Spartacus (1960)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1960, 197 Minuten

R: Stanley Kubrick

B: Dalton Trumbo

K: Russel Metty, Clifford Stine

M: Alex North

Produktion: Edward Lewis/Universal

Besetzung: Kirk Douglas (Spartacus), Laurence Olivier (Marcus Crassus), Jean Simmons (Varinia), Charles Laughton (Sempronius Gracchus), Peter Ustinov (Lentulus Batiatus), Woody Strode (Draba), Tony Curtis (Antoninus) u.a.

Als Vorlage für den mit vier Oscars ausgezeichneten Film Spartacus gilt der gleichnamige Roman von Howard Fast, der mit dem Drehbuchschreiber Dalton Trumbo auf der sogenannten Schwarzen Liste stand. Das HUAC (House Un-American Activities Committee) untersuchte den kommunistischen Einfluss in Hollywood und erstellte eine Schwarze Liste von linken und kommunistischen Künstlern. Die auf dieser Liste stehenden Künstler fanden in Hollywood keine Beschäftigung mehr, einige Drehbuchautoren konnten unter Pseudonymen oder unter falschen Namen arbeiten. Erst in Kirk Douglas´  Spartacus verwendeten Trumbo und Fast ihre wirklichen Namen, es war der erste Film nach den HUAc Verhören auf denen der Name einer der Hollywood Ten wieder auf der Leinwand zu sehen war. Die Regie führte am Anfang Anthony Mann, der aber nach einem Streit mit Douglas durch Stanley Kubrick ersetzt wurde.

Kubrick konnte sich mit diesem Film nie wirklich identifizieren, da er ihn nicht als persönliches Projekt ansah. Für Kubrick bedeutete der große Erfolg von Spartacus auf einer Seite Ruhm, auf der anderen Seite wusste er aber, dass das strikte Studiosystem keine Freiheit bietet würde. Er entschied sich, nie mehr für Hollywood zu arbeiten.

Der Produzent und Hauptdarsteller in einer Person – Kirk Douglas, war mehr als zufrieden mit Trumbos Einstellung zur Arbeit. Er arbeitete auch in der Nacht und hatte kein Problem damit, die Szenen zu überschreiben oder sogar auszuschneiden. Die Schauspieler konnten sich in die Produktion einmischen und es herrschte keine klare Rangordnung wie im klassischen Studiosystem, was zur Entstehung von „unstable script“  und zum Ende der Geheimhaltung des Autors führte. Dies ist auch ein Grund fürs Ende der Schwarzen Liste.

Trumbo sah die Rohfassung und schrieb eine detaillierte Kritik von Kubricks Arbeit. Er betonte das dualistische Konzept, die Gegensätzlichkeit von zwei unterschiedlichen Welten, um die zwei Welten voneinander zu unterscheiden und um die Handlung interessanter zu gestalten. Kubrick wurde für gelungene Szenen von Trumbo gelobt, doch er wurde auch kritisiert. Trumbo warf ihm vor, dass es nicht genug Close-ups gegeben hatte. Er wies auch auf die Ungleichgewicht von Close-ups bei den Schauspielern Laurence Olivier und Kirk Douglas hin, die auf die Rangordnung am Set hinweist.

Spartacus bietet uns zeitlose Botschaften, die über die Epochen hinausgehen. Er stellt das brutale Römisches Reich und die schweren Lebensbedingungen von Sklaven dar und gilt als Antisklaverei-Propagandastück. Es werden Themen wie existenzielle Fragen, politisches Lobbyismus, Freiheit, Individualität, Zivilisation, Sexualität und natürlich Liebe behandelt. Der Sklave Spartacus lässt sich nicht unterdrücken und kämpft gegen Sklaverei, daher wird er als Freiheitskämpfer angesehen und gilt als Vorbild vieler Revolutionäre.

