Woman Of The Year (1942)

Gepostet am Aktualisiert am

USA, Metro-Goldwin- Mayer (MGM) 1942, 110 min

Produzent:        Joseph L. Mankiewicz,

Regie:              George Stevens

Buch:               Michael Kanin, Ring Lardner jr.

Musik:              Franz Wachsmann

Kamera:           Joseph Ruttenberg

Schnitt:             Frank Sullivan

Darsteller:        Katharine Hepburn, Spencer Tracy, Reginald Owen, Fay Bainter

Die erfolgreiche Politikreporterin Tess Harding und Sportreporter Sam Craig sind Kollegen und stehen beruflich auf Kriegsfuß, spüren aber eine Anziehung zueinander und verlieben sich. Beide könnten aber unterschiedlicher nicht sein: Sie, die erfolgreiche dauerbeschäftigte Tess, die emanzipierte, die mit beiden Beinen im Leben steht und aktiv gegen den Faschismus des Zweiten Weltkriegs kämpft und er, der gemütliche Sam, der eine Familie gründen und ein Leben nach traditioneller Rollenverteilung leben will. Schließlich heiraten die beiden und Sam zieht zu Tess in die Wohnung wo er schon bald feststellen muss, dass ihre Zweisamkeit rar gesät ist, da ein politischer Flüchtling und Freund von Tess genau in der Hochzeitsnacht um Asyl bei ihr bittet.

So wie sich Sam ein erfülltes Eheleben vorstellt wird er nach und nach enttäuscht als er immer mehr bemerkt, dass Tess keine Zeit für die Ehe geschweige denn für häusliche Arbeiten hat. Als sie ohne seine Zustimmung einen griechischen Flüchtlingsjungen adoptiert und sie schließlich zur „Woman Of The Year“ gekürt wird platzt Sam der Kragen und er verlässt Tess.

Erst durch einige Versuche Sam zurückzugewinnen lässt dieser sich unter der Bedingung, dass sie ihren Beruf aufgibt erweichen und die Ehe der beiden ist gerettet.

Der Film ist auf den ersten Blick ein Film über ein Ehepaar, das seine Probleme lösen muss um zu einander zu finden und wie das Happy End zeigt, ein traditionell geprägter Film der die emanzipierte Frau als Störfaktor einer glücklichen Ehe darstellt. So muss sie erst ihren Job aufgeben, ihren Lebensinhalt also um die traditionelle Rolle der putzenden und kochenden Ehefrau erfüllen zu können.

Auf den zweiten Blick ist der Film aber auch ein politischer, der sich mit der Brisanz des Zweiten Weltkrieges und des Hitler Regimes aus der Sicht der USA beschäftigt und Tess als engagierte und aufopfernde Frau im Kampf gegen den Faschismus zeigt.

Dieser zweite Blick kann durchaus als politische Aussage gelten, was es nicht so abwegig erscheinen lässt, dass das HUAC (House Un-American Activities Committee) ein Auge auf diesen Film bzw. den Drehbuchautor hatte.

Der Film stellt hier mehrere Realitäten gegenüber- im Kleinen das Ehepaar, das mit Schwierigkeiten des Zusammenlebens kämpfen muss – und im Großen der Kampf des Zweiten Weltkrieges und der engagierte Kampf gegen den Faschismus -symbolisiert von Tess’ diplomatischem Einsatz.

Eine weitere Realität ergibt sich aus heutiger Sicht in Tess’ Kampf für eine emanzipierte Frauenwelt und für arbeitende und im Beruf erfolgreiche Frauen. Diesen Kampf gibt sie aber am Ende des Filmes auf, sie gibt ihren Beruf auf um ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen.

Filmisch ist der Film trotz der ernsten Thematik in einem lockeren Stil gehalten, so sind einige Szenen von schon fast slapstickartigem Charakter. Der unbeholfene Sam kann zwar einen Haushalt führen, lässt aber ständig Sachen zu Boden fallen und ergattert durch seine Tollpatschigkeit die Sympathie des Zuschauers. Tess dagegen scheint ihre Motorik unter Kontrolle zu haben, hat auch diplomatisch alles im Griff doch kann nicht einmal einen Toaster bedienen. Beide Charaktere sind in ihrer Rolle menschlich und somit greifbar für den Zuschauer.

Ring Lardner jr., der Co-Drehbuchautor des Films hat mit diesem Film einen Oscar gewonnen, der ihm zu einer erfolgreichen Karriere als Drehbuchautor verhalf. 1947 aber wurde er von dem House Un-American Activities Committee (HUAC) befragt, ob er einer kommunistischen Partei angehöre. Er verweigerte eine Zusammenarbeit und wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und gehörte so zu den Hollywood 10, also den zehn Hollywood Filmemachern die eine Zusammenarbeit mit der HUAC verweigerten indem sich auf den fünften Zusatz der US-Verfassung beriefen, dass sich niemand selbst beschuldigen muss.

Bis in die 60er Jahre war Lardner jr. Opfer der Schwarzen Liste. Erst 1965 schrieb er erstmals wieder ein Drehbuch unter seinem eigenen Namen.

Lardner war ein aktives Mitglied der kommunistischen Partei, was in den 30er und 40er Jahren aber kein Hindernis für die Filmstudios war ihn zu engagieren. So entstand „Woman Of The Year“ also aus der Feder eines linkspolitischen Drehbuchautors der im Privatleben gegen Faschismus kämpfte. Dieser Einfluss lässt sich im Film nicht leugnen, so hört man im Hintergrund immer wieder Radioberichte über das Nationalistische Deutschland und sieht die offensichtlichen Opfer des Faschismus: den kleinen griechischen Jungen, der als Flüchtling in einem Waisenhaus lebt und die unschuldige Bevölkerung symbolisiert und einen politisch aktiven Doktor Lubbeck, der für den Widerstand der Bevölkerung steht.

Der Film ist verfügbar in der Fachbibliothek der Universität Wien des Instituts der Theater-, Film- und Medienwissenschaften und auch in öffentlichen Büchereien der Stadt Wien, was von der Popularität des Films spricht. Dies ist nicht verwunderlich, da Katherine Hepburn und Spencer Tracy hier ihr erstes Filmpaar abgeben und das Paar sich in weiteren bekannten Filmen in die Herzen der Zuschauer gespielt hat. Zusätzlich hat der Film großen Erfolg gefeiert- so erhielt Katherine Hepburn eine ihrer Zahlreichen Oscarnominierungen und die Drehbuchautoren gewannen die Trophäe sogar.

Literatur:

Götz, Aline: „Native Land“ und „Salt of the Earth“. Zwei Beispiele kommunistisch inspiriertem systemkritischen Filmschaffens in der Goldenen Ära Hollywoods; Wien: Diplomarbeit 2009, S. 80

Tieber, Claus; Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem; Wien: LIT Verlag 2008; S. 212

http://www.emmytvlegends.org/interviews/people/ring-lardner-jr

http://www.imdb.com/name/nm0488057/bio

http://www.mopo.de/news/donnerstag-02-11-2000–17-50-oscar—gewinner-ring-lardner-gestorben,5066732,6053830.html

Das neue Filmlexikon 2012, United Soft Media Verlag, Eintrag: „Die Frau von der man Spricht“

Autorin: Andrea Scharf, 0848402

Redakteurin: Isabella Vedernjak, 0804752

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