The Sandpiper (1965)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1965, 110 Minuten

Deutscher Titel …die alles begehren

R: Vincente Minnelli

B: Dalton Trumbo, Michael Wilson

Kamera: Milton R. Krasner

M: Johny Mandel

Produktion: Martin Ransohoff

Besetzung :

Elizabeth Taylor (Laura Reynolds), Richard Burton (Dr. Edward Hewitt), Charles Bronson (Cos Erickson), Eva Marie Saint (Claire Hewitt), Morgan Mason (Danny Reynolds), James Edwards (Larry Brant), Douglas Henderson (Phil Sutcliff), Torin Thatcher (Richter Thompson), Tom Drake (Walter Robinson), Robert Webber (Ward Hendricks), u.a.

Dalton Trumbo gehörte zur Gruppe der „Hollywood Ten“, die sich weigerten, vor dem HUAC (Komitee für unamerikanische Umtriebe) als unfreundlicher Zeuge mit Berufung auf den ersten Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika auszusagen, und somit zu Geld- und Haftstrafen wegen Missachtung des Kongresses verurteilt wurden. Trumbo verbrachte elf Monate im Gefängnis und wurde auf Hollywoods´ Schwarze Liste gesetzt. In der Zeit der Schwarzen Liste war er gezwungen, jahrelang unter Pseudonymen zu arbeiten. In der Zeit „nach der Schwarzen Liste“ war Trumbo wieder in Hollywood tätig, obwohl seine „post- blacklist“ Filme, zu denen sich auch The Sandpiper gezählt wird, eher als Projekte denn als Filme bezeichnet werden. The Sandpiper ist eine Liebesgeschichte zwischen einem verheirateten Direktor eines christlichen Internats und Laura Reynolds, einer Künstlerin und alleinerziehenden Mutter von neunjährigen Sohn Danny in Monterrey, die an der kalifornischen Pazifikküste wohnen. Laura ist zugleich ein Freigeist und sagt konservativen Herren unverblümt ihre Meinung. Hier ist besonders die Handschrift des Dalton Trumbo zu spüren.  Als der Sohn von Laura in Schwierigkeiten mit dem Gesetz gerät,  muss Laura laut den örtlichen Richter ihr „Homeschooling“ beenden und  Danny in eine private Internatsschule der Episkopalkirche schicken, wo sie den verheirateten Internatsleiter und Pfarrer Dr. Edward Hewitt,  kennen lernt und später eine Affäre mit diesem anfängt. Die beiden sind wie zwei Gegenpole, die sich anziehen. Laura hat ihre Ideale, aber Edward hat seine, wie es scheint, verloren. Nicht nur wegen seiner Untreue, sondern auch als Leiter der Schule, macht er falsche Entscheidungen, indem er Spendeneintreiber für seine Schule degradiert und unfähige Schüler reicher Gönner die Examina bestehen lässt. Er lässt sich also politisch ausnutzen. Obwohl er Laura liebt,  kann  Edward seine Schuldgefühle gegenüber seiner Ehefrau nicht lange ertragen und beichtet alles seiner Frau. Nachdem beendet auch Laura ihre Beziehung mit Edward. Laura hat folglich vor, mit ihrem Sohn wegzuziehen, doch ändert ihre Entscheidung aufgrund ihres Sohnes, der seine Schule nicht verlassen will. Edward stellt sich letztendlich auch gegen die eigennützige Politiker, die ihn ausnützten, und kündigt seinen Job. Am Ende des Schuljahres gibt Edward bei der Abschlussfeier bekannt, dass er als Direktor endet, und in der Zukunft reisen will, um sich selbst zu finden.

