THE WAY WE WERE (1973)

Gepostet am Aktualisiert am

USA, 118 Minuten

Studio: Columbia Pictures

Produzent: Ray Stark

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Arthur Laurents

Besetzung: Barbra Streisand [Katie Morosky],Robert Redford [Hubbell Gardiner], Bradford Dillman [J.J.], Lois Chiles [Carol Ann]

Im Frühjahr 1937 lernt Katie Morosky, eine jüdische Marxistin, den gutaussehenden, reichen Hubbel Gardiner an der New Yorker Universität kennen. Sie ist im kommunistischen Studentenbund aktiv und versucht ihre Kommilitonen für Politik zu begeistern, Hubbel und seine Freunde zeigen sich jedoch uninteressiert. Gegensätzlicher könnten die Charaktere nicht sein, doch in einem Schreibseminar zeigt sich ihre Gemeinsamkeit und Hubbels großes Talent: das Schreiben. Dennoch bleibt es bei einer kurzen Begegnung.

Während des zweiten Weltkriegs treffen sich die beiden zufällig in einer Bar wieder. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensstile verlieben sie sich ineinander. Katie ermutigt Hubbel seinem Talent als Autor nachzugehen. Diesem Zuspruch kommt Hubbel nach und schon bald soll sein Roman in Hollywood verfilmt werden, woraufhin sie gemeinsam, gegen Katies Willen nach Malibu ziehen. Dort beginnt bereits die Kommunistenjagd, welche zu einer erneuten Konfrontation zwischen den Protagonisten, aufgrund ihrer differenten politischen, moralischen und ethischen Einstellungen, beiträgt. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Hubbel eher den einfachen Weg der Anpassung bevorzugt und Katie gegen die Hetze kämpft und sich kompromisslos zeigt. Trotz der sich verstärkenden Distanz zwischen den beiden wird Katie Schwanger. Dennoch zerbricht die Ehe. Jahre später trifft sich das einstige Liebespaar zufällig vor dem Plazza Hotel in New York wieder. Beide scheinen zu sich zurückgefunden zu haben und ihren alten Weg zu gehen, so wie sie waren.

THE WAY WE WERE ist ein politisches Melodrama, welches die Liebesgeschichte eines Paares mit unterschiedlichen Weltanschauungen vor dem geschichtlichen Hintergrund der schwarzen Liste erzählt.

Ray Stark bat Arthur Laurents ein Drehbuch für Barbara Streisand zu schreiben. Dieser Bitte kam Laurents nach und traf sich mit Barbara zu einem Gespräch. Durch ihre leidenschaftliche Art erinnerte sie ihn sogleich an eine alte Bekannte aus seiner College Zeit. Diese war die jüdische Präsidentin der YCL, der kommunistischen Jugendliga. Doch nicht nur die Figur der Katie Morosky ist mit Erinnerungen und Erlebnissen des Drehbuchautors verknüpft. Es lassen sich auch viele Szenen auf wahre Begebenheiten und reale Personen aus seinem Leben zurückführen. So basiert die Unterbrechung der privaten Filmvorführung aufgrund der zufälligen Entdeckung einer Wanze hinter einem Bild (1:21:50) auf einem wahren Erlebnis des Drehbuchautors bei Clifford Odets (Vgl. Laurents, 0:31:41-0:32:00). Überdies glaubt Pollack, dass John Huston die Inspiration für die Figur Bissinger und Peter Viertel für Hubbel war (Vgl. Pollack, 1:13:12-1:13:35).

Laurents, welcher selbst auf der schwarzen Liste stand, versuchte den Wechsel des einst glamourösen Hollywood-Lebens und dessen Bruch mit Beginn der McCarthy Ära festzuhalten.

Als Stark und Pollack Redford in der Rolle des Hubbels besetzen wollten, weigerte sich dieser zunächst bis Pollack ihm versprach, dass seine Figur geändert werden würde. Pollack kritisierte die Figur Hubbels. Laurents identifizierte sich, laut ihm, zu stark mit der Figur Katie und wollte sie schützen sowie ihr die stärkere Position verleihen. Aufgrund dessen engagierte Pollack David Rayfiel und Alvin Sargent um die Figur von Hubbel zu korrigieren und aus ihm nicht nur ein schwaches Sexobjekt, sondern einen ebenbürtigen Charakter mit eigener Meinung zu machen (Vgl. Pollack, 0:23:11- 0:24:24). Dies sollte die Kontraste stärken und mehr Spannung in die Geschichte bringen. Letztendlich schrieben elf Autoren an der Endfassung unter anderem auch Dalton Trumbo, Herb Gardner und Paddy Chayefsky. Zu Beginn der Dreharbeiten wurde Laurents wieder zurückgeholt und gebeten die Fehler, die durch die vielen Autoren entstanden waren, wieder auszubessern (Vgl. Spada, 1996: S. 324).

