Mr. Smith Goes To Washington (1939)

Gepostet am

USA, 125 Minuten

Regie: Frank Capra

Drehbuch: Sidney Buchman (Drehbuch), Lewis R. Foster (Geschichte)

Produzent: Frank Capra

Kamera: Joseph Walker

Musik: Dimitri Tiomkin

Studio: Columbia Pictures Corporation

HauptdarstellerInnen: James Stewart (Jefferson Smith), Jean Arthur (Clarissa Saunders), Claude Rains (Sen. Joseph Harrison Paine), Edward Arnold (Jim Taylor)

Nach dem Tod des Senators eines nicht benannten Staates muss sich der Gouverneur Hubert Hopper auf die Suche nach einem Nachfolger machen. Medienmogul Jim Tayler möchte einen Kandidaten, der sich leicht beeinflussen lässt, doch trotz Taylors Einfluss auf den Gouverneur entscheidet sich Hopper für den Pfadfinderführer Jefferson Smith, welcher das Angebot nach einigem Zureden annimmt. Der patriotische, jedoch ziemlich naive Smith sieht sich in Washington schnell mit der Korruption, welche im Senat Einzug gehalten hat, konfrontiert und muss sich gegen seine politischen Gegner beweisen.

Das Drehbuch zu Mr. Smith goes to Washington wurde von Sidney Buchman geschrieben, welcher die Originalgeschichte von Lewis R. Foster übernahm. Buchman wurde im September 1951 vor das HUAC geladen und gab zu, von 1938 bis 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen zu sein, jedoch weigerte er sich Namen von weiteren Mitgliedern preiszugeben. Nach einer weiteren Vorladung 1952, welcher Buchman nicht folgte, wurde er zu einer Geldstrafe von 150 $ verurteilt und verlor seinen Vertrag mit der Columbia Picture Corporation. Der Drehbuchautor war blacklisted und ging nach Frankreich ins Exil, wo er erst wieder in den 60er Jahren für 20th Century Fox Filme in Europa produzieren konnte.

Sidney Buchmans Arbeit wurde unterschiedlich rezipiert. Während der Film an den Kinokassen ein Erfolg war, gab es durchaus auch negative Kritiken, vor allem von  Zeitungen aus Washington, welche sich im Film falsch dargestellt fühlten. Auch einige Senatoren attackierten den Film, welcher unamerikanisch sei und den Kommunismus unterstützen würde, was jedoch nicht auf Buchmans Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zurückzuführen sein konnte, da diese erst 1951 bei den Verhören der HUAC bekannt wurde. Trotzdem lässt sich nicht ausschließen, dass Buchmans politische Haltung Einfluss auf den Inhalt des Drehbuchs hatte, da er während der Arbeit vermutlich bereits der kommunistischen Partei angehörte.

Für diese vermeintlich kommunistischen Inhalte würde die dargestellte Korruption im Senat, als auch in der Geschäftswelt, präsentiert durch Medientycoon Jim Taylor, sprechen, welche die Demokratie sowie den Kapitalismus nicht gut dastehen lässt. Ich behaupte hingegen, dass das Ende des Films diese These widerlegt, da Smith nicht durch einen Putsch oder eine Revolution das System stürzt, sondern mit Hilfe der Demokratie, seine Widersacher besiegt. Diese Antagonisten stehen nicht stellvertretend für das politische System, sondern sind ein Sinnbild für die Personen aus der Politik, die sich auf illegalem Weg bereichern wollen.

Tatsächlich werden im Film so gut wie alle Senatoren, außer Jefferson Smith, als korrupt dargestellt, sei es durch direkte Handlungen, wie bei der Figur des Senators Joseph Paine, welcher in die Geschäfte mit Jim Taylor verwickelt ist, oder auch durch einfaches Wegsehen und Nichtstun. Einzig der, ziemlich humoristisch dargestellte Senatspräsident schlägt sich des Öfteren auf die Seite von Smith und erteilte ihm unter anderem in einer strittigen Situation das Wort, was zu dessen entscheidendem Filibuster führt.  Trotz der Korruption im Senat und in den Medien, sehe ich den Film durchaus als pro-demokratisch. Smith bekämpft das Verbrechen indem er das System zu seinen Gunsten nutzt und beweist damit, dass die Demokratie schlussendlich doch funktioniert.

