Blockade (1938)

Gepostet am Aktualisiert am

Erscheinungsland   USA, 1938, 85 min.
Regisseur              Willhelm Dieterle
Produzent             Walter Wanger
Drehbuch              John Howard Lawson
Cast                      Madeleine Carroll, Henry Fonda, Leo Carillo

BLOCKADE ist ein Film über Menschlichkeit, Vertrauen, Loyalität und vor allem über die Bedrohung demokratischer Werte und Ideale durch den Faschismus eingebettet im Kontext des spanischen Bürgerkrieges. Wenngleich auf Geheiß des Breen-Office der PCA auf eine klare Markierung der beiden kämpfenden Parteien als Frankisten und Republikaner verzichtet werden musste, so wird durch deren Ideale und ihr Verhalten im Kriegsverlauf doch deutlich, um wenn es sich handelt.

Der Film beginnt 1936 mit dem Aufeinandertreffen des Bauern Marco und der hübschen Norma, der Tochter eines Antiquitätenhändlers, welcher später als Spion demaskiert wird. Trotz Marcos Sinn für Kunst haben die beiden aufgrund des sozialen Unterschieds keine Zukunft. Zu Kriegsbeginn tut sich Marco durch seinen Mut und seine Liebe zum Vaterland hervor, was ihm eine Beförderung zum Leutnant in der republikanischen Armee einbringt. In den Wirren des Krieges kommt Normas Vater Basil durch Marcos Waffe zu Tode. Es stellt sich heraus, dass Basils Geschäftspartner André, der den Krieg als bloßes Spiel versteht (42:20), dafür verantwortlich ist, da er das Treffen zwischen Basil und Marco nur zu diesem Zweck arrangierte und sich auch sonst als skrupelloser Opportunist entpuppt. In Castelmare versucht er mit Hilfe des ebenfalls für die Frankisten arbeitenden republikanischen Generals Vallejo eine Lebensmittellieferung für den eingekesselten Ort zu verhindern. Dazu will er Norma als Spionin einsetzen, was diese zunächst akzeptiert, um schließlich doch für die gerechte Sache – für das spanische Volk – zu kämpfen. Letztlich setzt sich aber Marco mit Hilfe einer List durch und wird vom Kommandanten des ankommenden Schiffs aus den Fängen der beiden Volksverräter befreit.
Interessant an der Darstellung des Konflikts ist insbesondere die Tatsache, dass der frankistische Feind konturlos bleibt, da er – abgesehen von den Spionen Vallejo und André, die die republikanische Armee infiltrieren – lediglich als unpersönliche, abstrakte Masse in Erscheinung tritt.

Schon in diesen kurzen Umschreibungen des Inhalts klingt die offenkundige Dichotomie innerhalb des Filmes an: Das rechtschaffene, pflichtbewusste Volk und die vereinten republikanischen Freiheitskämpfer stehen den opportunistisch-egoistischen Individuen (Vallejo und André) gegenüber. So ist es auch ein Republikaner, der die perfide Kriegstaktik der Frankisten anprangert: „The greatest offensive weapon in modern warfare is starvation.“ (39:45).
Den Höhepunkt der pathetischen Stilisierung erreicht der Film in der Schlusssequenz. Marco wird zunächst vom republikanischen Kommandanten aus der Gewalt der beiden Verräter André und Vallejo befreit – ohne dass der Kapitän den Sachverhalt einer nachhaltigen Prüfung unterzieht. Vielmehr genügt das Wort des Ehrenmannes Marco. Nachdem die Bewohner der Hafenstadt Castelmare durch Marcos Treue und Mut vor dem Verhungern gerettet wurden, tritt dieser zum politischen Mahner in Erscheinung:
„Peace! Where can you find it? Our country has been turned into a battlefield. There’s no safety for old people and children. Women can’t keep their families safe in their houses – they can’t be safe in their won fields. Chruches, schools and hospitals are targets. It’s not war. War is between soldiers. It’s murder. Murder of innocent people. There is no sense to it. The world can stop it. Where’s the conscience of the world?“ (01:23:00).

Der Zuschauer muss sich hier direkt angesprochen fühlen, da Marco nach einem langen Zoom-In direkt in die Kamera blickt. Sein Gesicht im Close-Up verbunden mit der universalen Botschaft des Films entlässt den Zuschauer aus seiner voyeuristischen Position und macht ihn zum Adressaten einer ausdrücklich politischen Botschaft. Hier wird deutlich, dass Lawson den amerikanischen Traum des Individualismus zu Gunsten einer Utopie von Kollektivismus beiseitegelegt hat (Smith, 20); der Spanische Bürgerkrieg ist der Konflikt, in dem diese Utopie des gesellschaftlichen Umbruchs verteidigt werden muss.
Betrachtet man den Mikrokosmos von Marcos und seinem Freund Luis, wird deutlich, dass diesem Umbruch einen Rückbezug auf die Einfachheit und Klarheit der Natur innewohnt. Traumatisiert durch den Krieg, der die Grenzen seines Horizonts erschüttert, sucht Luis Zuflucht bei seiner ursprünglichen Arbeit als Schäfer, sei es auch nur vor einem Gemälde von Schafen (29:10-29:50). Heimat, Natur und Tradition fungieren als Rückzugsort vor der Gewalt des Krieges, der ebendieses Paradies bedroht. Die Verteidigung dieser Werte ist nicht umsonst auch der Anlass für Marco auf Seiten der Republikaner in den Krieg einzutreten: „This is our fight; this earth, this valley – it belongs to us. It’s worth fighting for!“ (16:30).

