Song of Russia

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1944, 107 Minuten

Studio             MGM

Directed by     Gregory Ratoff, László Benedek

Produced by   Joe Pasternak, Pandro S. Berman

Written by        Leo Mittler (story), Victor Trivas (story), Guy Endore (story), Paul Jarrico (screenplay),  Richard Collins (screenplay)

Cast                Robert Taylor (John Meredith), Susan Peters (Nadya Stepanova), John Hodiak (Boris          Bulganov), Robert Benchley (Hank Higgins)

In dem vom HUAC skeptisch beäugten pro-sowjetischen Propagandafilm ‚Song of Russia‘ aus dem Kriegsjahr 1944 geht es um den sehr berühmten amerikanischen Dirigent John Meredith und seinen Manager Hank Higgins. Die beiden machen sich auf den Weg nach Russland, kurz bevor die Nationalsozialisten in der Sowjetunion einmarschieren, um dort ein Konzert zu geben. Vor Ort verliebt sich Meredith in die Pianistin Nadya Stepanova aus Tschaikowskoye, die nach Moskau gereist ist, um ihn in ihr Heimatdorf einzuladen und ihn bittet die dortige Musikschule zu beehren. Bis zur Hochzeit der beiden werden ausschließlich fröhliche Menschen, die ihr Leben und den Kommunismus zu genießen scheinen, im Film gezeigt. Doch nach dem Hochzeitsfest und einer langen Konzertreise der beiden, auf der sie sehr glücklich sind, folgt der Krieg: die Deutschen zerstören das Glück des positiv dargestellten Volkes und machen mit Gewalt die Idylle zunichte. Nadya reist in ihre Heimat, um diese zu verteidigen. John folgt ihr nach einiger Zeit und findet ein zerstörtes Dorf und eine kämpfende Nadya vor, die ihn von da an in die USA begleitet und die beiden von dort aus mit Hilfe der Musik gegen den Krieg ankämpfen.

Der Film arbeitet sehr stark mit der Idealisierung der Sowejtunion. Es werden hauptsächlich fröhliche und freundliche Menschen dargestellt, die sich sogar auf Englisch unterhalten, obwohl gerade kein Amerikaner in ihrer Nähe ist, was eine unrealistische Komponente in den Film hineinbringt. Ebenso verkörpert die Amerikanerin Susan Peters in der Rolle der Nadya Stepanova eine stereotype Russin, die am Feld arbeitet und  Landestrachten trägt, jedoch in Wirklichkeit keinerlei physischer Hinsicht einer typischen Russin ähnelt. Dadurch wirken viele Szenen trotz ihres Handlungsortes sehr amerikanisch und positiv überzeichnet. Die Sowjetunion wird als eine Art Welt ohne Schattenseiten dargestellt und erscheint teilweise wie ein Werbespot für Land und Leute. Diese Idealisierung resultiert daraus, dass Amerika und Russland im herrschenden zweiten Weltkrieg dasselbe Ziel verfolgten und einen gemeinsamen Feind, der an dieser Stelle auch stark thematisiert wird, bekämpften. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus verbindet also beide Seiten, die dann nach dem Ende des Krieges aufgrund des Kommunismus jedoch wieder getrennte Wege gehen.

Trotz der politischen Hintergründe im Film arbeitet dieser jedoch vordergründig mit einer Liebesgeschichte zwischen einem durchschnittlichen Landmädchen und einem sehr bekannten Musiker. Es scheint als sollen an dieser fast unrealistisch erscheinenden Lovestory geschichtliche Fakten erklärt werden, da auch sehr realistische Kriegsszenen eingebunden werden. Dieser Realismus resultiert aus dem Verweis auf Daten, da tatsächlich ab dem 21. / 22. Juni 1941 eine Invasion der Nazis stattfand. Durch den Angriff der Nazis während Meredith´s Konzert in Moskau bekommt der Zuschauer auch einen Überblick darüber, wie viel Zeit vergangen ist, denn der Angriff auf Moskau erfolgte im Oktober 1941. Realistisch wirkt außerdem die Darstellung der Kriegstaktik „Verbrannte Erde“, die in der Sowjetunion regelmäßig angewandt wurde. Die Filmeinspielungen zur Rede Stalins an sein Volk (ca. 67 Min.) wirken wie Originalaufnahmen aus Russland zur Zeit des zweiten Weltkrieges.

