This Gun For Hire (1942)

Gepostet am Aktualisiert am

USA Paramount Pictures 1942 s/w 81min
Regie: Frank Tuttle
Drehbuch: Albert Maltz, W.R. Burnett (basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Graham Greene)
Produktion: Richard Blumenthal
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, Robert Preston, Laird Cregar und Tully Marshall

THIS GUN FOR HIRE entstand während des 2ten Weltkrieges in den USA und erzählt eine Geschichte rund um Mord, Liebe und Landesverrat. Der wunderbar verstrickte Plot wird dabei von den beiden Protagonisten Philip Raven (Alan Ladd) und Ellen Graham (Veronica Lake) zusammengehalten und vorangetrieben. Beide treffen mit dem Nachtclubbesitzer Willard Gates (Laird Cregar) zusammen, der für den alten, gebrechlichen Großunternehmer Alvin Brewster (Tully Marshall) arbeitet. Raven, weil er von Gates für einen Mord beauftragt und hinters Licht geführt wird, und Graham, weil sie in seinem Nachtclub als Zauberkünstlerin auftreten soll. Gates weiß dabei nicht, dass Graham vom FBI als Spionin eingesetzt wird, da diese vermuten, er und Brewster könnten in illegale Waffengeschäfte mit Japan verwickelt sein.
Der Film startet knapp 5 Jahre bevor die ersten Drehbuchautoren (darunter auch Albert Maltz) der Schwarzen Liste zum Opfer fallen in Amerika und war ein Erfolg an den Kinokassen. Nun scheint es zunächst schwer, THIS GUN FOR HIRE als Film mit politischer Aussage zu sehen. Zumindest „kommunistische Züge“ lassen sich auf den ersten Blick nicht wirklich erkennen. Immerhin ist eine der Grundaussagen des Films von purem Patriotismus getrieben. Jene vom bedingungslosen zur Rechenschaft ziehen von Verrätern – von Unterstützern des Kriegsfeindes. Um Gates und Brewster zur Strecke zu bringen, geht unser tragischer Held nicht nur über die Leichen genretypischer Bösewichte. Dabei ist Raven eines der großen Aushängeschilder des Films. Gemeinsam mit Veronica Lake zierte Alan Ladd damals die Filmplakate. „This Man Kills for the Love of Killing“, schreibt seinerzeit der Trailer. Paramount bewirbt THIS GUN FOR HIRE somit mit einem Helden, wie er kontroverser nicht sein könnte und einer Femme Fatale, die für die 1940er Jahre erstaunlich modern und emanzipiert dargestellt wird. Eine Entscheidung, die sich letztlich rechnete, aber ohne Zweifel sehr gewagt war. Schließlich hätte man in Zeiten des Krieges auch auf das Thema Rund um Landesverrat zurückgreifen können, um den Film zu bewerben.