Die Frage, ob der Drehbuchautor sich tatsächlich zu stark mit der Figur Katie identifizierte, lässt sich anhand der Parallelen der fiktiven Figur und seiner Biographie aufzeigen. Sowohl Katie als auch Laurents sind jüdischer Abstammung. Des Weiteren wurde Katie in der ursprünglichen Fassung des Drehbuchs und der ersten Filmvorführung auf die schwarze Liste gesetzt. Zu Beginn der McCarthy-Ära waren sowohl die fiktive Figur als auch der Drehbuchautor nicht Mitglied der kommunistischen Partei. Ihre kommunistischen Aktivitäten lagen Jahrzehnte zurück, jedoch wurden sie durch ihren politischen Aktivismus zu Staatsfeinden. Laurents setzte sich lediglich für die Bürgerrechte ein und war Mitglied einer marxistischen Lerngruppe. Auch Katies Idealismus strebt primär nach Forderungen für mehr Menschenrechte, Veränderungen und Frieden. Die Arbeit der Protagonistin beim Radio lässt ebenfalls autobiographische Züge erkennen, da auch Laurents zu Beginn seiner Karriere für das Radio schrieb. Zudem spiegelt sich der Wunsch der jüdischen Kommunistin nach Frankreich zu ziehen in Laurents Leben wider. Dieser lebte eine Zeit lang in Paris nachdem er von der HUAC nach Washington D.C. geladen wurde.

Pollack versuchte den Wünschen Laurants nachzukommen und die Liebesgeschichte mit der Politik zu verknüpfen. Doch letztendlich wurden viele politische Szenen geschnitten. Dies war zum einen dem Publikum der Vorpremiere verschuldet, denn es empfand den Film als zu lang und zum anderen Starks Überzeugung, dass die Romanze mit der Politik nicht zu vereinbaren ist. Der Regisseur hatte sich dann dazu entschieden die relevanten Szenen zu schneiden um den Film emotional Gradliniger zu gestalten. Für Laurents war die Verschmelzung von Liebe und Politik der Höhepunkt, der nun fehlt.

Die Entscheidung Pollacks die politischen Szenen rauszuschneiden und nicht tiefgründiger die Thematik der schwarzen Liste zu behandeln eine Erinnerung an Hubbels Entscheidung sich dem kapitalistischen Hollywood unterzuordnen und die Geschichte zugunsten des größeren Erfolgs zu ändern (1:34:44).

Die Schnitte, welche Pollack kurz vor der Veröffentlichung vornahm, hatten auch inhaltliche Auswirkungen. Durch den nahtlosen Übergang von Hubbels Affäre zur Trennung wird signalisiert, dass sowohl ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten als auch seine Untreue der Grund für die Trennung waren. Die schwarze Liste war ursprünglich der Auslöser für die Scheidung. Katies Denunzierung von Frankie McVeigh sowie ihr Zwiespalt selbst Namen zu nennen oder die Scheidung einzureichen um ihren Mann zu retten wurden gestrichen. Fraglich bleibt, ob der Film tatsächlich weniger Erfolg gehabt hätte, wenn die schwarze Liste der Auslöser für die endgültige Trennung der beiden geblieben wäre.

Ebenso wurde eine Szene geschnitten in der die schwangere Katie in ihrem Cabrio am Campus vorbei fährt und ein Mädchen sieht, in dem Sie sich wiedererkennt. Das Mädchen steht vor ihren Kommilitonen, die sie wegen ihres Engagements verspotten. Katie beginnt zu weinen und denkt darüber nach, dass sie ihre Ideale verraten hat.

