The Public Enemy

Gepostet am

USA 1931, 83 Minuten
Studio: Warner Bros. Pictures
Produzent: Darryl F. Zanuck
Regie: William A. Wellman
Drehbuch: basiert auf Beer and Blood von Kubec Glasmon und John Bright

John Bright stand auf der Schwarzen Liste Hollywoods. Dies kam von 1947 bis 1951 einem Berufsverbot für linksgerichtete Filmschaffende und solche die man dafür hielt gleich. Beer and Blood war Brights Debüt als Drehbuchautor, für das er gemeinsam mit Glasmon für den Oscar der besten Originalgeschichte nominiert wurde. Die Hauptfigur Tom Powers verkörperte James Cagney, dem The Public Enemy zum Durchbruch verhalf. Toms Freund, Matt Doyle, spielte Edward Woods. Als Gegenpart zur Figur des Tom Powers fungierte dessen Bruder Mike, dargestellt von Donald Cook.
The Public Enemy gehört zu den Gangsterfilmen des classic circel, zu dem auch The little Caesar (1931) und Scarface (1932) zählen. All diese Filme entstanden vor der verbindlichen Einführung des sogenannten Production Codes, der die Produktionen zwischen 1934 und 1967 einer Reihe von Zensurvorschriften unterwarf.
The Public Enemy ist gegliedert in vier Segmente, die das Leben und den Aufstieg von Tom Powers, Sohn einer katholischen Einwandererfamilie, zeigen, beginnend mit dem Jahr 1909 und Toms Kindheit. Bereits als junge Burschen haben Tom und sein Freund Matt Doyle gute Kontakte zur Unterwelt und betreiben selbst kleinere Gaunereien. Ihre große Chance kommt, als die Prohibition eingeführt wird. Die Gunst der Stunde nutzend steigen sie in das Geschäft mit dem Alkohol ein. Damit gelingt ihnen der soziale Aufstieg, der durch maßgeschneiderte Anzüge, teure Autos, gediegene Restaurants und Frauen verbildlicht wird. Erst als ein Mitglied ihrer Gang durch einen Unfall stirbt, wendet sich das Blatt. Sein Tod ist Auslöser eines blutigen Krieges zwischen den Gangs, in dessen Folge Matt erschossen wird. Toms Rachefeldzug endet für ihn im Krankenhaus. Dort versöhnt er sich mit seinem Bruder Mike, der immer Anstoß an Toms kriminellen Geschäften nahm. Doch für ein Happy End ist es zu spät, Tom wird aus dem Krankenhaus entführt und seine Leiche vor der Tür seiner Mutter abgeladen.
Das Ende von The Public Enemy entspricht ganz der klassischen Hollywood-Gangsterfilm Intention. Die Botschaft ist klar: Verbrechen zahlen sich nicht aus. Dies wird nochmals verdeutlicht durch die eingeblendete Texttafel im Abspann des Films: „The end of Tom Powers is the end of every hoodlum. „The Pubilc Enemy“ is not a man, nor is it a character – it is a problem that sooner or later we, the public, must solve.“
The Public Enemy ist also nicht nur eine Warnung, sondern ebenso eine Aufforderung an die Gesellschaft und die Politik. So muss der Film nicht nur im Kontext der Great Depression – die seit dem 24. Oktober 1929 die 1930er Jahre überschattete und zu der bis dahin schwersten Rezession in der amerikanischen Geschichte führte – gesehen, sondern auch die Lebensbedingungen der Protagonisten beachtet werden. Tom Powers und Matt Doyle lebten im Chicago der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit veränderten sich die Großstädte Amerikas dramatisch. Seit 1898 explodierten die Bevölkerungszahlen durch hohe Geburtenüberschüsse und Zuwanderung, die sich vor allem in den Städten bemerkbar machten. Die Bevölkerung stieg von fast 76 Millionen Menschen im Jahr 1900 auf 105,7 Millionen im Jahr 1920. In den Städten verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu und der Anteil der Immigranten schnellte auf ein Drittel hoch. Die Städte konnten diesem Ansturm kaum gerecht werden, es entstanden sogenannte tenements, gigantische Wohnblöcke, in welchen die Menschen auf engstem Raum lebten, oft ohne Trinkwasser, Kanalisation, Müllabfuhr oder ordentliche Schulen. Das Wachstum der Wirtschaft und der generelle Aufwärtstrend kamen nicht allen