Schon der Titel des politischen Films ‚Song of Russia‘, also ‚Lied von Russland‘, verweist darauf, dass hier durch Musik etwas über Russland erzählt wird. John und Nadya werden während einer Schlacht von den einheimischen Kämpfenden gebeten, nach Amerika zurückzukehren und mit Hilfe der Musik über die Zustände in der Sowjetunion zu berichten. Musik und Prominentenstatus werden an dieser Stelle also als eine Art Waffe eingesetzt und zur Aufklärung genutzt. Durch den Einsatz von Musik ergibt sich außerdem eine zyklische Struktur im Film, da zu Beginn ein Konzert in Manhattan gezeigt wird, welches sich chronologisch nach den Beobachtungen des Paares in Russland ereignet hat, und zu dem dann am Ende des Films wieder zurückgekehrt wird.

An dem Film ‚Song of Russia‘ waren Männer wie der Drehbuchautor Paul Jarrico beteiligt, die ab ca. 1945 auf der schwarzen Liste der HUAC aufgeführt waren, 1947 vorgeladen wurden und aus Angst vor kommunistischer Propaganda ein Berufsverbot auferlegt bekommen sollten. Das Komitee vermutete kommunistische Propaganda vor allem in den Filmen, die zur Zeit des Krieges die beteiligte Sowjetunion thematisierten. Das Komitee glaubte auch in diesem Fall eine verfälschte Wahrheit zu entdecken, obwohl der Film sich stark mit einer Storyline beschäftigt. Material über die Alliierten auszustrahlen, worin diese besonders vorteilhaft wirken, galt während des Krieges als Tat für das Vaterland, ebenso wie sich bald darauf mit antikommunistischem Material zu beschäftigen.

Die 1940er Jahre brachten  einige Veränderungen für Hollywood, vor allem auch für dessen Filmindustrie, was letztlich das Ende des klassischen Studiosystems bedeutete. Die Studios arbeiteten größtenteils im Producer Unit System, wobei MGM, das auch ‚Song of Russiaproduzierte und zum Central Producer System zurückkehrte, sehr erfolgreich war. Joe Pasternak, der jüdische Produzent von ‚Song of Russia‘, verhalf dem Studio in dieser Zeit zu seinem außerordentlichen Erfolg, der darauf aufbaute, die langjährigen Verträge zu erhalten und bewährte Genres sowie Stars beizubehalten.

Erst als die USA im Dezember 1941 nach dem Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg eintrat, entstand in Hollywood der Großteil der anti-Nazi Filme. Vorher übte Amerika eher Zurückhaltung auf diesem Terrain aus, da es noch unentschieden war, ob sich das Land in den Krieg einmischen wird oder nicht. Mit dem Eintritt in den Krieg beginnt eine Welle von Filmen über den zweiten Weltkrieg mit der Darstellung der Alliierten und der Kriegsgegner. Fast zwei Drittel der gesamten A-Filmproduktion in Hollywood thematisiert ab 1942 den Krieg. Daher  erweiterte sich die Kontrolle über die Filmindustrie zu dem schon bestehenden Production Code Administration (PCA) um das Office of War Information (OWI), das auf die Filmproduktionen von 1942-1945 einen erheblichen Einfluss ausübte und Filme betreute, die den Krieg zum Inhalt hatten. Diese hinzugekommene Institution verfügte über ungeklärte Machtverhältnisse, weshalb es zwischen den Vertretern des schon länger bestehenden PCA und den Vertretern des OWI zu unterschwelligen Machtkämpfen kam und auch Spannungen zwischen den etablierten Größen in Hollywood und dem OWI auslöste. Das OWI wurde von der demokratischen Regierung besetzt, die andere Ansichten vertraten als die konservativen Vertreter der PCA, wobei vor allem Joe Breen sich gegen das OWI stellte. Das bedeutete massive Unterschiede in der Auffassung der verschiedenen Institutionen, bezogen auf die Darstellung der Alliierten.   Dies betraf also ebenfalls ‚Song of Russia‘, der großen Zuspruch beim OWI fand, aber heftige Kritik von Joe Breen und damit des PCA einstecken musste. Erst im Nachhinein, also im Jahr 1947, wurde den Filmemachern ihr Schaffen an dem Film vorgeworfen, da das HUAC propagandistische Filme in Bezug auf den Kommunismus strikt ablehnte.

