungen zustande gebracht hat.

Autor: Julie Müller

Redaktion: Barbora Dvorcakova

Literatur:

Christine CORNELIUS, Der japanische Feind im amerikanischen Kriegsfilm, Grin Verlag, Aufl. 1, 2007, S.12

Horst O. HERMANNI, Von Dorothy Dandridge bis Willy Fritsch: Das Film ABC, S.358

Internet-Quellen:

http://www.filmlinc.com/nyff2012/films/objective-burma

http://www.tcm.com/this-month/article/178704%7C25882/Objective-Burma-.html

http://www.imdb.com/title/tt0037954/reviews?ref_=tt_urv

http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=1971

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