Johnny Got His Gun (1971)

Gepostet am

USA 1971,          111 min

Studio                World Entertainment

Produced by        Bruce Campbell

Directed by          Dalton Trumbo

Written by           Dalton Trumbo (novel), Dalton Trumbo (screenplay), Luis Buñuel (uncredited)

Cast                    Timothy Bottoms (Joe Bonham), Kathy Fields (Kareen), Marsha Hunt (Joe’s Mother),                           Jason Robards (Joe’s Father), Donald Sutherland (Christ), Diane Varsi (Fourth Nurse)

Bei dem Anti-Kriegsfilm Johnny Got His Gun (dt.: Johnny zieht in den Krieg) handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans, der ebenfalls von Regisseur Dalton Trumbo schon im Jahr 1939 verfasst worden war. Der junge Soldat Joe Bonham erwacht seiner Sinne beraubt in einem Krankenhausbett, nachdem er durch einen Bombenangriff im Ersten Weltkrieg beide Beine, seine Arme und den Großteil seines Gesichts verloren hat.  Festgehalten in dem verdunkelten Hinterzimmer eines Hospitals, wird er als Versuchsobjekt betrachtet dem nur als interessanter Fall Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, als wahrnehmendes und fühlendes menschliches Wesen wird er von der Belegschaft jedoch nicht behandelt. Alleingelassen in seinem Elend und von beruhigenden Drogen betäubt, wandert er zwischen der Realität, die er kaum fassen kann, und Träumen sowie Erinnerungen an frühere Zeiten hin und her und kämpft damit, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Ein naiver Glaube an Hoffnung in seiner ausweglosen Situation wird ihm einerseits durch die Wiederentdeckung der Sonne und die damit verbundene Möglichkeit Zeit wahrzunehmen geschenkt. Andererseits taucht eines Tages eine Krankenschwester auf, die begreift, dass er sehr wohl alles um sich herum wahrnimmt und versucht, ihm sein Leben angenehmer zu gestalten. Als er es mit ihrer Hilfe schafft mit den Verantwortlichen zu kommunizieren, wird jedoch jegliche Hoffnung zerschlagen, sein Wunsch nach Freiheit oder dem Tod wird nicht erfüllt und der Patient Joe Bonham wird weiterhin im Schatten des Hospitals verborgen.

Für die Untersuchung von Johnny Got His Gun hinsichtlich von Auswirkungen und Nachwirkungen der sogenannten Schwarzen Liste auf Drehbuchautoren ist es wichtig die verschiedenen zeitlichen Ebenen zu betrachten, die hier für Dalton Trumbo eine Rolle spielten. Hierzu zählen Zeitpunkt der Verfassung seines Romans Ende der 1930er Jahre, darauf folgend die Verfolgung durch die HUAC in den 1940er und 1950er Jahren, damit verbunden die Zeitspanne in der er unter seinem eigenen Namen nicht in Hollywood arbeiten konnte und weiters die Umstände, die dazu führten, dass Trumbo sich entschloss seinen Roman Anfang der 1970er Jahre zu verfilmen.

Der 1939 von Trumbo verfasste Roman gilt als literarischer Ausdruck des Pazifismus und repräsentiert das Gedankengut einer amerikanischen Linken der Zwischenkriegszeit. Die zwei vorrangigen Kritikpunkte des Romans behandeln einerseits die Auswirkungen der Moderne auf das Individuum und das enorm standardisierte und massenhafte Blutvergießen im Ersten Weltkrieg. Andererseits vermittelt Joes Situation menschliche Isolation, da ihm als bewegungsloses und seiner Sinne beraubtes Individuum die Kommunikation mit anderen Menschen kaum möglich ist. Da er diese genauso wie sich selbst schwer im Raum wahrnehmen kann, fällt es ihm auch nicht leicht sich in demselben zurechtzufinden und die Realität von der Imagination zu unterscheiden.

Die subjektive Erzählweise des Protagonisten zählt nicht nur als Versuch, dem Individuum eine Stimme zu geben, sondern transportiert auch viele Reminiszenzen des Autors selbst in die Geschichte, wie beispielsweise die Erinnerungen Trumbos an seinen Vater, seine Jugend in Colorado und die Werte einer Familie aus der Arbeiterklasse, was diese Teile des Romans sehr autobiographisch gestaltet.

Eine der bekanntesten Passagen ist Johnnys Manifest am Ende des Romans, als ihm seine Freiheit verwehrt wird. Hier findet er sich in einer apokalyptischen Vision aus Angst vor einem erneuten Krieg wieder, seine Perspektive verschwindet, er spricht für das Individuum, das sich wehren wird gegen falsche Versprechen und bereit ist, in der Masse für Demokratie zu kämpfen: ‚Put the guns into our hands and we will use them […]. You plan the wars you masters of men plan the wars and point the way and we will point the gun.’ (Trumbo 1939, S. 104)

Dalton Trumbo stand aufgrund seiner politischen Einstellung schon zu Zeiten der Verbreitung des Romans Johnny der kommunistischen Partei sehr nahe und freundete sich im Laufe des Zweiten Weltkrieges immer mehr mit deren Ideologie an. Dies führte dazu, dass er 1943 gemeinsam mit weiteren Drehbuchautoren der Partei, bzw. dem ‚club’ auch beigetreten ist. Während dieser Entwicklungen kam es zur Gründung des HUAC, das House Committee on Un-American Activities, welches in den 1940er und 1950er Jahren aufgrund des Verdachts, dass kommunistisches Gedankengut durch Filme verbreitet werde, dutzende Befragungen durchführte. Trumbo wurde im Oktober 1947 zum Verhör gerufen, verweigerte jedoch die Aussage mit der Begründung, das Komitee habe kein Recht seine politische Gesinnung zu hinterfragen und wurde deshalb gemeinsam mit anderen Drehbuchautoren, die als The Hollywood Ten bekannt werden sollten, zu einer Geldstrafe über $ 10.000 und einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, von denen er zehn Monate inhaftiert war.

