BLONDE CRAZY (1931)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1931, 79 Minuten, schwarzweiss

Regie: Roy del Ruth

Drehbuch: Kubec Glasmon, John Bright

Musik: Vitaphone Orchestra

Produktion: Warner Bros., The Vitaphone Corporation

Cast: James Cagney (Bert Harris), Joan Blondell (Anne Roberts), Louis Calhern (Dapper Dan Barker), Noel Francis (Helen Wilson), Ray Milland (Joe Reynolds) u.a.

Der Film Blonde Crazy handelt von einem Betrügerpaar, das sich durch geschickte Schwindelei  an das Geld von reichen Hotelgästen machen. Schon zu Beginn Films findet der erste Trick statt. Bert Harris möchte unbedingt, dass Anne Roberts als neues Zimmermädchen, in dem Hotel wo er als Hotelpage arbeitet, eingestellt wird. Nach mehreren Versuchen Anne zu verführen, überredet er sie dazu mit ihm von dort wegzugehen und als Betrüger-Paar zusammen zu arbeiten. Sie reisen von Stadt zu Stadt und machen dabei Bekanntschaft mit dem anderen Betrüger-Paar Dan und Helen. Was mit einer scheinbaren Zusammenarbeit zwischen den beiden Paaren beginnt, endet damit, dass Dan und Helen die anderen ausnützen und ihnen ihr ganzes Geld weg nehmen. In der nächsten Stadt treffen die Paare wieder aufeinander. Anne und Bert schmieden einen Plan, um sich erfolgreich an Dan zu rächen. Die Wege von Anne und Bert trennen sich, da Anne den reichen Geschäftsmann Joe Reynolds heiratet. Ein Jahr später bittet Anne Bert um Hilfe für ihren Mann, der sich bei Geschäften verspekuliert hat. Entgegenkommend versucht Bert ihrem Mann zu helfen. Joe legt Bert aber eine Falle, woraufhin dieser ins Gefängnis gebracht wird.

Blonde Crazy ist der vierte von sieben Filmen, in denen James Gagney und Joan Blondell zusammen spielten. Sie hatten im selben Jahr schon in The Public Enemy ein gemeinsames Filmprojekt, welches großen Erfolg hatte. Das Drehbuch zu beiden Filmen wurde von den Drehbuchautoren Kubec Glasmon und John Bright verfasst.

In diesem Film ist die Darstellung der Frau besonders zu betrachten. Schauspielerinnen, die in ihrer Rolle kokett sind und hin und wieder Bein zeigen sind im 21. Jahrhundert bei weitem keine Seltenheit mehr.  Auch gegen Ende der 1920er Jahre war die Rolle der Frau auf der Leinwand alles andere als zurückhaltend und unterwürfig.  Nicht selten kommt es vor, dass neben expliziter Gewalt auch sexuelle Anspielungen seitens beider Geschlechter in den Filmen jener Zeit zu sehen sind. Die Figur Anne Roberts, die in Blonde Crazy von Joan Blondell gespielt wird, verkörpert eine selbstsichere und stilvolle Frau, die sich nicht von den Männern in ihrer Umgebung ausnützen lässt und dies auch offenkundig mitteilt. Es gibt mehrere Szenen in denen das Zimmermädchen Anne Roberts den Annäherungsversuchen von Männern ausweicht. Besonders zu Beginn des Films behauptet sie sich als starke und selbstbewusste Frau, als sie Bert Harris und einem Hotelgast nach ihren Versuchen sie zu verführen Ohrfeigen verteilt. Als Anfang der 1930er Jahre in den USA der vorläufige Production Code zur Überprüfung von Filminhalten eingeführt wurde, sollten u.a. sexuelle Anspielungen nach und nach aus den Filmen entfernt werden, jedoch hat sich der Production Code erst ein paar Jahre später in 1934 durchgesetzt. Blonde Crazy zählt somit zu den Filmen der Pre-Code-Era, da ganz eindeutig noch sexuelle Anspielungen und Themen wie Betrug im Film vorhanden sind.  Eine weitere Szene an der man sehen kann welche sexuelle Freizügigkeit zu dieser Zeit noch möglich war, ist jene in welcher die Hauptfigur Anne Roberts in der Badewanne zu sehen ist. Es gibt zwei Interpretationsmöglichkeiten für diese Szene: die der Pre-Code-Era und die während der Zeit wo der Code angewendet wurde. Was zuvor als verspielt und reizvoll angesehen wurde, galt danach als sündhaft und unmoralisch. Ein wesentlicher Grund für das Einführen dieser Zensurmaßnahmen war auch die schnelle Verbreitung des Tonfilms. Den Autoritäten war bewusst, dass Filme mit Ton viel mehr Einfluss auf das Publikum haben können als die Stummfilme. Sie sahen ihren Einfluss auf Filminhalte schwinden und befürchtetenn die Verherrlichung und Verbreitung von unmoralischen Inhalten in der Krisenzeit nach dem Börsenkrach von 1929. Es sollte verhindert werden, dass Verbrechen und Betrug als erstrebenswert und angemessen dargestellt werden. Gerade deswegen ist vielleicht auffallend, dass der Geldbetrug den Ann und Bert des Öfteren bei anderen vollziehen, nicht als etwas Negatives behandelt wird. Dem Publikum wird gezeigt wie sie durch Tricks und Schwindel an Geld gelangen. Dadurch dass auch Dan und Helen solche Geschäfte durchführen, kann sich für das Publikum eine gewisse Normalität im Umgang mit Geldverbrechen einführen und das unmoralische Verhalten erscheint weniger schlimm. Es ist jedoch auch zu bemerken, dass der Film wegen seinen komischen Elementen nicht vollkommen ernst genommen werden muss. Die übertriebene Mimik von James Cagney beim erblicken einer Frau die ihm gefällt oder die übertriebenen Szenen mit den Ohrfeigen veranschaulichen dies.

Weiterhin auffallend in diesem Pre-Code Film ist die Beziehung zwischen den Hauptfiguren Bert Harris und Anne Roberts. Statt dass sich eine romantische Beziehung zwischen den beiden entwickelt, bleibt sie auf einer rein geschäftlichen Ebene. Beide sind komplett gleichberechtigt und dürfen Beziehungen mit anderen Menschen eingehen. Das Ende des Films ist der einzige Hinweis darauf, dass eschon unter leichtem Einfluss des Production Codes  gewesen sein kann. Der Betrüger Harris wird angeschossen und von der Polizei festgenommen. Letztendlich muss er für seine moralisch falschen Taten doch eine Strafe verbüßen und die Justiz gewinnt.

Autorin: Bernadette Otter
Redaktion: Konstantin Rohé

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