Not Wanted (1949)

Gepostet am Aktualisiert am

Running Time: 85 Minutes

Studio: Emerald Productions, Inc.

Directed by: Elmer Clifton, Ida Lupino (uncredited)

Written by: Paul Jarrico, Ida Lupino (Screenplay) / Paul Jarrico, Malvin Wald (Story)

Produced by: Anson Bond, Ida Lupino / Collier Young (Supervising Producer)

Cast: Sally Forrest (Sally Kelton), Keefe Brasselle (Drew Baxter), Leo Penn (Steve Ryan), Ruth Clifford (Mrs. Elizabeth Stone), Ruthelma Stevens (Miss James)

In dem Drama „Not Wanted“ wird die Geschichte von Sally Kelton erzählt, welche in dieser Form mit Sicherheit mehr als einmal im wahren Leben stattgefunden hat. Die 19-jährige Kellnerin Sally lernt eines Abends den ständig umherziehenden Klavierspieler Steve Ryan kennen. Sie verliebt sich in ihn und lässt sich für eine Nacht mit ihm ein, bevor dieser nach Capitol City weiterzieht. Geblendet von Naivität und Gutgläubigkeit reist sie ihm nur kurze Zeit hinterher, um mit ihm zusammen zu sein. Auf dem Weg dorthin lernt sie den sympathischen und humorvollen Drew Baxter kennen, welcher das gleiche Reiseziel hat. Nachdem Steve sein Interesse an ihr verloren zu haben scheint, dies auch offenkundig zeigt und sich auch entschließt nach Südamerika weiterzuziehen, findet Sally Trost bei Drew. Dieser hat sich in der Zwischenzeit in Sally verliebt und bittet sie auch ihn zu heiraten. Das Happy End scheint in greifbarer Nähe, jedoch erfährt Sally nur kurze Zeit darauf, dass sie von Steve schwanger ist und flüchtet sich in Folge dessen in das Heaven Hospital, ein Heim für unverheiratete Mütter. Nachdem Drew von der Leiterin der Institution erfährt in welchen Umständen sich Sally befindet, zieht er sich zurück. Sally gibt nach der Geburt ihr Kind zur Adoption frei, hat jedoch schwer mit dieser Entscheidung zu kämpfen. Dabei kommt es sogar so weit, dass Sally ein Baby aus einem Kinderwagen für wenige Augenblicke kidnappt, da sie davon überzeugt ist, ihr eigenes Kind vor sich zu sehen. Sie wird festgenommen, aufgrund der Umstände kommt es jedoch nicht zur Anklage. Als Sally das Polizeigebäude verlässt, wartet dort schon Drew auf sie. Er wurde von der Leiterin des Heaven Hospitals über den Zwischenfall informiert und möchte sich um Sally kümmern. Es kommt zu einem Showdown, in welchem Sally vor Drew flieht mit der Intention Selbstmord zu begehen. Als Drew aufgrund einer früheren Beinverletzung zusammenbricht und ihr nicht mehr folgen kann, beendet Sally ihre Flucht und kümmert sich um Drew. Somit kommt es zu dem schon nicht mehr erwarteten „Happy End“, in welchem Drew und Sally vereint sind. Über eine mögliche gemeinsame Zukunft der beiden erfährt der Zuschauer jedoch nichts mehr.

Im Film selbst sind kaum Bezüge zum Kommunismus zu erkennen. Vielmehr kann dieser als Hommage an die Arbeit der Institutionen verstanden werden, welche unverheirateten Müttern helfen. Auch wenn das Heim selbst nur kurz im Film zu sehen ist, kommt ihm eine wichtige Rolle zu und wird auch durchaus positiv dargestellt. Wie in der BBC Serie „Call the Midwife“ weitaus realitätsnäher in Szene gesetzt, wurde Frauen in den 50er Jahren oftmals keine Wahl gelassen, ob sie ihr Baby behalten oder zur Adoption freigeben wollen. Jedoch wurde sowohl im Film „Not Wanted“, als auch in der Serie in sehr authentischer Art und Weise gezeigt, welche psychologischen Folgen eine solche Trennung von Mutter und Kind haben kann. Ebenfalls sehr überzeichnet als „Gute Samariterin“ tritt die Leiterin des Heims im Film in Erscheinung. Nur durch ihren Anruf, kann das „Happy End“ zustande kommen. Nachdem aber zu dieser Zeit derartige Institutionen nicht nur überfüllt, sondern auch deren Methoden fragwürdig waren und heute immer mehr unter Beschuss geraten, darf daran gezweifelt werden, dass sich eine Heimleiterin zu dieser Zeit um das Liebesglück einer einzigen ehemaligen Bewohnerin kümmern konnte.