Dalton Trumbo war nun als der erfolgreichste der Hollywood Ten dazu gezwungen, für geringes Budget am Schwarzmarkt zu arbeiten und legte sich weiters das Pseudonym Robert Rich zu. Unter diesem Namen gewann er mit The Brave One (1956) sogar einen Oscar, was ihn als Bezwinger der Liste bekannt machte, und ihm wurde 1993 posthum ein weiterer Oscar für das Drehbuch zu Roman Holiday (1953) verliehen. Nachdem er 1956 die kommunistische Partei verließ und seine vielfältigen Tätigkeiten im Kampf gegen die Verfolgung durch das HUAC weiter ausbaute, wurde er sowohl von Otto Preminger für Exodus (1960), als auch von Stanley Kubrick für Spartacus (1960) engagiert, womit er den Kampf gegen die angebliche Schwarze Liste gewann und sein Name ab diesem Zeitpunkt wieder im Vorspann erschien.

Nachdem Trumbo seinen guten Namen wiederhergestellt hatte, entschloss er sich 1971 im Zuge der Antikriegsbewegungen bezüglich des Vietnamkrieges, in den die USA von 1964 bis 1973 aktiv involviert war, seinen eigenen Roman filmisch darzustellen um seine Ideologie einer neuen Generation näher zu bringen und führt dabei sogar Regie – insgesamt eine höchst ungewöhnliche und besondere Konstellation. Es ergibt sich also die Situation, dass der Trumbo der 1970er Jahre den jüngeren Trumbo Ende der 1930er neu interpretiert und somit sich selbst und seine eigenen Erinnerungen im Medium Film kommentiert. Dabei war er mit zwei Problemen in der filmischen Darstellung konfrontiert, die sich aus der Übertragung vom einen ins andere Medium ergeben – die enorm subjektive Erzählweise des Protagonisten einerseits und die Darstellung der träumerischen Erinnerungsszenen andererseits. Die Subjektivität von Johnnys Blick auf die Situation löst der Film mit einem voice-over in den Krankenhausszenen, wobei hier gegenüber der eingeschränkten ‚Sicht’ im Buch der positiv filmische Aspekt dazu kommt, dass wir Johnnys Gedanken hören, während wir tatsächlich sehen, was in dem Raum vor sich geht. Bei der Darstellung der Imaginationen wählt Trumbo verschiedene symbolische und optische Elemente, um eben diese von der Realität im Hospital zu unterscheiden. Die Erinnerungen sind in Farbe und werden immer bunter je mehr Johnny in seine Traumwelt abschweift, sie erscheinen dadurch optisch viel belebter als die in tristem schwarz-weiß gedrehten Krankenhausszenen.

Trumbos Ausdruck der Kritik hat sich im Film ein wenig verschoben, gut zu erkennen am Schluss, der im Buch mit dem zur Aktion aufrufenden Manifest des Pazifismus endet und im Film das machtlose Individuum im Dunkeln seiner Hoffnungslosigkeit zurücklässt.

Was für die Amerikaner ein nicht aussagekräftiger und mit Klischees behafteter Film und dementsprechend nicht erfolgreich war, wurde von der europäischen Filmelite als Ausnahmebeispiel und Schlüsselarbeit für die Proteste gegen den Vietnamkrieg angesehen und bei den Festspielen in Cannes 1971 auch mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

Dalton Trumbos Kritik in Johnny Got His Gun entzündet sich an einem Mächtesystem, das trotz des Ersten und Zweiten Weltkrieges auch durch den Vietnamkrieg inflationär mit dem Leben junger Menschen umgeht. Trumbo gilt als unerschütterlicher Pazifist, der seinen Erfolg als Drehbuchautor zur Neustrukturierung und Veränderung nutzen wollte, was dazu führte, dass auch sein eigenes Leben zwischen den beiden Johnny-Erzählungen von politischer Verfolgung geprägt war. Doch repräsentieren seine Werke gerade deshalb den Geist eines Menschen, dem man bis zu seinem Tod im Jahre 1976 den Mund nicht verbieten konnte.

Literatur:

Dick, F. B. (1989). Radical Innocence. A Critical Study of the Hollywood Ten. Kentucky: University Press of Kentucky.

Humphries, R. (2008). Hollywood’s Blacklists. A Political and Cultural History. Edinburgh: Edinburgh University Press.

Pospísil, T. (2012). As Crippled As It Gets. Dalton Trumbo’s Johnny Got His Gun. Brno Studies in English. Vol. 38, No. 1, S. 139 – 149. Zugriff am 21.06.2013 unter http://www.phil.muni.cz/wkaa/home/publikace/bse-plone-verze

Trumbo, D. (1939, 1959). Johnny Got His Gun. A Bantam Book. http://ebookbrowse.com/johnny-got-his-gun-pdf-d121193302, Zugriff am 21.06.2013.

http://www.film-zeit.de/Film/3304/JOHNNY-ZIEHT-IN-DEN-KRIEG/   Stand: 21.06.2013

http://www.imdb.com/title/tt0067277/fullcredits?ref_=tt_ov_wr#writers   Stand: 21.06.2013

 

 

Autorin: Janina Piech

Redaktion: Anna Faustmann

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