The Men (1950)

Gepostet am Aktualisiert am

USA, 85 Minuten, schwarzweiß

Deutscher Titel: Die Männer

Regie: Fred Zinnemann

Drehbuch: Carl Foreman

Produktion: Stanley Kramer und George Glass

Kamera: Robert De Grasse

Musik: Dimitri Tiomkin

Besetzung: Marlon Brando (Ken), Teresa Wright (Ellen), Everett Sloane (Dr.Brock), Jack Webb (Norm), Richard Erdman (Leo) u.a.

Unter der Regie von Austro-Amerikaner Fred Zinnemann entstand mit „The Men“ ein Sinnbild für Hoffnung und Neuanfang, welches nicht nur eine Zusammenarbeit bereits erfolgreicher, namhafter Künstler (wie beispielsweise Foreman, De Grasse, Tiomkin und Zinnemann selbst) war, sondern auch den Grundstein für die Karriere des jungen Marlon Brando legte. In der Rolle des Ken Wilcheck porträtierte jener auf überzeugende Weise einen querschnittsgelähmten Mann an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt, mitsamt all den damit einhergehenden Hürden und Herausforderungen.

Auf den japanischen Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 folgte unausweichlich der Kriegseintritt der USA. Zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt zwischen 1941 und 1945 ereignet sich folglich auch das Kernereignis von „The Men“, welches uns Zuschauern zu Filmbeginn in Form eines kurzen Flashbacks nähergebracht wird: GI Ken (M.Brando), von seinen Freunden nur Bud genannt, wird während eines Einsatzes von einer gegnerischen Kugel im Rücken(-mark) getroffen und ist damit jeglicher Gefühle von der Hüfte abwärts beraubt. Auch wenn es sich bei diesem Vorfall für Bud um Glück im Unglück handelt (offenbar traf er auf einen wenig zielsicheren Schützen), ist dieser desillusioniert, des Lebens überdrüssig und äußerst missmutig gestimmt. Auch können ihn seine Bettnachbarn im Krankenhaus anfangs nur wenig erheitern, weshalb es zwischenzeitlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit ihnen kommt.

Erst die Hartnäckigkeit seiner Verlobten Ellen (Teresa Wright), welche weder aus Pflichtgefühl noch aus Mitleid, sondern aus tiefer Liebe eine Heirat ersehnt, bringt ihn dazu, verantwortungsbewusst und zielstrebig an seiner Besserung zu arbeiten und die ärztlich vorgeschriebenen Leibesübungen auszuführen. Die Einsicht, dass eine gemeinsame Zukunft trotz unerwarteter Schwierigkeiten und Rückschläge (vgl. Angels unerwarteter Tod, Streit nach der Hochzeit) möglich ist, bleibt die aufbauende Botschaft des Films, der letztlich nichts anderes als die traurigen Folgen des Kriegs im Alltag von Durchschnittsamerikanern porträtiert.

Dank De Grasses klarer Kameraführung, welche nicht mit Großaufnahmen von Gesichtern, sowie bedeutungsgeladenem Licht-Schatten-Spiel spart, und den Method-Acting-treuen, charismatischen Schauspielern, entstehen rasch Gefühle von Verständnis und klarer Nachvollziehbarkeit der Problematik auf Seiten des Publikums. Der Anblick des kraftstrotzenden Körpers Brandos, sowie der vieler anderer Patienten, riskiert an einigen Stellen zwar den Eindruck einer leichten Unglaubwürdigkeit, welche jedoch zugunsten einer allgemeinen Pazifismussympathie weicht.

Indem der Film seinen Fokus auf die ganz persönlichen Schattenseiten des Krieges auf Seiten der Bürger legt, hinterfragt er gleichzeitig Sinn und Legitimation des kriegsfreudigen Staatsapparates.

Es scheint unschwer erkennbar, inwieweit sich die Macher im vorliegenden Werk gegen den Krieg und für das Leben selbst aussprechen. Wie im Gespräch zwischen Ellen und ihrem Vater zum Ausdruck kommt, liegt in diesem Punkt eine große Diskrepanz in der amerikanischen Gesellschaft vor: auf der einen Seite befürworteten es zwar viele Bürger (junge) Männer zur „Verteidigung des Vaterlandes“ an die Front zu schicken, sehen es aber anschließend nicht ein, diese nach ihrer Rückkehr, sofern schwer verletzt und unter Umständen lebenslang ans Krankenbett/den Rollstuhl gefesselt, als ebenbürtige Mitmenschen zu akzeptieren. Am wenigsten dann, wenn die Aussicht auf eine kinderlose Ehe mit einer gesunden Frau, wie Ellen, besteht.

