The Beguiled (1971)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1971, 105 min.

Regie: Don Siegel

Buch: Albert Maltz, Irene Kamp

Romanvorlage von: Thomas Cullinan

Kamera: Bruce Surtees

Musik: Lalo Schifrin

Produktion: Jennings Lang, Don Siegel, Claude Traverse, Clint Eastwood

Darsteller: Clint Easwood (John McBurney), Geraldine Page (Martha), Elizabeth Hartman (Edwina), Jo Ann Harris (Carol)

Während dem amerikanischen Bürgerkrieg wird der Unions-Soldat John McBurnley hinter den gegnerischen Linien schwer verletzt. Die junge Amy aus einer nahe gelegenen Mädchenschule rettet ihn und bringt ihn zu ebendieser Schule zurück. Dort beschließt die Schulleiterin Martha den verfeindeten Soldaten zu verarzten und erst wieder an die patrouillierenden Konföderations-Truppen zu übergeben, wenn dieser wieder bei Kräften ist. Jedoch gelingt es John mit seinem Charme die Frauen nach und nach für sich zu gewinnen, was schließlich zur Folge hat, dass er in der Schule bleiben darf. Da John versucht mehrere Frauen gleichzeitig zu verführen, entsteht Eifersucht zwischen ihnen, die zu dramatischen Folgen führt.

Das Drehbuch von „The Beguiled“ basiert auf Thomas P. Cullinan’s Buch „A Painted Devil“. Dieses wurde von Irene Kamp und Albert Maltz, welche beide unter Pseudonymen  (Grimes Grice bzw. John D. Sherry) arbeiteten, verfasst. Maltz gehört zu den ‚Hollywood Ten‘, welche vor dem HUAC (House Un-American Activities Committee) bezüglich ihrer Kontakte zur Kommunistischen Partei geladen wurden und wegen unkooperativem Verhalten gegenüber des Komitees verhaftet wurden. Vor der Verhaftung schrieb Maltz die Drehbücher für „The House I Live In“ (1945) und  „Prides of the Marines“ (1945), welche sich durch ihre Konfrontation mit sozialen Problemen auszeichnen. Im Jahr 1946 schrieb Maltz in „New Masses“ den Artikel „What Shall We Ask of Writers?“, in dem er ein Plädoyer gegen die Sichtweise seiner kommunistischen Partei, nämlich „art is a weapon“, hielt.

Seinen Aufruf nach mehr künstlerischer und intellektueller Freiheit nahm Maltz wegen Druck der Partei kurze Zeit später wieder zurück. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass er trotzdem noch zu dieser Meinung stand. Maltz sah seine Arbeiten in der Filmindustrie hauptsächlich als Möglichkeit seine Romane und Theaterstücke (seiner Meinung nach „ernsthaften Texte“) zu finanzieren. Auch Dalton Trumbo behauptet, dass Maltz ein größeres Talent hatte, als seine Werke es zeigen, was vor allem seinem Ziel sehr viel Geld zu verdienen geschuldet war.

Maltz schrieb zu „The Beguiled“ die erste Drehbuchversion, die am ehesten dem Genre der romantischen Komödie zuzuordnen ist. Diese wurde später von Irene Kamp und Claude Traverse überarbeitet. So ist vor allem das dramatische Ende nicht Maltz zuzuschreiben:

Nachdem Edwina, eine Lehrerin, der John einige Stunden zuvor seine Liebe gestanden hat, ihn mit einer anderen Frau im Bett erwischt, stößt diese ihn die Treppen hinunter. John erleidet dadurch einen komplizierten Bruch, wodurch die ebenfalls eifersüchtige Martha keine andere Möglichkeit mehr sieht als ihm das Bein zu amputieren. Er glaubt zu wissen, dass Martha ihm aus Eifersucht das Bein abgenommen hat und bringt die einzig vorhandene Pistole in seine Gewalt. In einem durch Alkohol verstärkten Wutanfall bedroht er alle Frauen im Haus und tötet dabei die Schildkröte der kleinen Amy. Durch Manipulation der Schulleiterin pflückt Amy gefährliche Pilze, um John beim Abendessen zu vergiften. Vor diesem Abendessen entschuldigt sich John für seinen Wutanfall und verlautbart vor allen seine Verlobung mit Edwina. Letztendlich stirbt er aber an den giftigen Pilzen und wird in der letzten Szene von den Frauen zu Grabe getragen.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf dem Machtverhältnis zwischen Mann und Frau. Die Frauen kümmern sich um den verwundeten Mann und dieser manipuliert die Frauen, um sich aus seiner misslichen Lage als ihr Gefangener, zu befreien. Die Macht liegt letzten Endes jedoch nicht beim Mann, sondern bei den Frauen, welche ihm nicht nur das Bein sondern auch das Leben nehmen. Der Film, welcher zur Zeit des Vietnamkrieges veröffentlicht wurde, trägt auch eine Botschaft gegen den Krieg. Diese wird vor allem in den Opening Credits, verstärkt durch die Musik, deutlich. Albert Maltz frühe Drehbuchversion hätte den Film in seiner Anti-Kriegs-Haltung verstärkt, da das glückliche Zusammenfinden von Figuren aus verfeindeten Lagern positiver Verlaufen wäre als es in der endgültigen Version des Filmes geschehen ist. Geblieben ist jedoch der Punkt des „Verrates“. Die Frauen liefern den Mann nicht an die patrouillierenden Truppen aus, sondern planen ihn aufzunehmen und zu Beschützen. Dieser Zusammenhalt gegenüber einer dritten Kraft, in diesem Fall die Truppen der Konföderierten, könnte als Allegorie auf die HUAC-Verhöre gesehen werden. Eine eindeutige Verbindung ist jedoch nicht vorhanden.  Es ist richtig, dass einige Punkte des Filmes; die Anti-Kriegs-Haltung, die starken Frauenrollen und der Verrat, eine inhaltliche Ähnlichkeit zur schwarzen Liste und den Werten der ‚Hollywood Ten‘ herstellen. Diese Ähnlichkeiten sind dennoch zu Allgemein und bedeuten nicht zwingend eine Verbindung.

Autor: Christoph Halbauer

Redaktion: Bernadette Otter

Literatur:

Claus Tieber, Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem, Berlin: Lit 2008

Gina Herring, „The Beguiled: Mysogynist Myth or Feminist Fable?“, Literature Film Quaterly, 29, 1998, S. 214-219

John Sbardellati, „’The Maltz Affair‘ revisited: How the American Communist Party relinquished its cultural influence at the dawn of the Cold War“, Cold War History, Vol. 9, No.4, November 2009, S. 489-500

Albert Wertheim, „The McCarthy Era and the American Theatre“, Theatre Journal, Vol. 34, No. 2, 1982, S. 211-222

Turner Classic Movies. Film Review: The Beguiled, 1971.
http://www.tcm.com/tcmdb/title/19429/The-Beguiled/
(Zugriff: 18.6.2013)

IMDb, The Beguiled
http://www.imdb.com/title/tt0066819/?ref_=sr_1 (Zugriff: 18.6.2013)

IMDb, Albert Maltz
http://www.imdb.com/name/nm0540816/?ref_=fn_al_nm_1 (Zugriff: 18.6.2013)

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