Der erste Ort der Handlung ist der Steinbruch. Durch eine männliche Off-Stimme erfährt man, dass die Geschichte des Sklaven Spartacus im letzten Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung spielt. Er ist der Sohn einer Sklavin und wurde als nicht einmal Dreizehnjähriger in die Bergwerke verkauft.  Die wörtliche Einleitung bietet uns die Möglichkeit zu beobachten,  wie die Sklaven hart gearbeitet haben und von den Aufsehern gepeitscht worden sind. Gleich am Anfang des Films, als Spartacus versucht, den fallenden Sklaven zu helfen, können wir Spartacus´ guter Charakter erkennen. Der Aufseher bestraft ihn mit der Peitsche, doch er wehrt sich ab und beißt dem Aufseher seinen Hinterfuß durch. Diese Szene macht auf den künftigen Aufstand aufmerksam. Der Prolog am Anfang des Filmes erfüllt seine Aufgabe, indem er Zuschauer in die Filmhandlung einführt und macht die Überleitung von Vergangenheit zur Gegenwart. Die ersten Szenen werden mit dem nationalsozialistischen Vernichtungslager und mit dem sowjetischen Gulag in Verbindung gebracht.

Der nächste Handlungsort ist die Gladiatorenschule von Lentulus Batiatus in Capua, der Spartacus für die Ausbildung als Gladiator gekauft hat und damit ihm das Leben gerettet hat. Den Sklaven, die in Zellen im Keller gesperrt sind,  werden Sklavinnen zugeführt. Dem Spartacus wird Varinia zugeordnet, doch er lehnt ab, sie zu vergewaltigen mit den Worten, dass er kein Tier sei. Stattdessen verliebt er sich in sie. Die Kellerzellen weisen auf die menschliche Isolation der Gefangenen hin. Die Sphäre der Freie- oben, die Welt der Römer, und die Sphäre der Unfreie – unten, die Welt der Gladiatoren, wird durch Kubrick bewusst dargestellt.

Die Gladiatorenschule ist für die Entwicklung der Handlung sehr bedeutend. Der Aufbau dieser Schule zeigt eine Ähnlichkeit zur militärischen Ausbildung. Ein Ausbildner, hier Marcellus, versucht durch strikte Disziplin die Sklaven in tötenden Gladiatoren umzuformen. Die Soldaten sowie die Gladiatoren bleiben isoliert, es gibt keinen Ausdruck vom Gemeinschaftsgefühl. Spartacus versucht den Gladiator Draba kennenzulernen und fragt nach seinem Namen, doch er wird abgelehnt. Denn es geht vor allem dazu, am Leben zu bleiben. Bei einem Besuch vom Feldherrn Marcus Licinius Crassus muss Spartacus gegen Draba kämpfen. Statt den unterlegenen Spartacus zu töten, richtet Draba seinen Dreizack gegen Crassus und wird daher getötet. Draba stellt sich auch gegen das System der Sklaverei und wird mit dem Verkauf von Varinia zum Vorbild für den Sklavenaufstand von Spartacus. Man kann nicht übersehen, dass Draba der einzige schwarze Gladiator ist. Er gilt als Symbol der Rassentrennung und der Ungleichbehandlung in der amerikanischen Gesellschaft und hat dazu beigetragen, diese zu überwinden. Nachdem Spartacus erfährt, dass Varinia an Crassus verkauft wurde, ruft er einen Widerstand aus.