Dass sich Drew immer noch um Sally bemühte, obwohl sie schon ein Kind von einem anderem Mann geboren hatte, mag auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheinen, kann jedoch auf den zweiten Blick dennoch als realistisch eingestuft werden. In der Nachkriegszeit veränderte sich das Verhältnis zwischen Mann und Frau und in Folge dessen auch das Eheleben zusehends. Durch die Abwesenheit der Männer während des Zweiten Weltkriegs und zum Teil auch danach, wurden Frauen immer unabhängiger und selbstbestimmter. So kam es Ende der 1940er und in den 50er Jahren zu immer mehr Scheidungen. Durch Kriegsverwundungen musste auch oftmals die Frau die Aufgabe des Mannes als Hauptverdienerin der Familie übernehmen. Auf dieser Basis war das Korsett gesellschaftlicher Normen zwar noch immer eng, jedoch wurde eine Beziehung zwischen Sally und Drew möglich. Bestimmt von Bedeutung ist hierbei einerseits auch, dass Sally das Kind zur Adoption freigegeben hat und andererseits, dass Drew sehr starke Gefühle für Sally hat und auch keine ideale Partie ist, da er ein nicht vollständig funktionstüchtiges Bein hat und somit deshalb möglicherweise in der Gesellschaft nicht als starkes Oberhaupt einer Familie anzusehen ist.

Das Drehbuch und die Geschichte für den Film lieferte Paul Jarrico. Den ersten Entwurf für „Not Wanted“ schrieb er rasch nieder und traf sich kaum mit Ida Lupino, welche laut Credits mit ihm zusammen das Drehbuch verfasste.

Jarrico war einer der wenigen Drehbuchautoren der alten Schule, die tatsächlich noch aus Los Angeles stammten. 1915 geboren als Israel Shapiro, Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, änderte er erst 1937 seinen Namen in Paul Jarrico. Er begann schon in der Schule als High School Journalist zu schreiben. Während seines Studiums an der UCLA und später in Berkeley war er auch als College Journalist tätig und verfasste nebenbei ebenfalls noch Kurzgeschichten und versuchte sich an einem Roman. An der UCLA schloss er sich der YCL (Young Communist League) an, wurde aber erst in Berkeley tatsächlich politisch aktiv. Später schloss sich Jarrico der Hollywood-Sektion der kommunistischen Partei an. Seinen ersten Auftrag bekam er von Columbia Pictures. „No Time to Marry“ (1938) war der erste Spielfilm, an welchem er mitwirkte. Zu dieser Zeit schaffte es Jarrico sich in Hollywood als Drehbuchautor zu etablieren. In den kommenden Jahren arbeitete er für verschiedene Studios. Während des Zweiten Weltkrieges unterbrach Jarrico seine Arbeit als Drehbuchautor, um aktiv Kriegsdienst als Matrose zu leisten. Bei „Not Wanted“ (1949) wurde Jarrico noch in den Credits angeführt, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht vom HUAC auf die sogenannte Schwarze Liste gesetzt worden war. Dies geschah erst im Laufe des Jahres 1951, nachdem Jarrico eine wenig freundliche Aussage vor dem Komitee und der gesamten anwesenden Presse machte.

Aktiven Widerstand gegen die sogenannte Schwarze Liste leistete Jarrico mit dem Film „Salt of the Earth“ (1954). Es handelte sich um eine grenzwertig illegale Produktion und Distribution. Jarrico fungierte als Produzent, Mikel Wilson (blacklisted) lieferte das Drehbuch und Herbert Biberman (Hollywood Ten) übernahm die Aufgabe des Regisseurs.

Während sich Jarrico zu Beginn der 1950er Jahre noch aktiv in der Partei einbrachte, sah er mit der Zeit immer weniger seine Zukunft in deren Kreisen. An ihrem Höhepunkt gehörten etwa 300 Personen aus der Filmindustrie der Partei an. Die Mitgliedschaft war geheim. Schlussendlich verließ er sie zu Beginn des Jahres 1958. Im selben Jahr gelang ihm auch die Ausreise aus den USA. Ursprünglich wollte Jarrico direkt nachdem er auf die sogenannte Schwarze Liste gesetzt worden war mit seiner Familie das Land verlassen, jedoch dauerte es gut sechs Jahre gültige Reisepässe zu bekommen. Es zog ihn nach Europa, wobei er fast 20 Jahre u.a. in Rom, Berlin, Prag, Paris, London und Zürich arbeitete. Jedoch fungierte Paris als Basis, zu welcher er immer wieder zurückkehrte.

Sein Name wurde u.a. in den Filmen „The Las Vegas Story“ (1952), „5 Branded Woman“ (1960) und „Der Schatz der Azteken“ (1965) weggelassen. Hingegen verwendete er für die Filme „All Night Long“ (1963) und „Wer kennt Johnny R.?“ (1966) das Synonym Peter Achilles, das auch so in den Credits angeführt wurde.