Ein Großteil des Films spielt sich in den Wänden des Birmingham Paraplegig Hospital in Van Nuys, Los Angeles ab, in dem ausschließlich von der Hüfte abwärts gelähmte Kriegsversehrte zu liegen scheinen. Für eine realitätsgetreue Darstellung dieser Sequenzen verbrachten Fred Zinnemann und Carl Foreman gemeinsam einen Monat in dem real existierenden Krankenhaus, wo sich auch Brando eine Zeitlang unter den gleichen Bedingungen wie ein Querschnittsgelähmter auf seine Rolle vorbereitete. Viele der Krankenhausstatisten sind übrigens zum Drehzeitpunkt reale Patienten gewesen, die dem Film einen größeren Wahrheitsgehalt verleihen.

Forman, der zu Beginn der Arbeit an „The Men“ bereits eine Oscar-Nominierung für „Champion“ (Regie: Mark Robson, 1949) erhalten hatte und sich später noch größerer Berühmtheit dank „High Noon“ (1952) und „The Bridge on the River Kwai“ (1957) erfreuen sollte, wurde im Jahre 1951 vor das House Committee on Un-American Activities (HUAC) geladen. Dieses versuchte nach dem 2.Weltkrieg exzessiv kommunistische Strömungen in Hollywood auszumerzen und fand in Forman tatsächlich ein ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei. Allerdings lag diese Mitgliedschaft zum Befragungszeitpunkt bereits zehn Jahre zurück und ferner verweigerte dieser jegliche Namensnennungen kommunistischer Filmkollegen. Da dies in der Folge einem Berufsverbot in den USA gleichkam, immigrierte Forman nach England, wo er später zum Commander of Order of the British Empire (CBE) ernannt wurde und weiterhin, wie viele seiner Kollegen, Drehbücher unter einem Pseudonym veröffentlichte, bis er kurz vor seinem Tod wieder in die USA zurückkehrte.

„The Men“, der dank der eindrucksvollen, schauspielerischen Leistung Marlon Brandos weit über den gängigen Rahmen eines Lehrfilms über Kriegsverletzte und deren emotionale und physiologische Probleme hinausgeht, wurde trotz seiner problematischen Thematik von der Kritik durchaus positiv aufgefasst und in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ für den Oscar nominiert. Dies war im Vorhinein insofern nicht sehr absehbar, als weder Brandos schauspielerische Fähigkeiten bekannt, noch der Zeitpunkt der Veröffentlichung besonders günstig waren. Schließlich lag sowohl der 2.Weltkrieg erst wenige Jahre zurück, als auch der einen Monat vor Veröffentlichung begonnene Koreakrieg. Das Publikum war folglich nicht zwangsläufig auf tragische Kriegsschicksale aus. Doch, wie es die Gunst der Stunde wollte, wurde der Film dank der ausgesprochen realitätsgetreuen Darstellung seiner Darsteller und der sensiblen, vielschichtigen Betrachtung der damals wie heute bewegenden Thematik zu einem unberechtigterweise fast vergessenen, eindrucksvollen, Stück Filmgeschichte.

Literatur:

Ceplair, L., Englund, S. (2003).The Inquisition in Hollywood. Politics in the Film Community 1930 – 1960.Urbana: University of Illinois Press.

Keil, H. (Hg.) (1979).Sind oder waren Sie Mitglied? Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947 bis 1956. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Krutnik, F. (Hg.) (2007).Un-American“ Hollywood. Politics and Film in the Blacklist Era. New Brunswick: Rutgers University Press.

Online-Quellen:

http://www.guardian.co.uk/film/2005/aug/09/features.features11, letzter Zugriff: 28.1.2013

http://educationforum.ipbhost.com/index.php?showtopic=8206, letzter Zugriff: 28.1.2013

http://www.history.com/topics/hollywood-ten , letzter Zugriff: 28.1.2013

http://www.imdb.com/title/tt0042727/?ref_=fn_al_tt_1 , letzter Zugriff:  28.1.2013.

http://www.wsws.org/en/articles/2003/09/kaz-s30.html , letzter Zugriff: 28.1.2013

Verfasserin: Anastasia Muntaniol

Korrektur: Joana Gutscher

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s