The Front (1976)

Gepostet am Aktualisiert am

Studio: Columbia Pictures
Produzenten: Charles H. Joffe; Jack Rollins
Regie: Martin Ritt (blacklisted 1951)
Drehbuch: Walter Bernstein (blacklisted 1950)
Darsteller: Woody Allen; Zero Mostel (blacklisted 1950), Herschel Bernardi (blacklisted 1951), Lloyd Gough (blacklisted 1952), Joshua Shelley (blacklisted 1952); u.v.a.
Länge: 95 Minuten

An THE FRONT waren einige Menschen beteiligt, die während der Zeit der schwarzen Liste auf eben jener standen oder aufgrund der herrschenden anti-kommunistischen Paranoia arbeitsunfähig gemacht wurden. Drehbuchautor Walter Bernstein wurde aufgrund seiner links-politischen Einstellung und einer Erwähnung in der anti-kommunistischen Publikation „Red Channels“ 1950 auf die graue Liste gesetzt. Auf die schwarze Liste kamen nur Personen, die die Aussage vor dem Komitee des HUAC verweigerten. Bernstein wurde erst in den späten 50er-Jahren vor das Komitee geladen, vor dem Komitee aussagen musste er allerdings nie. Während jener Zeit nutzte er Pseudonyme und Fronts, um weiter arbeiten zu können. Ein Front, oder Strohmann, war eine Person, die sich für den Autor ausgab. Der Vorteil gegenüber eines Pseudonyms war die Möglichkeit, den Strohmann an den Story Conferences teilhaben zu lassen. Dementsprechend von Vorteil war es, wenn er sich bei der Front ebenfalls um einen Autor handelte. Der schwarzgelistete Drehbuchautor Dalton Trumbo, der das Drehbuch zu ROMAN HOLIDAY (1953) geschrieben hat, ließ seinen Strohmann die Überarbeitungen schreiben.
Seine Erfahrungen während dieser Zeit dienten Bernstein als Inspiration für THE FRONT.

