A Face in the Crowd (1957)

Gepostet am Aktualisiert am

USA, 125 min.
Regie: Elia Kazan
Drehbuch: Budd Schulberg
Produktion: Elia Kazan (Warner Bros.)
Musik: Tom Glazer
Kamera: Gayne Rescher, Harry Stradling Sr.
Schnitt: Gene Milford
Besetzung: Andy Griffith (Larry Rhodes), Patricia Neal (Maricia Jeffries), Anthony Franciosa (Joey DePalma), Walter Matthau (Mel Miller)

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Your Arkansas Traveler“ von Budd Schulberg, welcher auch als Drehbuchautor fungierte.

A FACE IN THE CROWD spielt in den späten 1950er Jahren. Marcia Jeffries entdeckt Larry Rhodes in einem Gefängnis und bietet ihm an für das Radio zu singen, als Gegenleistung wird er aus der Haft entlassen. Seine eigenwillige Stimme und sein Charm stößt auf große Beliebtheit. Ihm wird angeboten unter dem Namen „Lonesome“ Rhodes in einer Fernsehsendung in Memphis, Tennessee aufzutreten. Jeffries und der Autor Mel Miller unterstützen ihn und er wird immer berühmter. Als er sich in der Show über seinen Sponsor lustig macht, sehen die Firmenverantwortlichen, dass der Verkauf in die Höhe schiesst und bemerken, wieviel Einfluss die Medien haben. Ein Angesteller des Sponsors Vitajex, Joey DePalma, handelt einen Vertrag für Rhodes aus, welcher ihn zu dem Star einer eigenen Show in New York macht.
Mittlerweile hat Rhodes auch eine Affäre mit Jeffries angefangen, er betrügt sie jedoch mit einer Jüngeren und zieht mit dieser in eine luxoriöse Wohnung. Jeffries ist wütend und verlang mehr Geld und Anerkennung von Rhodes, weil sie sich als Verantwortliche für seinen Erfolg sieht. Der Vorsitzende seines Sponsors stellt Rhodes dem Senator Fuller vor. Rhodes hilft Fuller bei seiner Kampagne, welcher dadurch die Führung im Wahlkampf erlangt. Rhodes erwischt seine junge Geliebte mit DePalma und die Beziehung zerbricht. DePalma droht Rhodes mit der Bekanntgabe seiner Geheimnisse, falls dieser die Affäre auffliegen lässt. Er versucht Jeffries wieder zurück zu bekommen, doch diese hat kein Interesse mehr. Miller hat währenddessen ein Manuskript über Rhodes unvergleichbaren Aufstieg verfasst und erzählt Jeffries davon. Er würde es veröffentlichen, wenn er einen Herausgeber finden könnte. Die verletzte Jeffries lässt Rhodes auffliegen, als sie nach seiner Show das Mikrofon heimlich einschaltet, als Rhodes über sein Publikum schimpft. Die Zuschauer sind schockiert als sie hören wie er sie ins Lächerliche zieht. Als Rhodes nach der Übertragung unwissentlich mit dem Fahrstuhl nach unten fährt, schießen auch seine Zuschauerzahlen mit jedem Stockwerk Richtung Boden. Als Rhodes in seinem Penthouse ankommt, ist keiner seiner eingeladenen Gäste da.
Miller und Jeffries fahren zu Rhodes Penthouse. Sie treffen auf einen betrunkenen Rhodes. Jeffries bricht den Kontakt mit Rhodes endgültig ab und Miller macht ihm klar, dass sein Leben, so wie er es kennt, vorbei ist. Er glaubt aber, dass das Publikum Rhodes nach einer gewissen Zeit wieder akzeptieren könnte. Als in der letztens Szene beide Rhodes Appartment verlassen, schreit er Jeffries aus dem Fenster hinterher. Diese ignoriert aber seine verzweifelten Rufe und bereut gegenüber Miller, Rhodes jemals aus dem Gefängnis geholt zu haben.

Der Film beschreibt den klassischen Aufstieg und Fall eines Mannes, welcher nicht mit dem plötzlichen Ruhm umgehen kann. Nicht nur seine berufliche Laufbahn sondern auch sein privates Glück, kann den rapiden Aufstieg von Rhodes nicht verkraften. Dabei zeigt der Debütant Andy Griffith all seine Facetten und überschattet seine Nebendarsteller die meiste Zeit. Da Elia Kazan aber als Regisseur bekannt war, welcher das Beste aus seinen Schauspielern herausholen konnte, überraschte dies wenige. Kazan verwendet viele unterschiedliche Stilmittel im Film und inszeniert den Streifen mit aufwendig ausgestatteten Sets.

Die zweite Kollaboration zwischen Schulberg und Kazan zeigt weiters einen frühen Einblick in die Zusammenarbeit zwischen Politik und Unterhaltungsindustrie und welche Macht von dieser ausgeht. Dabei basiert das Drehbuch auf der Geschichte „Your Arkansas Traveler“, in welcher Schulberg seine Hauptfigur nach Will Rogers erschuf.

