Terror in a Texas Town (1958)

Gepostet am Aktualisiert am

Terror in a Texas Town

USA 1958, 80 Minuten

R: Joseph H. Lewis

B: Dalton Trumbo; Ben Perry

Kamera: Ray Rennahan

M: Gerald Fried

Produktion: Carrol Sax; Frank N. Seltzer

Mit Sterling Hayden (George Hansen), Nedrick Young (Johnny Crale), Carol Kelly (Molly), Eugene Mazzola (Pepe Mirada), Victor Millan (Jose Mirada), Frank Ferguson (Deacon Matt Holmes)

Der reiche McNeil will Prairie City und das dazugehörige Land kontrollieren. Er versucht kleine Viehzüchter zu vertreiben und heuert zu diesem Zweck den Revolverhelden Johnny Crale an. Sven Hansen erfährt von seinem Nachbarn Jose Mirada, dass es Öl auf seinem Land gibt. Es kommt zur Konfrontation zwischen Sven Hansen und Crale, welcher Hansen, der nur mit einer Harpune bewaffnet ist, erschießt.

Der Sohn des Toten, George Hansen kommt in die Stadt und erfährt, dass sein Vater gestorben ist, jedoch ist er anfangs noch im Unklaren darüber, wie. Der Sherriff der Stadt steht auf McNeils Gehaltsliste und verweigert die Zusammenarbeit mit George Hansen. George versucht daraufhin mit Molly, der Frau von Crale zu sprechen, wird jedoch zusammengeschlagen.

McNeils Revolvermann Johnny Crale will auch George loswerden, der die verängstigten Bewohner von Prairie City um Hilfe beim Kampf gegen McNeils Bande bittet – doch die haben Angst. Beherzt stellt sich Hansen allein dem Duell mit Crale, nur mit einer Harpune bewaffnet und tötet diesen damit.

Ein schwedischer Einwanderer verteidigt sein Gebiet in Texas, welches wohl kaum als ein Territorium für einen skandinavischen Walfänger bezeichnet werden kann, doch Amerika ist wohl für Jedermann zugänglich und jeder kann hier ansässig werden. Das Paradoxe dabei ist, dass beim finalen Showdown die Harpune über den Revolver siegt.

Ohne Waffe und ohne richtigem Standpunkt gegenüber Amerika und den Einwohnern von Prairie City wird George Hansen zunächst als etwas einfältig eingeführt. Georges Vater Sven Hansen schaffte es von der hohen See bis zu den Wüsten von Texas, wo er seines Landes beraubt und ermordet wird.

Terror in a Texas Town ist, über weite Strecken, ein Film mit Western-Struktur und Noir-Atmosphäre. Die Auseinandersetzungen gewinnen ihre Intensität nicht durch „Action“, sondern durch Figurenkonstellation und Langsamkeit. Regisseur Lewis modelliert den Raum als Ausdruck von Spannungen. Sorgfältig arrangiert er Vorder- und Hintergründe, die Kamera, oft unbewegt, umso aussagekräftiger in der Bewegung, gibt dem Raum den Rahmen. Der Blick ist konzentriert, nichts Zufälliges scheint Platz zu haben in den Bildern.

Im Film sind die Dialoge sehr langsam und mit viel Pausen versehen. Der Sheriff wird vom Regisseur als eine Art Lakai präsentiert und argumentiert gegenüber George Hansen, dass die Stadt zivilisiert sei und er das Gesetz vertrete. Dennoch ignoriert er George Hansens Testamentsansprüche und empfiehlt ihm stattdessen, sich einen Anwalt zu besorgen, um seine Ansprüche geltend zu machen.

Der Bösewicht Ed McNeil erscheint nicht übermächtig. Er ist übergewichtig, korrupt, habgierig und missachtet die ungeschriebenen Gesetze des Südens indem er Scheunen anzündet und des Mannes Vieh tötet. Seine Opfer sind ehrliche Bauern, die nicht das Gesetz missachten, jedoch auch nicht kampflos mit ansehen wollen, wie sie von McNeil ausgebeutet werden. Dieser heuert einen alternden Revolverhelden an, von welchem er auch später erschossen wird, um seine schmutzige Arbeit zu erledigen. Der Attentäter ist traditionell, ganz das Böse verkörpernd, in schwarz gekleidet, hat eine hohe Treffsicherheit mit seinem Revolver, die jedoch nichts zählt, da er meist auf unbewaffnete Männer schießt.