Schichten zugute, sozialer Aufstieg war so gut wie unmöglich und somit verstärkten sich soziale Ungleichheiten. Diesem Umstand wird in The Public Enemy Rechnung getragen und kommt besonders explizit zum Ausdruck wenn Tom Powers meint, zur Schule zu gehen würde doch nur bedeuten arm zu bleiben. Dies bestätigt sich auch in jener Szene, in dem der nun erfolgreiche Tom seiner Mutter Geld geben möchte, jedoch von Mike abgehalten wird. Offensichtlich kann dieser, mit seinem rechtschaffenen Leben – dem Dienst bei den Marines` während des Ersten Weltkrieges, harter Arbeit und dem Besuch einer Abendschule – seiner Mutter nicht das Gleiche bieten.
Solch eine Texttafel wie oben erwähnt findet sich übrigens auch im Vorspann. Warner Brothers wollte sich damit offensichtlich auch absichern, da sich viele der damaligen Gangsterfilme den Vorwurf gefallen lassen mussten Kriminalität und Gewalt zu verherrlichen. Scarface etwa bediente sich ebenso solcher Texttafeln.
Ein Kernthema des Films ist die Einführung der Prohibition – Verbot der Herstellung, des Verkaufs und des Transports von Alkohol – im Jahr 1920 (bis 1933). Die Prohibition bedeutet in The Public Enemy den Durchbruch und sozialen Aufstieg für Tom und Matt und auch im wirklichen Leben profitierten von diesem Verbot vor allem Kriminelle, wie etwa der berüchtigte Chicagoer Mafioso Al Capone, der sich mit rivalisierenden Gangs einen blutigen Kampf um das Geschäft mit dem Alkohol lieferte. Glasmon und Bright kannten Al Capone sogar persönlich, da sich in Glasmons Apotheke die gefährlichsten Ganoven dieser Zeit trafen. Die Prohibition führte außerdem zu einer Spaltung der amerikanischen Gesellschaft in Drys (meist gebürtige protestantische Amerikaner) und Wets (vor allem Intellektuelle, Liberale und Einwanderergruppen in den großen Städten), die sich sogar in der Präsidentschaftswahl von
1928 zwischen dem irisch-katholischen Demokraten und Wet Al Smith und dem protestantischen Republikaner und Dry Herbert Hoover fortsetzte. Dieser Bruch innerhalb der Gemeinschaft zeigt sich in The Public Enemy auch in der Beziehung zwischen Tom und seinem Bruder Mike.
Frauenrollen sind in The Public Enemy äußerst traditionell angelegt. Entweder verkörpern sie Mütter oder Freundinnen. Letztere dienen vornehmlich als Statussymbol, an welchem auch Aggressionen ausgelassen werden können. Zwar kann man zu dieser Zeit noch nicht von einer Gleichberechtigung der Frauen sprechen, dennoch war es das Jahr 1920 – in ebendiesem spielt ein Hauptteil des Films – in dem das Frauenwahlrecht in Amerika auf nationaler Ebene verwirklicht wurde.
Die Intention der Drehbuchautoren war es, ein bestimmtes Milieu innerhalb der amerikanischen Gesellschaft zu beschreiben und nicht die Gangster, die diesem Milieu entspringen, zu glorifizieren. Doch was erfährt der Zuschauer wirklich über die Lebensumstände dieser Menschen? Zwar verdeutlicht der Film, dass sozialer Aufstieg durch ein rechtschaffenes Leben kaum möglich ist, doch liegt der Fokus vornehmlich auf der Darstellung der kriminellen Karriere von Tom und Matt und weniger darauf, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Dadurch verliert die sozialpolitische Aussage, die in The Public Enemy zweifellos gegeben ist, an Gewicht.
Quellenverzeichnis:
Dippel, Horst. Geschichte der USA. München: Verlag C. H. Beck oHG, 2003.
El Enemigo Público. Regie: William A. Wellman. Drehbuch: Kubec Glasmon und John Bright. USA: Warner Bros. Pictures, 1931. Fassung: DVD. Versus Enterainment, 2010, 83`.
Gangsterfilm. http://de.wikipedia.org/wiki/Gangsterfilm. Zugriff: 27.12.2012
Gassert, Philipp, Häberlein, Mark, Wala, Michaela. Kleine Geschichte der USA. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 2007.
Autorin: Manuela Rath (0404724)
Redakteurin: Sabine Trettensteiner (0651509)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s