THIS GUN FOR HIRE beginnt im Apartment von Philip Raven. Dabei zeigen gleich die ersten paar Einstellungen seinen zwiespältigen Charakter. Er kümmert sich liebevoll um ein kleines Kätzchen, gibt ihm Milch und streichelt es. So sanft er hier eingeführt wird, so unsanft behandelt er die Dame, die wenig später sein Zimmer betritt und dabei die Schale Milch des Kätzchens verschüttet. Die Dame scheint diese Art Behandlung bereits gewohnt. So verlässt sie zwar erzürnt und mit zerrissenem Kleid, doch wenig verwundert das Zimmer. Wir werden also mit einem Charakter konfrontiert, der gleich von Anfang an schwer einzuordnen ist. Auch als er eine Zeugin, die unverhofft in der Wohnung seiner Zielperson aufwartet, gemeinsam mit dieser ermordet, zeigt der Film Raven nicht so, wie er im Trailer beschrieben wird. Töten geschieht hier nicht zum Selbstzweck. Er bedauert es, die Frau umbringen zu müssen, aber er tut es, um keine Zeugen zurückzulassen. Als Zuschauer findet man sich nach den ersten 15 Minuten in einem moralischen Dilemma. Will man sich auf einen solch fragwürdigen Helden einlassen? Zumindest kann man wohl kaum bestreiten, dass Raven eine gewisse Faszination umgibt, der man sich schwer entziehen kann.
Kurz darauf wird Ellen Graham vorgestellt. Als Künstlerin in einem Nachtclub unterhält und verzaubert sie das überwiegend männliche Publikum. Dabei wirkt sie frech und äußerst schlagfertig. Überhaupt scheint es zunächst so, also ob Veronica Lake die klassische Femme Fatale verkörpert. Bei genauerer Betrachtung beginnt dieser anfängliche Eindruck allerdings zu bröckeln. So modern und emanzipiert Graham zu sein scheint, dient ihre Figur doch überwiegend dem Vorantreiben und Zusammenhalten der Geschichte. Zudem gelten die Einstellungen, in denen sie mit Raven den Bildschirm teilt, kaum ihrer Figur. Viel mehr werden einzelne Aspekte Ravens beleuchtet und behandelt. So erzählt ihr Raven von seiner bewegten Vergangenheit. Zudem verfällt Graham im Verlauf der Geschichte zunehmend in eine Art Opferrolle. Als sie schließlich Gates in die Hände fällt und dessen Handlanger sie knebelt und töten möchte, ist sie endgültig auf die Hilfe von Raven angewiesen. Auch als sie ihn überredet, Gates und Brewster, nicht zu töten, sondern sie dazu zu bewegen, die illegalen Waffengeschäfte mit Japan zu gestehen, handelt sich nicht ihrer selbst Willen, sondern im Auftrag des FBI. Selbstständigkeit wird ihr hier also weitestgehend aus der Hand genommen.

Albert Maltz ist für die Adaption der Kurzgeschichte von Graham Greene verantwortlich, und war einer der ersten, der in den Verhören im Jahre 1947 befragt und anschließend eingesperrt wurde. Ceplair und Englund schreiben in Zusammenhang mit diesen Verhören:
“The real charge was that for ten and twenty years the film people had worked effectively for causes regarded as anathema by the new conservative or reactionary majority in Congress, as well as by most of the press and several powerful national interest groups.“2
Dass Hollywood in der Lage ist Meinungen zu prägen und Massen zu beeinflussen, ist längst kein Geheimnis mehr. Betrachten wir das bisher Geschriebene, lassen sich durchaus Gedanken und Einstellungen erkennen, die mit dazu geführt haben, dass Maltz mit auf die schwarze Liste kam. So zeigt THIS GUN FOR HIRE einen Auftragskiller, der die Sympathien der Zuschauer auf sich zieht, obwohl er äußerst gewaltsam vorgeht und im Verlauf der Geschichte auch eine Frau und einen Polizisten erschießt. Dieses Bild des Antihelden fügt sich ganz und gar nicht in das Idealbild eines „sauberen“ Amerikas ein. So findet auch Raven im Zuge des Films keinen Halt und Anklang in der Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die ihn zu einem gefühlslosen Mörder gemacht hat. Das System wird hier also sehr wohl angeprangert, auch wenn dies nicht gleich zu sehen ist. Auch die Tatsache, dass Graham kaum tiefgehend beleuchtet wird und zwischen Raven, Cregar und ihrem Mann hin und her geschoben wird um die Geschichte voranzutreiben, kann man durchaus als Kritik an der Gesellschaft auffassen. Schließlich findet sich in Brewster noch eine Figur, die stellvertretend für ein alterndes, bröckelndes und korruptes System steht. Ein System, dass von einem der ausgestoßen wurde zu Fall gebracht wird.

Literatur:
1) http://www.imdb.com/title/tt0035432/?ref_=fn_al_tt_1
2) Ceplair, Larry und Englund, Steven: The Inquisition in Hollywood. Politics in the Film Community 1930 – 1960. Urbana: University of Illinois Press 2003

Autor: Sebastian Butter, 1046842
Redaktion: Annina Weiss, 0946958

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