The Brave One

Gepostet am Aktualisiert am

1956/USA
Genre: Drama
Regie: Irving Rapper
Buch: Dalton Trumbo unter dem Pseudonym Robert Rich, Harry S. Franklin und Merrill G.White
Kamera: Jack Cardiff
Hauptdarsteller: Michel Ray, Rodolfo Hovos, Joi Lansing, Elsa Cárdenas, Carlos Navarro
Produktion: King Brothers Productions

Das Drama „The Brave One“ erzählt von der Liebe, Treue und Durchhaltevermögen. Ein frisch geborenes Kalb wächst ohne Mutter auf und wird von einem armen mexikanischen Bauernjungen, namens Leonardo, aufgezogen. Die Besitzerverhältnisse sind unklar und Leonardo befürchtet, dass der heranwachsende Stier schon bald zum Kampf in die Arena geholt wird. Mit der Hilfe seines Lehrers kontaktiert der Junge den Bürgermeister und beantragt rechtmäßiger Besitzer des Stieres zu werden. Gitano ist Leonardos ganzer Stolz und es entwickelt sich rasch eine innige Freundschaft – bis der gefürchtete Tag kommt und der Stier gegen den Willen seines jungen Fürsprechers in die Arena muss, um beim traditionellen Unterhaltungsbrauchs des Stierkampfes gegen einen Matador anzutreten. Inzwischen trudelt tatsächlich doch noch ein Brief ein, der Leonardo zum offiziellen Besitzer des jungen Stieres erklärt, doch es ist zu spät, der Bulle muss in der Arena bereits seine erste Prüfung bestehen. Leonardo verliert unglücklicherweise den Brief und damit seinen geliebten Gitano, der nach einem erfolgreichen Kampf in die Arena von Mexiko City gebracht werden soll. Der Junge kämpft unnachgiebig weiter für die Freiheit seines Freundes und versucht nochmals sein Glück über den Kontakt zum Präsidenten, doch Gitano steht bereits in der Arena. Letztlich ist es kein aufständischer Junge und keine beglaubigte Urkunde, die dem Stier das Leben retten kann, sondern nur mehr die Gnade des Publikums, welches in seltenen Fällen „besondere“ Tiere mit einer so genannten indulto am Leben lässt. Nachdem Drehbuchautoren mit vermeintlicher Nähe zu kommunistischem Gedankengut oder zur kommunistischen Partei auf die schwarze Liste gesetzt wurden, hörten sie, wie auch Dalton Trumbo, nicht zwangsläufig damit auf Drehbücher zu schreiben. Mit Hilfe von Strohmännern und Pseudonymen wurden weiter Geschichten erzählt und teilweise auch sehr erfolgreich verkauft. Ende der 50er Jahre kam es dementsprechend mehrmals in Reihenfolge dazu, dass Nominierte des Academy Awards eigentlich schwarz-gelistete Autoren waren. Nachdem dann Wilsons „Friendly Persuasion“ nominiert wurde, passte man schnell die Statuen an, um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden – es wurde festgelegt, dass Personen die auf der schwarzen Liste standen, nicht mit derartigen Preisen ausgezeichnet werden durften. Mit dem Ende des Korea-Krieges beruhigte sich der Antikommunismus und die Writers Guild nützte die Gelegenheit und thematisierte die Problematik und Diskrepanz rund um die Schwarze Liste neuerdings und im gleichen Jahr konnte „The Brave One“ den Oscar für das beste Drehbuch gewinnen. Rasch entdeckte die Writers Guild, dass es keinen Drehbuchautor namens Robert Rich gab und mindestens genauso schnell reihten sich die Plagiatskläger, die die Idee zum Film für sich beanspruchen wollten, so verging einige Zeit bis sich Dalton Trumbo zu Wort melden konnte und erkannt wurde, dass er der Mann hinter dem Pseudonym war -1975, ein Jahr vor seinem Tod wurde ihm der Oscar dann tatsächlich überreicht. Insgesamt fällt es schwer zu behaupten, bei Trumbo einen immer wiederkehrenden Stil oder eine eindeutige Handschrift zu erkennen, die sich filmübergreifend feststellen lässt, da die Zeit seines Schaffens nicht nur temporär gesetzlichen Einschränkungen unterworfen war, sondern auch von einem stetigen Wandel von Produktionsmodi begleitet war. Dem zum Trotz lässt sich eine standardisierte Form des einzelkämpferischen Helden, der sich gegen eine Übermacht auflehnt in Trumbos Filmen erkennen, sowohl in der Zeit vor der Existenz der schwarzen Liste, als auch während seiner Listung und nach der Abschaffung der schwarzen Liste.

Beispiele:

  • „Kitty Foyle“(1940) – Kitty gegen die Konventionen der gehobenen Gesellschaft,
  • „The Remarkable Andrew“(1942) – Andrew Long und der Kampf gegen Korruption,
  • „The Brave One“(1956) – der Kampf Leonardos gegen Tradition und Bürokratie,
  • „Spartacus“(1960) – Spartacus Kampf gegen die Sklaverei.

Allerdings ist festzustellen, dass Trumbos Arbeiten nach der Auflösung der schwarzen Liste von deutlich pessimistischer Stimmung gezeichnet sind, seine Einzelkämpfer finden noch seltener zu einem Happy End und die Inhalte wurden politischer, wie auch kritischer. Dalton Trumbo hat insofern etwas mit seinen einzelgängerischen Helden, die gegen ein ungerechtes System aufbegehren gemeinsam, denn obwohl ihn das House of un-american acitvities committee unter Auflistung von 39 Punkten, die seine Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei und diesbezüglicher politischer Aktivitäten erklären sollten, beschuldigte, gab er nicht klein bei und beging als erster der Hollywood-Ten eine elfmonatige Gefängnisstrafe. Trotzdem wäre es falsch zu behaupten, dass Dalton Trumbo starrköpfiger Idealist war, denn in Hollywood war er vor allem für seine zuverlässigen, präzisen und zeitgemäßen Arbeiten bekannt, die für Produktionshäuser wie Columbia Pictures, RKO und MGM große Kassenerfolge bedeuteten.

Literatur:
Blacklisted. Movies by the Hollywood Blacklist Victims. (Eine Retrospektive der Viennale in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Filmmuseum 1. bis 31. Oktober 2000.) (Katalog) Wien 2000

Vossen, Ursula: Melodram. Reclams Sachlexikon des Films. Hrsg. Thomas Koebner. Stuttgart: Reclam, 2007

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem. Berlin: Lit, 2008

Autorin: Tina Hörgl – 0907149
Redaktion: David Moser – 1047346

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s