THE FRONT (dt.: DER STROHMANN) erzählt die Geschichte des Kassierers Howard Prince, der zur Zeit der McCarthy-Ära für eine kleine Gruppe Drehbuchautoren als „Front“ agiert. Mit zunehmendem Erfolg gerät Howard jedoch immer mehr in den Fokus anti-kommunistischer Ermittlungen, so dass er sich am Ende zwischen seiner Freiheit und seinen Prinzipien entscheiden muss.
Als einer der ersten Filme Hollywoods thematisiert THE FRONT die Zeit der schwarzen Liste zwischen 1947 und 1956, die sogenannte McCarthy-Ära. Geprägt wurde dieser Zeitabschnitt vom Kalten Krieg und der daraus resultierenden anti-kommunistischen Einstellung Amerikas.
Der Film legt seinen Fokus auf den Werdegang eines „Fronts“ (Woody Allen) und die irrationalen Anschuldigungen seitens des Filmstudios, die ihn letztendlich dazu bringen, seine Freiheit für seine Ideologie aufzuopfern. Howards Sinneswandel – anfangs wird er noch von seinen zehn Prozent der Drehbuchgage und dem neu-erlangten Ruhm angetrieben – beginnt sich mit tieferem Einblick in die Filmbranche zu vollziehen. In einer konkreten Situation wird Howard Zeuge, wie einem kleinen Werbepartner zugesagt wird, eine Liste der Schauspieler zu erhalten, um mögliche kommunistische Aktivitäten zu recherchieren. Auf Howards ungläubige Reaktion („He’s got three stores, he tells a whole network who to hire?“) antwortet Produzent Sussman mit einem kurzen „Who wants trouble?“
Howards Neugesinnung stützt sich nicht ausschließlich auf seine Einsicht in die Branche, sondern ebenso auf menschliche Beziehungen. Wichtiger noch als seine Beziehung zur Skript-Editorin Florence ist jene zu dem Schauspieler und Komiker Hecky Brown. Stellt Howard noch den glorifizierten Märtyrer der McCarthy-Ära dar („America’s Most Unlikely Hero“, so die Tagline des Films), so repräsentiert Hecky Brown die tragischen Opfer.
Hecky Brown, seines Zeichens alternder Schauspieler, der seinen Zenit bereits überschritten hat, dient Drehbuchautor Bernstein als Beispiel, um die anti-kommunistische Paranoia der 50er Jahre zu verdeutlichen. In einer Szene am Anfang des Films wird Brown pro-kommunistisches Verhalten vorgeworfen (so soll er u.a. eine Petition für die kommunistische Gruppierung „Russian War Relief“ unterzeichnet haben), welches Brown damit begründet, dass er einer Kommunistin imponieren wollte. Brown soll Buße tun und wird aufgefordert, seine Version als Brief zu verfassen und darin Namen möglicher Kommunisten zu nennen. Der Brief wird als nicht gut genug befunden und Brown wird eine letzte Chance gewährt, indem er Howard bespitzeln soll. Brown lädt Howard ein, ihn zu einem Auftritt in den Catskill Mountains zu begleiten. Dort kommt es zum Eklat. Brown erhält nur eine Hälfte seiner Gage und wird aufgrund seines darauffolgenden Wutanfalls vom Besitzer des Establishments lebenslang gesperrt. Erniedrigt und ohne jegliche Zukunftsaussichten begeht Hecky Brown Selbstmord.
Noch stärker als in Howards Erzählstrang kritisiert Bernstein anhand Browns Schicksal die skrupellose Herangehensweise der Studios. Obwohl es keine expliziten Beweise für eine Zugehörigkeit Browns zu der kommunistischen Partei gibt, wird er, ein Publikumsliebling, als Sympathisant der feindlichen Ideologie abgestempelt und arbeitsunfähig gemacht. Die Anschuldigungen des Studios stützen sich auf unterzeichnete Petitionen und die Aussagen jener Personen, die mit Brown auf der Mayday-Parade der Arbeiterbewegung mitmarschiert sind.
(Hecky Browns Suizid basiert auf einem wahren Schicksal. Der Fernsehschauspieler Philip Loeb, ein Freund von Bernstein und Brown-Darsteller Zero Mostel, nahm sich 1955 unter ähnlichen Bedingungen das Leben.)
In der finalen Szene des Films muss sich Howard den Fragen des HUAC stellen. Seine Taktik, die Fragen sehr allgemein oder mit Gegenfragen zu beantworten, geht nicht auf. Genervt von Howards Verhalten droht man ihm aufgrund eines vergangenen Deliktes – er war Gelegenheits-Buchmacher – eine Gefängnisstrafe an, sofern er nicht kooperiert und Namen nennt. Produzent Sussman, der Howard begleitet hat, schlägt ihm vor, den Namen des nunmehr toten Hecky Brown zu nennen. Und genau dieser Moment ist es, in dem Howard die Skrupellosigkeit der Branche im vollen Ausmaß erkennt. Diese Selbstverständlichkeit, mit der Sussman Howard bittet, das Ansehen einer unschuldigen und wehrlosen Person zu beschmutzen, sowie sein Folgesatz („What difference does it make?“) auf Howards traurige, schockierte Reaktion lassen ihn Farbe bekennen. Das Komitee nicht anerkennend, wird Howard ins Gefängnis gesteckt. In der letzten Einstellung werden Demonstranten gezeigt, die ihn als Helden und als den „echten Amerikaner“ feiern.
Hinterlegt von diesem Bild werden in den Credits primär all jene an dieser Produktion beteiligten Künstler erwähnt, die sich als schwarzgelistet verstanden. In Klammer hinter den Namen ist jeweils die Zeitspanne angegeben, während der diese Listung für die Künstler Gültigkeit besaß.

Literatur:
Tieber, C. (2008). Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Sudiosystem. Wien: Lit-Verlag.

Zusätzliche Quelle:
http://www.imdb.com

Autor: Dominik Mayer (0909135)
Redakteur: Leopold Ernst (0003688)

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