Mission to Moscow (1943)

Gepostet am Aktualisiert am

USA, 122 Minuten, schwarzweiß

Erscheinungsjahr:        1943

Deutscher Titel:           Botschafter in Moskau

Regie:                         Michael Curtiz

Drehbuch:                   Joseph E. Davies (Buch), Howard Koch (Drehbuch)

Produzent:                  Robert Buckner

Kamera:                      Bert Glennon

Schnitt:                       Owen Marks

Musik:                        Max Steiner

Studio:                       Warner Brothers (als Warner Bros.-First National Pictures)

Filmverleih:                Warner Bros.

Veröffentlichung:        22. Mai 1943

Walter Huston, Ann Harding, Oskar Homolka, Georg Tobias, Gene Lockhart, Eleanor Parker, Richard Travis, Helmut Dantine, Victor Francen, Henry Daniell, Barbara Everest, Dudley Field Malone, Roman Bohnen, Maria Palmer, Moroni Olsen, Minor Watson, Vladimir Sokoloff, Maurice Schwartz, Joseph E. Davies, Ernst Hausmann, John Abbott, Ernie Adams, Ed Agresti, Alex Akimoff, Fred Aldrich, Demetrius Alexis, Elizabeth Archer

Mit Mission to Moscow entsteht 1943 unter der Regie von Michael Curtiz in der Zeit der Anti-Hitler-Koalition einer der ersten in Hollywood produzierten Film, die die Sowjetunion und den damals vorherrschenden Stalinismus in einem positiven Licht präsentierte. Der dokumentarartige Film behandelt die Erinnerungen des Anwalts Joseph E. Davies, welcher vom damaligen US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zum Botschafter ernannt wurde und dessen Reise nach Moskau – Erinnerungen, die er später in seinem gleichnamigen Buch niederschrieb, das als Grundlage für den Film diente. Zu Beginn adressiert der echte Joseph E. Davies das Publikum direkt, um seine Motivation, ein solches Werk zu verfassen, näher zu bringen. So erklärt er zunächst seinen eigenen Hintergrund und auf welche Weise er selbst vor seiner Reise in die Sowjetunion von Vorurteilen dieses Land betreffend beeinflusst gewesen war, die er jedoch durch seine Erfahrungen, die er während seiner Zeit als Botschafter gemacht hat, ablegen musste: „No leaders of a nation have been so misrepresented and misunderstood as those in the Soviet government during those critical years between the two world wars.“ [6:20 – 6:30]. Nachdem er vom damaligen US-Präsidenten mit seiner neuen Aufgabe bedacht worden war, reiste Davies mit seiner Familie, mit einem Stopp in Deutschland, nach Moskau, wo er freundlich und zuvorkommen aufgenommen wird, und übernimmt seine neue Aufgabe als Botschafter, in dem er durch das Land reist und verschiedene Fabriken und andere Produktionsstandorte besucht. Seine Frau und Tochter indessen lernen ihre neue Heimat durch Besuche auf der Eislaufbahn, Bälle und Treffen mit Frauen anderer ranghöherer Politiker kennen. Auch die Moskauer Schauprozesse gegen die politischen Gegner Stalins werden zu einem essentiellen Punkt im Film und als gerechtfertigt dargestellt, da den Angeklagten angebliche staatsfeindliche Aktivitäten und die Kooperation mit dem Deutschland der Nationalsozialisten nachgewiesen werden könnten. Unter den Eindrücken der Schauprozesse reist Davies durch Europa, um vor der Gefahr des Regimes Hitlers zu warnen, bevor er mit seiner Familie endgültig wieder in die USA zurück kehrt, um dort seine neu gesammelten Eindrücke mit der Öffentlichkeit zu teilen. Die Ereignisse werden während des gesamten Films von einem Voice-Over kommentiert.

Sowohl der Film, als auch das Buch, deren  Erzählweisen nahezu identisch sind, geben der Reise des Joseph E. Davies zwei Ebenen. Die erste Ebene beschreibt die tatsächliche Reise, per Schiff, Zug und Auto des Botschafters nach und durch die Sowjetunion sowie durch Europa. Die zweite Ebene geht etwas tiefer und manifestiert sich eher auf einer menschlich-emotionalen Basis, indem Davies und auch seine Familie einer Veränderung der Sichtweise durchleben –  vom Skeptizismus gegenüber dem Kommunismus und der Sowjetunion über Offenheit bis hin zu begeisterten Enthusiasten.

Politische Implikationen weist Mission to Moscow viele auf, was allein schon darin zu erkennen ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs auf direkten Wunsch von Franklin D. Roosevelt produziert wurde, der im Film in zwei Szenen zwar auch porträtiert, aber nie deutlich gezeigt wird. Während der Produktion traf Roosevelt den Autor des Buches mehrmals, um sich über die Fortschritte der Produktion zu informieren – Davies hatte sich zuvor vertraglich zusichern lassen, Einfluss auf das Script des Filmes nehmen zu dürfen, sollten Szenen oder einzelne Dialoge nicht seinem Einverständnis entsprechen. Auch sahen sich Mitarbeiter des Office of War Information während der Produktion immer wieder Szenen an, kommentierten sie und wiesen Veränderungen an – so sollte Mission to Moscow dem Publikum eine verharmlosende Erklärung bieten für den Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion sowie der Invasion Finnlands durch die Sowjetunion – um sicher zu stellen, dass dem amerikanischen Publikum eine positives Bild der Sowjetunion, also den Verbündeten, transportiert wird.