Johnny Crale ist ein Auslaufmodell, es gibt kaum mehr Revolverhelden und mittlerweile sorgt eine staatliche Polizei für Recht und Ordnung in Texas. Der Fortschritt der Zivilisation steht auf der Kippe, eine neue Ära bahnt sich einen Weg, dort wo das Gesetz der Pistole dem wahren Gesetz weichen muss.

Johnny behandelt die Frauen auf tiefsten Niveau. Zuerst will er sich McNeils Sekretärin „ausborgen“, um sich zu vergnügen, danach geht er sehr forsch mit seiner eigenen Frau um. Er wirft sie zurück, hört nicht auf sie und gibt zu verstehen, dass sie nur zu dem einen gut sei, nämlich ihn zu beglücken.

Außerdem ist er äußerst rassistisch bzw. politisch unkorrekt, was zum Ausdruck kommt, als er den mexikanischen Pächter Jose Mirada, kurz bevor er diesen erschießt, fragt, ob sein kleines, braunes Baby schon auf der Welt sei.

George Hansen freundet sich zuvor mit Jose Mirada an, dessen Familie ebenfalls ein Opfer von McNeil geworden ist. Terror wird hier als der politische Akt der Gewalt gegen unschuldige Zivilisten, die ihres Eigentums beraubt werden, gekennzeichnet. Es ist keine Überraschung, dass dieser Film von einem Autor, Dalton Trumbo, geschrieben wurde, der auf der schwarzen Liste Hollywoods stand. Der Mann in schwarz ist ein Symbole für den Bösewicht in Western und steht hier für den Terroristen. George Hansen schultert die Last der bürgerlichen Freiheit, als er im finalen Showdown seine Harpune, mit den Bewohnern der Stadt im Rücken, in die Richtung des Terroristen schwingt und ihn tötet.

Dalton Trumbo befand sich auf der berüchtigten „Schwarzen Liste“, welche Drehbuchautoren umfasste, denen politische Neigungen zum Kommunismus nachgesagt wurden. Trumbo war wahrscheinlich der beste dieser Schriftsteller und schrieb eine Reihe von ausgezeichneten Skripten. Er war nicht das einzige Opfer des HUAC (House Committee on Un-American Activities), das mit diesem Film verknüpft war. Die Schauspieler Nedrick Young (Drehbuchautor ua. von „The Defiant Ones“, „Wer Wind sät“ und „The Train“, welche er unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas schrieb) und Sterling Hayden wurden ebenfalls dem Ausschuss vorgeladen. Young weigerte sich, mit dem HUAC zusammenzuarbeiten und wurde ebenfalls auf die „Schwarze Liste“ gesetzt, Hayden hingegen kooperierte mit selbigem. All dies gab „Terror in a Texas Town“ den Kultstatus einer Reaktion auf das HUAC.

Dalton Trumbo erschien am 28. Oktober 1947 vor dem HUAC. Er legte seinen Standpunkt dar, dass das HUAC der Weltöffentlichkeit schaden würde und verweigerte sogar die Antwort auf die Frage, ob er ein Mitglied der „Sceen Writers Guild“ ist. Er weigerte sich außerdem zuzugeben, dass er ein Mitglied der amerikanischen kommunistischen Partei gewesen sei. Trumbo wurde der Missachtung des Kongresses für schuldig befunden, zu zehn Monaten Haft verurteilt und auf die „Schwarze Liste“ gesetzt.

Quellenangabe:

„Terror in a Texas Town“, http://www.imdb.de/title/tt0052287/, 20.01.2013

„Hollywood Blacklist“, http://www.writing.upenn.edu/~afilreis/50s/blacklist.html, 22.01.2013

„Terror in a Texas Town (1958)“, http://366weirdmovies.com/terror-in-a-texas-town-1958/, 23.01.2013
“ Dalton Trumbo went from A-list to blacklist“, http://www.nydailynews.com/entertainment/tv-movies/dalton-trumbo-a-list-blacklist-article-1.294499, 20.01.2013

Autor: Johannes Wimberger

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