Dass der Film nicht wirklich erfolgreich in dem Jahr seiner Veröffentlichung war aber mit der Zeit immer mehr Zuspruch bekam, kann darauf zurückgeführt werden, dass er seiner Zeit um einiges voraus war aber heutzutage der Einfluss der Medien aktueller ist als jemals zuvor. Als der Film 1957 herauskam, war das Fernsehen gerade das Medium, dass das Radio ablöste und deswegen ist es umso faszinierender wie Schulberg schon zu Beginn dieser Ära sowhol die Möglichkeiten als auch die Gefahren erkannte.

Der Titel A FACE IN THE CROWD ist nicht nur der Name von Jeffries Radiosendung, sondern er beschreibt auch den Charakter von Rhodes, welcher als Stimme des Volkes agiert – ein Typ mit dem sich die Leute identifizieren können.

Dabei ist offensichtlich warum Kazans Film auch auf reichlich Gegenwehr stieß. Man kann ihn als Satire der Massenmedien sehen oder als warnender Kommentar zur Entwicklung der Gesellschaft. Es war zu dieser Zeit nicht üblich seinen Hauptdarsteller als Instrument der Mächtigen zu zeichnen, gerade wenn dieser aus der Mitte des Volkes kommt. Der Film fordert den Zuseher auf, sich kritisch mit den Medien und ihrem Einfluss auseinander zu setzen. Dabei wird sowohl auf die Verkaufsstrategien von Konzernen als auch auf die Beeinflussung der Wähler durch öffentliche Auftritte verwiesen.

Obwohl Kazan eigentlich einen zynischen Blick auf die in den 50er Jahren zu Ruhm gekommenen TV-Stars werfen wollte, sieht man an der Aktualität des Filmes, dass über die Jahrzehnte immer wieder die gleichen Stereotypen wichtige Rollen in der Medienlandschaft spielen. Der Mann des Volkes, welcher den Menschen vorgaukelt die gleichen Interessen wie sie zu vertreten, ist heute genauso oft im Fernsehen zu sehen als noch vor über 50 Jahren. Treffen hängt am Ende der Schriftzug „There’s nothing as trustworthy…as the ordinary mind – of the ordinary man“ in Rhodes Wohnung.

Kritische Kommentare sind zu jederzeit präsent in A FACE IN THE CROWD, dabei lassen es sich die Verantwortlichen nicht nehmen, das amerikanische Politiksystem an den Pranger zu stellen. Aber inwiefern Kazan und Schulberg ihre eigene Erfahrung mit der Politik miteingebracht haben kann nur vermutet werden. Durch die bewegende Vergangenheit beider wird aber augenscheinlich warum beide das Grundkonzept der Geschichte für viel soziale Kritik nutzten. Denn wie schon Elia Kazan musste auch Drehbuchautor Budd Schulberg vor dem HCUA aussagen, weil auch er der kommunistischen Partei angehörte. Das HCUA (Komitee für unamerikanische Umtriebe) war eine Organisation, die ab den 1940er Jahren unzählige Filmschaffende zur Rede gestellt hat, von welchen sie ausgegangen ist, dass sie Anhänger kommunistischer Parteien oder Gruppierungen waren. Durch die Zusammenarbeit mit dem HCUA konnten gefährdete Regisseure, Drehbuchautoren etc. der Strafe entgehen auf die Schwarze Liste gesetzt zu werden und dadurch keine Filme mehr in Hollywood drehen zu dürfen. Auch bei A FACE IN THE CROWD war dies der Fall. Die Aussagen von Kazan und Schulberg stießen klarerweise auf viel Unmut unter Kollegen und Kazan wurde bis zu seinem Tod 2003 damit konfrontiert. Das Erscheinungsjahr des Films 1957 wird aber auch als der Anfang vom Ende der Schwarzen Liste gesehn. Als John Henry Faulk eine Klage einreichte und Alfred Hitchcock den auf der Liste stehenden Schauspieler Norman Lloyd anheuerte, folgten viele diesem Vorbild und es wurde immer weniger drauf Acht gegeben, ob jemand von dem HCUA eingetragen wurde.

A FACE IN THE CROWD ist ein zeitloser Blick auf die Macht der Medien und wird seinem kontroversen Ruf dahingehend gerecht, dass das System an sich bezweifelt wird. Je mehr man als Zuseher auf die unterschwellige Kritik von Schulberg und Kazan achtet, desto weniger steht die Geschichte des Auf- und Abstiegs von Rhodes als der Kommentar zur Gesellschaft im Vordergrund. Kazan und Schulberg haben einen Film geschaffen, der deswegen modern bleibt, weil er die Grundgedanken der Beeinflussungsmechanismen in Frage stellt und jene werden sich auch in Zukunft wenig ändern.

Quellen:

IMDb: A face in the crowd (1957). In; http://www.imdb.com/title/tt0050371/ (20.06.2013)
Elia Kazan. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Elia_Kazan (20.06.2013)
Budd Schulberg. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Budd_Schulberg (20.06.2013)
Hollywood Missing Movies. In: http://reason.com/archives/2000/06/01/hollywoods-missing-movies (20.06.2013)
Congressinal Committees. In: http://www.writing.upenn.edu/~afilreis/50s/congcomms.html (20.06.2013)
Neve, Brian: Elia Kazan: The Cinema of an American Outsider. London: I.B.Tauris, 2009.

Autor: Florian Schneider 0507700

Redaktion: Elena Gurfinkel 1268146

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