Lawsons Intention ist geschichtlich wie politisch nachvollziehbar und vertretbar, jedoch rutscht die Präsentation dieser Ideale immer wieder ins Schablonenartige ab. Den Protagonisten wird wenig emotionale Tiefe zugestanden, Ambivalenzen treten wenn überhaupt nur im Falle Normas auf. Doch auch in ihrem Fall handelt es sich nicht um freiwillige Entscheidungen, was deutlich macht, dass der Pfad, den Marco und Norma zu beschreiten haben, von Anfang an vorgezeichnet ist. Zwar scheint der Kommunismus-Vorwurf durch Normas Seitenhieb auf die Russische Revolution entkräftet zu werden (gemeint sind negativ konnotierte Kindheitserinnerungen an das revolutionäre Chaos, 33:00), doch auch diese kurze Sequenz kann nicht über das grundlegende Ideal einer internationalen Solidarität hinwegtäuschen. In Anbetracht des Kampfes der Internationalen Brigaden auf Seiten der Republikaner liegt eine Parallele zur Kommunistischen Internationale auf der Hand. Nicht zuletzt legte Lawson 1946 in der Zeitschrift Public Opinion Quarterly seine Überzeugung dar, wonach „movies are essentially a medium of communication, with a high degree of universality” (Lawson nach Kahn, 84)
Eine entscheidende Rolle in der Globalisierung des dargestellten Konflikts kommt dem englischen Journalisten Eddie zu. Er ist der einzige echte Ausländer und repräsentiert – auch durch sein Berufsbild – die Aufmerksamkeit der restlichen Welt. Zusammen mit der Zivilbevölkerung von Castelmare eingekesselt von frankotreuen Truppen, sinniert er über eine potentielle Ausdehnung des Konflikts auf eine globale Ebene:
„I cannot help wandering what military advantage is gained by the suffering of non-combatants. As I sit here, I see a nightmare vision of air raids weeping over great cities. London…New York…San Fransisco…In the future, the civilian population will…” (51:30)

In der Tat machte der Film einen besonderen Eindruck – allerdings nicht im Sinne Lawsons. Vor der New Yorker Premiere gab es starke Proteste aus dem kirchlich-konservativen Lager, in Boston versuchten Katholiken gar die Aufführung des Films zu verhindern (vgl. Smith). Der Filmhistoriker Greg M. Smith erklärt den Protest gegenüber BLOCKADE durch das Fehlen eines faschistischen Feindbildes seitens der amerikanischen Bevölkerung, das erst mit Eintritt der USA in den 2.Weltkrieg 1941, also drei Jahre nach der Filmpremiere, gezwungenermaßen Gestalt annahm (Smith 20).
Freilich war sich Lawson, seit 1933 Präsident der Screen Writers and Authors Guild und seit 1934 Mitglied der Kommunistischen Partei, über das allgemeine politische Klima in den USA bewusst. Insofern kann die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Kriegsmethoden von Republikanern und Frankisten (siehe Marcos Schlussmonolog) als Versuch angesehen werden, dem zu erwartenden Protest von vorneherein zu entkräften – schließlich herrschte gesellschaftsübergreifende Einigkeit darüber, dass ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung unmenschlich und verabscheuungswürdig ist.

BLOCKADE blieb der einzige Hollywood-Film der klar Stellung zugunsten der Republikaner bezog. Filmhistorisch wie weltpolitisch waren die Republikaner im Kampf gegen Franco auf sich alleingestellt. 1939 begannen 36 Jahre der faschistischen Diktatur in Spanien. Angesichts dessen ist Lawsons Rede vor dem HUAC 1947 mehr als nur verständlich. Er verweigerte die Aussage und postulierte sich selbst als „part of the great Voice of democracy“ (Vaughn, 315). Bedauerlicherweise konnte sich diese Stimme zu Lebzeiten Lawsons nie ganz durchsetzen.

Autor: Konstantin Rohé
Redigiert von: Christoph Halbauer

Weiterführende Literatur

Beard, Deanna M (2007): Review of “Messiah of the New Technique: John Howard Lawson, Communism, and American Theatre, 1923-1937”. In: Theatre Journal, Volume 59, Number 1, March 2007, S. 147-148.

Kahn, Gordon (1948): Hollywood on Trial. The Story of the Ten who were indicted. Boni and Gaer, New York.

Krutnik, Frank et al. (2007): “Un-American” Hollywood: politics, and film in the blacklist era. Rutgers University Press, New Brunswick.

Gerwitz, Arthur and Kolb, James J. (2003): Experimenter, Rebels and Disparate Voices. Praeger Publishers. Hofstra University.

Lawson, John Howard (1946): Hollywood. Illusion and Reality. In: Hollywood Quarterly, Vol. 1, No. 2 (Jan., 1946), S.231-233.

Smith, Greg M.(1996): Blocking Blockade – partisan protest, popular debateand encapsulated texts. In: Cinema Journal 36, No1, Fall 1996, S.18-38.

Vaughn, Robert (1972): Only Victims. Putnam’s, New York.

Turner Classic Movies. Film Review: Blockade, 1938. Via: http://www.tcm.com/tcmdb/title/69050/Blockade/notes.html (Zugriff 21.Mai 2013)

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