Als Trumbo wieder in die Gewerkschaft aufgenommen wurde, konnte er sich nach langer Zeit endlich wieder mit seinem eigenen Namen unterschreiben – erster Film, der Trumbos Namen im Vorspann zeigt, ist der Spartacus aus dem Jahr 1960. Anders als Michael Wilson, der erst bei dem gemeinsam mit Trumbo geschriebenen Drehbuch zum Film The Sandpiper aus dem Jahr 1965 wieder seinen Namen an der Leinwand finden konnte. Dieses Drehbuch zählt als erste „offizielle“ Zusammenarbeit von Trumbo und Wilson, abgesehen von den geheimen in der „blacklist“-Ära. Trumbo veröffentlichte nachher auch  das Pseudonym, unter dem diese beiden Autoren miteinander in der Zeit zusammengearbeitet haben: Richard Bosley, wobei Richard für Wilson und Bosley für Trumbo stand. Die Story von The Sandpiper geht auf Martin Ransohoff, den Produzenten des Films zurück, welcher der Autor der Originalstory ist. Ransohoff hat von der Zusammenarbeit von Trumbo und Wilson während der Schwarzen Liste gehört und wollte diese beiden Autoren für sein Drehbuch engagieren. Da Wilson doch zum Zeitpunkt noch in Paris wohnte, erfolgte die Zusammenarbeit der Autoren wieder auf ferne, wobei sie ihre jeweiligen Entwürfe hin und her schickten. In den 60 Jahren änderte sich doch einiges. Trumbos Schreibweise veränderte sich, oder besser gesagt entwickelte sich dank seinen weniger angenehmen Erfahrungen aus den letzten Jahren weiter, aber auch der Prozess des Drehbuchschreibens selbst ist anders abgelaufen. Es gab zwar Drehbuchsitzungen, doch vergleichsweise zu den Jahren vor der Schwarzen Liste gab es diese viel weniger. Produzenten engagierten sich in diesen Prozess weniger als zuvor, im Gegensatz zu den Regisseuren, die viel mehr Einfluss auf diese hatten als im klassischen Studiosystem. Wie schon erwähnt, gab es nach der Schwarzen Liste auch Änderung im Trumbos Schreiben: Nach seiner „Rückkehr“  hatten seine Drehbücher mit denen vor der Schwarzen Liste wenig gemeinsam. Sie waren deutlich pessimistischer und deutlich mehr politisch orientiert. In den 1960 Jahren hatten Filme Anschluss an die Gegenkultur der Jugend dieser Zeit. Trumbo fängt also an, nicht mehr über die Kraft von Kollektiven sondern über die Tragik der Einzelgänger, die sich gegen das System stellen, zu schreiben. Diese Merkmale sind auch in The Sandpiper erkennbar. Die Absichten des Filmemachers sind deutlich in der ersten Dialogszene, also dem Gespräch zwischen Laura und dem Richter Thomson erkennbar. Dieses Gespräch kann als Andeutung an die Missachtung von Trumbo und Wilson in der blacklist Ära verstanden werden, da die bürgerliche Ungehorsamkeit im Dialog besprochen wird. Nach dieser Szene wird dem Zuschauer klar, dass im Film die Thematik der Moral behandelt wird. Im Film kann man also politische Inhalte finden, doch Dialoge in denen dies zum Vorschein kommen könnte, sind nicht anspruchsvoll angelegt, was die Glaubwürdigkeit zu Folge hat. Von der Seite der Akteure ist zu spüren, dass die Dialoge eingeübt und unnatürlich sind. Trumbo und Wilson ist es nicht gelungen, Aufregung in den Dialogen zu erzeugen. Die Eigenschaften der Charaktere sind sehr oberflächlich geschildert und überraschen den Zuschauer nicht. Im  Laufe des Films gibt es eine Menge Metapher zwischen dem Vogel, den Laura rettet, (einem Sandpiper / Strandläufer = der gleich auch den Originaltitel erklärt) und den Figuren. Aufgrund dieser Metaphern, die im Subtext des Films zu finden sind, kann man behaupten, dass The Sandpiper mehr literarisch als filmisch ist.