Nach seiner Rückkehr in die USA hielt er Vorträge und arbeitete auch als Story Editor für Fernsehserien. Die letzten zehn Jahre seines Lebens widmete sich Jarrico der Aufgabe den auf die sogenannte Schwarze Liste gesetzten Drehbuchautoren Gerechtigkeit zu verschaffen. So sollten diese in den Credits der Filme erscheinen, für welche sie unter Pseudonymen oder hinter Fassaden zwischen 1947 und 1965 die Drehbücher lieferten. Kurz nachdem die Arbeit vollendet und eine Änderung der Credits in 91 Filmen erreicht worden war, starb Jarrico am 28. Oktober 1997 im Alter von 82 Jahren bei einem Autounfall in Los Angeles. Er befand sich dabei gerade auf dem Heimweg von einer Zeremonie, welcher dem fünfzigsten Jahrestag der Anhörungen durch die HUAC gedachte.

Literatur:

BBC One. Call the Midwife. http://www.bbc.co.uk/programmes/b01b2w74 (13.06.2013)

Ceplair, Larry: Righting A Wrong: Paul Jarrico and the Correction of Blacklist-Era Screen Credits. In: Cineaste – America`s Leading Magazine on the Art and Politics of the Cinema. 32/4. 2007. S. 30-33.

Diakonie Rheinland Westfalen Lippe. Heimerziehung der 50er und 60er Jahre. 2010-2011. http://www.diakonie-rwl.de/index.php/mID/3.20/lan/de (13.06.2013)

Eckstein, Arthur: Not Just Another Political Party. In: American Communist History. 4/2. 2005. S. 237-245.

Huinink, Johannes/Mayer, Karl Ulrich/ Wagner, Michael: Ehe und Familie im Wandel der Nachkriegszeit – ein kritischer Beitrag zur aktuellen Diskussion. In: Hoffmann-Nowotny, Hans-Joachim: Kultur und Gesellschaft: gemeinsamer Kongreß der Deutschen, der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie. Zürich 1988. Beiträge der Forschungskomitees, Sektionen und Ad-hoc-Gruppen. Zürich: Seismo Verlag. 1989. S. 66-68. Online: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-148287 (13.06.2013)

IMDB. No Time to Marry. http://www.imdb.com/title/tt0030507/?ref_=fn_al_tt_1 (12.06.2013)

IMDB. Paul Jarrico. http://www.imdb.com/name/nm0418972/?ref_=fn_al_nm_1 (12.06.2013)

IMDB. Verführt („Not Wanted“). http://www.imdb.com/title/tt0041700/ (12.06.2013)

Jarrico, Bill: In Focus: The Blacklist through New Eyes. In: Cinema Journal. 44/4. 2005. S. 104-111.

Kappeler, Manfred: Die Heimerziehung der 40er- bis 70er-Jahre im Spiegel der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ. Diskussionen – Stellungnahmen – Ausblendungen. 2011. http://www.agj.de/fileadmin/Studie_Heimerziehung_Endgueltige-Fassung_250311.pdf (13.06.2013)

McGilligan, Patrick: A True-Blue Red in Hollywood: An Interview with Paul Jarrico. In: Cineaste – America`s Leading Magazine on the Art and Politics of the Cinema. 23/2. 1997. S. 32-39.

Saxon, Wolfgang: Paul Jarrico, 82, Blacklisted Screenwriter. 30.10.1997. http://www.nytimes.com/1997/10/30/arts/paul-jarrico-82-blacklisted-screenwriter.html (13.06.2013)

Snyder, David J.: The Marxist and the Movies: A Biography of Paul Jarrico. In: The Journal of American History. [Peer Reviewed Journal] .95/3. 2008. S. 902-903.

Spiegel Online Panorama. Heimkinder in der Nachkriegszeit. 2010-2013. http://www.spiegel.de/thema/heimerziehung_in_den_50er_und_60er_jahren/ (13.06.2013)

Steingröver, Maria: Wenn Ehen älter werden… Eine Untersuchung über Beziehungen im fortgeschrittenen Lebensalter. Westfälische Wilhelms-Universität. Münster. Dissertation. 2004. Online: http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-2768/diss_steingroever/diss_steingroever.pdf (13.06.2013)

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Sudiosystem. Wien: Lit-Verlag. 2008.

Ueffing, Petra/Winke, Katja: Arbeitsteilung. 2002. http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/fisoz/Mitarbeiter/Wagner/Lehre/WS0203/HS/folien/at_handout.pdf (13.06.2013)

Autorin: Barbara Klaus (0907926)

Redaktion: Janina Piech (0905641)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s