Die Rechtfertigung der Invasion Finnlands durch die Sowjetunion, sowie der vier Moskauer Schauprozesse, die in den 1930ger Jahren in der Anfangszeit vom sogenannten Großen Terror Stalins durchgeführt wurden, die Darstellung des Nichtangriffspakts zwischen Deutschland und der Sowjetunion als Neutralitätsvertrag, sowie Davies durch und durch positive, ja fast schon enthusiastische Rezeption seiner Zeit als Botschafter in Moskau,  verleihen dem Film eine durchaus kommunistische Komponente. Dies wir auch darin zum Ausdruck gebracht, dass die Sowjetunion als nicht-totalitärer Staat dargestellt wird, dessen Regierungsmodell der amerikanischen Demokratie gar nicht so unähnlich sei – Tatsachen, die dem Drehbuchautor, Howard Koch, später noch zum Vorwurf gemacht werden sollten. Als Ende der 1940er Jahre das House Committee on Un-Amircan Activities (HUAC) Befragungen wegen des Verdachts kommunistischer Propaganda aus Hollywood durchführte, geriet auch Mission to Moscow – neben The North Star (USA, 1943, Samuel Goldwyn Productions) und Song of Russia ( USA, 1944, Metro-Goldwyn-Mayer Productions) – in den Mittelpunkt der Befragungen, als einer jener wenigen Filme, denen man eine tatsächliche Pro-Sowjetische Tendenz nachweisen konnte. Howard Koch, der zwar kein Kommunist aber durchaus links orientiert war, musste sich im Verlauf der Untersuchungen ebenfalls Befragungen unterziehen, obwohl er anfänglich das Drehbuch zu Mission to Moscow nicht schreiben wollte, sich dann jedoch dem Druck der Roosevelt-Regierung und dem Warner Brothers Studio beugte. Er kam schließlich auch auf die sogenannte Schwarze Liste von Hollywood, auf Grund dessen es ihm auch im späteren Verlauf seines Lebens nicht mehr möglich war, eine Anstellung in der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu bekommen. Und auch die verteidigenden Wort von Jack L. Warner, dem damaligen Leiter des Warner Bros. Filmstudios, dass der Film in einer Zeit produziert worden sei, als die USA noch um ihre Existenz kämpften und in welcher Russland als ein Verbündeter gegolten hatte, konnten der eher kontroverse Rezeption des Filmes nicht entgegen wirken.

Historisch betrachtet, hält sich Mission to Moscow, ausgehend von den Moskauer Schauprozessen, nicht an die tatsächlichen Abläufe. So fand die Verhandlung von Nikolai Bukharin zwei Jahre nach jener von Mikhail Tykhachevsky statt, der zu diesem Zeitpunkt bereits exekutiert worden war, und nicht, wie im Film dargestellt, zur gleichen Zeit. Des Weiteren lässt der Film an der Schuld der Angeklagten keinen Zweifel, während in Joseph E. Davies´ Buch die Schuldfrage offen bleibt.

Mission to Moscow wurde im Zeitraum von November 1942 bis Februar 1943 mit einem ungefähren Budget von $1,5 Millionen produziert und nahm nach Veröffentlichung rund $945 Millionen allein an den US-amerikanischen Kinokassen ein. Eine Zeit lang gehörte Mission to Moscow zum Eigentum von Turner Entertainment, ging jedoch wieder auf Warner Bros. zurück, nachdem sie dieses Medienunternehmen erworben hatten.

Autorin: Anna Faustmann
Redaktion: Anna Kimeswenger

Quellen:

IMDb:                         http://www.imdb.com/title/tt0036166/ (18.06.2013)
http://www.imdb.com/title/tt0036166/business?ref_=tt_dt_bus(18.06.2013)
http://www.imdb.com/title/tt0036166/trivia?ref_=tt_trv_trv (18.06.2013)
http://www.imdb.com/title/tt0036217/ (23.06.2013)
http://www.imdb.com/title/tt0036378/ (23.06.2013)

Tcm:                           http://www.tcm.com/tcmdb/title/1366/Mission-to-Moscow/ (18.06.2013)

Filmreference:            http://www.filmreference.com/Writers-and-Production-Artists-Ja-Kr/Koch-   Howard-W.html (18.06.2013)

Film. at                            http://www.film.at/mission_to_moscow/detail.html?cc_detailpage=overview
(18.06.2013)

Time Out London            http://www.timeout.com/london/film/mission-to-moscow (18.06.2013)

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