Im Laufe des Films wird der Fokus auf den emotionalen Konflikt von Edward gelegt. Laura zähmt Edward in gleicher Weise wie den verwundeten Strandläufer. Dies wird auch durch offensichtliche metaphernreiche Dialoge klar erkennbar. Zum Beispiel als Edward meint, der Strandläufer werde Laura verlassen, wenn er wieder fliegen könne, sagt Laura: „So will you my love“. Alles was das Paar in Richtung des Vogels bespricht, kann also auch als Metapher auf Edward verstanden werden. Die Parallele zwischen Edward und dem Vogel  kann weiters im Moment­ festgestellt werden, als Danny den Vogel frei am Strand erblickt und seiner Mutter nach ihm fragt, die folgend antwortet:  „He was healed … He didn’t need us anymore“. Mit “er” wird zwar der Vogel gemeint, der Zuschauer sieht doch die Parallele zum Edward auch. Die Abschiedsrede, in der Edward seinen Rücktritt von der Schulleitung bekannt gibt, zählt  zu einen der wenigen Höhepunkten in dem Film. Da diese Abschlussrede thematisch passend zu Trumbos Erfahrungen während seiner Kariere ist:

EDWARD:

„I’ve had the privilege of warming myself before the hearth of a generation younger than my own, holding ideas newer than my own, different and—perhaps, to some of us—still strange. I’ve learned that total adjustment to society is as bad as maladjustment. That principled disobedience of unjust law is more Christian, more truly law- abiding, than unprincipled respect. That only freedom can tame the wild, rebellious, palpitating heart of man. Encagement: never. Life, unfettered moves toward life; love to love. That in the full blaze of God’s cleansing sunlight, men and women are purely innocent and therefore, most purely beautiful.“

Die im Film behandelnde bürgerliche Ungehorsamkeit (=disobedience) nimmt einen Bezug auf Trumbos Erfahrung, sowie auf den Studentenaufstand für Bürgerrecht in Amerika in 1960. Beide Autoren fanden also Inspiration in einer viel jüngeren Generation, als ihre eigene war. Der Film enthält viele antiautoritäre Dialoge und deutet auf die derzeitige Studentenbewegung hin. Der Film enthält also einen dokumentarischen Charakter für den Anfang der 1960er Jahre, da er den beginnenden gesellschaftlichen Generationenkonflikt, die Ehelosigkeit sowie die anklingenden existenzialistischen Überlegungen thematisiert.   Trotzt allem zählt The Sandpiper zu den weniger erfolgreichen Filmen in Trumbos Karriere, da er mit negativen Kritik verschüttet wurde. Diese wurde aber hauptsächlich den Hauptfiguren zugeschrieben, die noch vor dem eigentlichen Drehbuch feststanden. Besonders kritisiert wurde die Rolle von Taylor, die nicht glaubwürdig genug gewesen ist, um eine Figur, welche eine Ikone der Gegenkultur verkörpern sollte, zu spielen. Also kann man behaupten, dass die Wahl von Trumbo und Wilson perfekt ist, doch die Wahl der Hauptfiguren den Film zum Misserfolg verurteilt hat.

Literatur:

Buhle, Paul: Hide in plain sight, 2005, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2000.

Deane, Pamala S.: James Edwards: African American Hollywood Icon, North Carolina: McFarland, 2009.

Hanson Peter: Dalton Trumbo, Hollywood Rebel: A Critical Survey and Filmography, North Carolina: McFarland, 2007.

Rouverol, Jean: Refugees from Hollywood, Albuquerque: University of New Mexico Press, 2000.

Stanfield, Peter/ Krutnik, Frank/ Neve, Brian/ Neale, Steve (Hg.):‚Un-American‘ Hollywood: Politics and Film in the Blacklist Era, New Jersey: Rutgers University Press, 2007.

Stempel, Tom: Framework; A History of Screenwriting in the American Film, New York: Syracuse Univ Press, 32000, (Orig. 1988).

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood: das Drehbuch im Studiosystem, Wien: Lit Verlag, 2008.

Autorin: Karolina Eckhardtová

Redaktion: Dominika Chromčaková

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