Die Figur des Jefferson Smith stellt im Film den  Durchschnittsamerikaner da, welcher sich gegen die bösen Machenschaften einer großen Maschinerie durchzusetzen versucht. Im Fall von Mr. Smith goes to Washington ist Medienmogul Jim Taylor, dargestellt von Edward Arnold, der Strippenzieher hinter der Korruption. Taylor beeinflusst Gouverneur Hopper und Senator Paine zu seinen Gunsten, um unter anderem ein Staudammprojekt durchzusetzen, welches den Staat zwar sehr viel Steuergelder kostet, ihm selbst jedoch einen großen Gewinn einbringen würde. Als Besitzer einiger großer Zeitungen, beeinflusst Taylor auch die Stimmung der Bürger gegenüber den Politkern, was ihm sehr viel Macht einbringt. Allgemein spielen die Medien im Film eine wichtige Rolle und werden durchaus kritisch thematisiert. Die Presse aus Washington wird als äußerst sensationsgierig dargestellt, was deutlich wird, als Smith nach seiner Ankunft in der Stadt, das erste Mal vor Reportern spricht. Er wird gebeten Vogellaute nachzuahmen und prompt landet das Foto dazu unter einer skandalösen Schlagzeile (00:32:50). Smith geht daraufhin auf einen persönlichen Rachefeldzug und schlägt die Reporter nieder. Diese Szene wirkt im Vergleich zum restlichen Film etwas absurd und nicht passend, doch sehe ich sie sehr wohl als Angriff auf die Vorgehensweise mancher Zeitungen. Die negative Rezeption der Presse aus Washington lässt sich wohl durchaus an diesen Szenen festmachen.

Des Weiteren wird das Thema Zensur aufgegriffen, als Taylor seinen eigenen Zeitungen verbietet die Wahrheit über Smiths Rede zu schreiben und auch die Konkurrenz unter Druck setzt, damit diese Smith denunziert (01:47:00). Einzig die Pfadfinderzeitung von Smith selbst druckt noch die Wahrheit, doch Taylor sendet seine Männer aus, um die Verbreitung zu verhindern. Diese schrecken auch nicht davor zurück, fremdes Eigentum zu zerstören oder die Kinder sogar tätlich anzugreifen (1:55:07). Hierbei handelt es sich zwar nicht um eine Zensur, die vom Staat ausgeht, doch durch Taylors Einfluss im Senat, kann man von politisch motiviertem Vorgehen sprechen.

Mr. Smith goes to Washington geht auf einige wichtige politische Themen ein. Von Korruption über die Demokratie selbst bis hin zur Zensur. Obwohl einige Politiker den Film als prokommunistisch bezeichneten, lassen sich meiner Ansicht nach kaum Anzeichen dafür erkennen. Es wird sehr viel amerikanisches Kulturgut übermittelt, was den Film an manchen Stellen sogar fast in kitschigen Patriotismus treibt. Der Demokratie wird eine hohe Bedeutung beigemessen und macht Mr. Smith goes to Washington zu einem politischen, doch keineswegs zu einem kommunistischen Film.

Autor: Timo Stockinger

Redaktion: Sidonie Forstreiter

Literaturverzeichnis:

http://www.imdb.com/name/nm0118227/bio

http://www.radudavidescu.com/2008/11/critical-analysis-of-mr-smith-goes-to.html

http://www.imdb.com/title/tt0031679/?ref_=sr_1

http://www.filmsite.org/mrsm.html

http://dplreference.wordpress.com/2011/05/16/sidney-buchman-1902-1975-film-producer-writer/

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