Der kommunistische Drehbuchautor Jarrico, dessen Vater ein russisch-jüdischer Einwanderer war, wurde vom HUAC auf die schwarze Liste gesetzt, was erfolgte, wenn die Zusammenarbeit mit dem House Un-American Activities Committee verweigert wurde. Um seine Arbeit trotzdem weiter fortführen zu können, nutzte er das Pseudonym Peter A. Chilles oder Peter Achilles. Problematisch an diesen zu dieser Zeit häufig von verdächtigten Autoren genutzten Decknamen war, dass wegen des unbekannten Namens die Bezahlung abgeschwächt wurde, da nur bekannte und bereits bewährte Namen hohe Summen für ihre Arbeit erhalten konnten.

Das Verhältnis von Autor und Produzent war damals ein Punkt, an dem angenommen wurde, dass Autoren ihre kommunistischen Inhalte möglicherweise kodiert in die Filme einbringen könnten. Natürlich haben Autoren aber nicht gegen den Willen der Produzenten gehandelt, sondern führten ihre Aufträge aus und kooperierten mit dem jeweiligen Produzenten, der im Normalfall über die politische Ausrichtung der Autoren im Bilde war.

Der in Russland geborene amerikanische Jude Gregory Ratoff übernahm die Regie bei ‚Song of Russia‘. Er musste nach einem Zusammenbruch vom zweiten Regisseur und Golden Globe Award Gewinner László Benedek, der in Ungarn geboren wurde, ersetzt werden.

Robert Taylor, der die Hauptrolle des Dirigenten John Meredith spielte und unter Vertrag bei MGM stand, wurde vom Komitee ebenfalls misstrauisch begutachtet. Er selbst begründete seine Teilnahme am Film aber damit, beim Studio unter Vertrag zu stehen und daher nicht aus kommunistischer Überzeugung, sondern lediglich aus beruflichen Gründen die Rolle übernommen zu haben.

Susan  Peters, die die Rolle der musikalischen Ehefrau des Dirigenten übernahm, war im Laufe ihrer Karriere einmal nominiert für einen Oscar und gelang zur Zeit ihres Schaffens an ‚Song of Russia‘  der Aufstieg zum Filmstar, was sogar mit einem Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ geehrt wurde. Schon ein Jahr nach dem Erschienen des Filmes erlitt sie einen Jagdunfall und war fortan ab der Hüfte abwärts gelähmt, woran schlussendlich ihre schauspielerische Karriere scheiterte. Mit nur 31 Jahren starb die junge Schauspielerin an Nierenversagen und Entkräftung in Folge einer Essstörung (Anorexia nervosa). Sie hinterließ ein Kind, das sie erst 1946 mit ihrem damaligen Mann, von welchem sie sich zwei Jahre später scheiden ließ, adoptiert hatte.

Literatur:

Tieber, C. (2008). Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Sudiosystem. Wien: Lit-Verlag.

Deutsches Historisches Museum. 1939-45. Der Überfall auf die Sowjetunion. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/sowjetunion/ (16.06.2013)

IMDB. Song of Russia. http://www.imdb.com/title/tt0036378/?ref_=fn_al_tt_1 (16.06.2013)

IMDB. Susan Peters. http://www.imdb.com/name/nm0676688/?ref_=fn_al_nm_1 (16.06.2013)

Zweiter-Weltkrieg-Lexikon. Verbrannte Erde. http://zweiter-weltkrieg-lexikon.de/index.php/Kriegsfuhrung-und-Taktiken/Offensive-Taktiken/Verbrannte-Erde.html (16.06.2013)

Autorinnen:

Redigiert von Barbara Klaus 0907926

Geschrieben von Jacqueline Kloft 0909731

 

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