Während Laurents und Streisand die politisch brisanten Szenen wichtig waren, war es für Pollack primär von Bedeutung die menschliche Beziehung ins Zentrum zu stellen. Das Endresultat zeigt einen Film, der zwar die politischen und sozialen Fakten anschneidet, aber nicht weiter auf sie eingeht. THE WAY WE WERE zeigt die hoffnungslose Liebe zweier unterschiedlicher Menschen, die versuchen einander zu lieben und eine Beziehung zu führen, jedoch scheitern. Die anfangs spannende und erfrischende Gegensätzlichkeit lässt sich auf Dauer nicht vereinen, da eine Beziehung, sofern sie nur auf Kompromissen beruht, nicht funktionieren kann. Katies Passion im Moment zu leben und ihre kommunistische Einstellung wird Hubbels Weitsicht und seinen konservativen Zügen gegenübergestellt. Der Film bleibt durch die Angleichung des Charakters von Hubbel unentschlossen bezüglich der „richtigen“ Einstellung. Pollack versuchte durch die Charaktere verschiedene Sichtweisen anzubieten. Beide Lebenseinstellungen werden aufgezeigt und gleichwertig verhandelt. Der Versuch Hubbel als eine gleichberechtigte Figur zu konstruieren scheint allerdings durch seine Passivität und dem letzten Treffen wieder aufgehoben. Als sich beide vor dem Plazza Hotel erneut treffen wird schnell klar, dass der einfache Weg und das leichte Leben nicht die beste Entscheidung war. Hubbel ist Opfer seiner eigenen Entscheidungen geworden. Auch wenn er von außen betrachtet ein glückliches Leben zu führen scheint, zeigt er in dieser Szene Schwäche und Schmerz. Er hat seine Tochter nie gesehen und schreibt für das Fernsehen, obwohl er zu mehr fähig gewesen wäre. Der Protagonist, der trotz der Korrektur als „all-american athlete“ und typischer amerikanischer Held dargestellt wird, überlässt nun eindeutig Katie die Heldenfigur. Der Film zeichnet sich insofern auch als feministischer Film aus. Laurents bricht mit sämtlichen Klischees der traditionellen Rollenverteilung in Hollywood-Filmen durch die Gegenüberstellung von einer aktiven Frau und einem passiven Mann. Sie ist ihren Prinzipien treu geblieben, kämpft weiter und führt ein turbulentes, aber erfülltes Leben. Der zu Beginn des Films vorgelesene Aufsatz „The all american smile“ von Hubbel einleitend mit dem Satz „In a way he was like the country he lived in, everything came too easy“ (0:16:54) nun die Schattenseiten zu zeigen. Wenn man den einfachsten Weg geht und sich immer den Gegebenheiten anpasst, führt dies zu keiner Weiterentwicklung sondern zum Stillstand. Der Schein seiner Schönheit und der Leichtigkeit seines Lebens trügt und wird bei dem bewundernden Anblick ihrer Dynamik und Leidenschaft entlarvt.

Die Verwandlung der Personen wird durch das Erscheinungsbild optisch unterstrichen. Die Haare von Katie können als Symbol betrachtet werden, da sie am Ende des Films wieder ihre ursprünglichen Naturlocken trägt (Vgl. Meyer, 1998: S. 72). Dies visualisiert ebenfalls, dass Hubbel im Kontrast zu ihr stets konstant geblieben ist. Katie versuchte sich der Gesellschaft anzupassen, verlor ihre Prinzipien jedoch nie und kehrt schließlich zu ihren ursprünglichen moralischen Vorstellungen des Lebens zurück, fern von dem kapitalistischen Hollywood.

In den späten 1960er Jahren plante Laurents eine Fortsetzung in der die politischen Aktivitäten ihrer Tochter in der Anti-Kriegsbewegung das einstige Ehepaar wieder zusammenführen sollte, diese wurde jedoch nie verfilmt (Vgl. Laurents, 2000: S.283).

Bildschirmfoto 2013-06-20 um 14.26.46

Literatur:

Laurents, Arthur: Original Story by Arthur Laurents: A Memoir of Broadway and Hollywood. New York: Knopf, 2000.

Laurents, Arthur. In: Making Of. Interviews. The way we were (So wie wir waren). USA 1973, R: Sydney Pollack. DVD (Columbia Tristar Home Video, 1999).

Meyer, Janet L.: Sydney Pollack. A critical Filmography. Jefferson: McFarland, 1998.

Pollack, Sydney. In: Regiekommentar. The way we were (So wie wir waren). USA 1973, R: Sydney Pollack. DVD (Columbia Tristar Home Video, 1999).

Pollack, Sydney. In: Making Of. Interviews. The way we were (So wie wir waren). USA 1973, R: Sydney Pollack. DVD (Columbia Tristar Home Video, 1999).

Spada, James: Barbara Streisand. Eine Biographie. München: Wilhelm Heyne, 1996.

Autor: Anica Seidel

Redaktion: Thomas Guckes

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