Durch anderen Sklaven gefolgt beginnt er einen Sklavenaufstand gegen Rom. Crassus nutzt den Aufstand, um die diktatorische Macht zu gewinnen. Gracchus, als Anführer des gewöhnlichen Volkes, kann dies nicht zulassen. Er sorgt dafür, dass ein Schutzling von Crassus – Glabrus, mit Truppen den Aufstand beenden soll. Die anderen Truppen sind dem  Gracchus´ Vertrauter Julius Ceaser unterstellt. Trumbo ging davon aus, dass der Sklavenaufstand nur dadurch überwinden konnte, dass sich der Staat in eine militärische Diktatur verwandelt. Doch diese historische These ist kaum haltbar. Die in Rom spielenden Szenen stehen für den Konflikt zwischen zwei politischen, durch Crassus und Gracchus charakterisierten Richtungen. Crassus, der aufgrund seiner Herkunft eine Position erworben hat und Rom für ihn Erbe von seinem Vater bedeutet, ist ein Gegenteil von Gracchus, der aus einer armen Familie stammt und die Rechte des Volkes verteidigen will. Dieser Aufstieg von Gracchus in die einflussreiche Welt entspricht mehr dem amerikanischen Traum als der Realität im römischen Reich. Das Aussehen von den zwei Konkurrenten ist ebenso widersprüchlich. Im Vergleich zum korpulenten Gracchus ist Crassus ein gutaussehender Mann in bester Form.

Immer mehr Sklaven schließen sich der Revolte an, unter ihnen auch die mit Spartacus schwangere Virinia. Die Armee möchte Italien auf einem Piratenschiff verlassen, doch dieser Plan wurde von einem Verräter vernichtet. In der Entscheidungsschlacht siegt Crassus, der zum Konsul aufgestiegen ist. Er verspricht den überlebenden Sklaven das Leben, wenn sie ihm Spartacus ausgeben, doch die Sklaven halten zusammen und jeder gibt sich als Spartacus aus:„I am Spartacus!“( Filmsequenz Spartacus 1960, 02.40.35-02.41.15). Wenn man diese Szene mit der McCarthy-Epoche vergleicht, dann sieht man eine Gemeinsamkeit – Verlangen vom Verrat.

Gracchus sorgt dafür, dass Varinia und ihr Kind als freie Menschen ein neues Leben beginnen können. Dann nimmt er sich selbst das Leben, da er ins Exil geschickt werden soll. In einem leeren Senatsraum trägt Crassus die neuen Regeln vor und nachher werden die Sklaven, eigentlich die Regimegegner gezeigt, die ins Exil geschickt werden sollen. Diese Szenen schaffen eine Verbindung zur HUAC. In beiden Fällen sollen Gegner vom System ausgeschlossen werden. Im Spartacus wird diese Ausgrenzung durch Exil und in der McCarthy – Ära durch Schwarze Liste verkörpert.

Spartacus muss mit Antoninus  bis zum Tod kämpfen, wobei der Sieger gekreuzigt wird. Da er seinen Freund vor dem Tod am Kreuz schützen möchte, tötet er Antoninus. Bevor dieser Schlacht gibt es eine Szene, in der Spartacus den Crassus anspuckt. Diese Szene ruft eine Kritik hervor, da das Bild und die Umwandlung von einem unzivilisierten Sklaven zu einem zivilisierten Mann, zerstört werden. Am Ende des Films kommt zum sterbenden und gekreuzigten Spartacus Varinia und zeigt ihm den gemeinsamen Sohn, der letztendlich frei leben wird, wie sich Spartacus gewünscht hat.

Die Filmversion hält sich nicht ganz an den historisch überlieferten Fakten. Der bedeutendste Unterschied ist der Tod von Spartacus, der im Kampf gegen Truppen von Crassus stirbt und nicht am Kreuz. Die Liebesgeschichte zwischen Spartacus und Varinia ist auch erfunden. Wahrscheinlich um den Film interessanter für das Hollywood-Publikum zu machen. Gracchus ist ein ebenfalls ein fiktiver Charakter. Sein Name wurde von den politisch wichtigen Brüdern Tiberius und Gaius Gracchus übernommen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Crassus ein Diktator war und mit einer Armee den Sklavenaufstand geführt hat, obwohl er eine wichtige Position bei den Schlachten hatte.

Die in Kinos erschienene Version von Spartacus ist nicht die Originalversion, weil viele  Szenen geschnitten wurden. Doch später wurden die fehlenden Szenen wieder eingefügt. Zum Beispiel viele Schlachtszenen, einige Szenen, die das römische Gesellschaftsleben und die Auseinandersetzung im römischen Senat betreffen oder eine homosexuelle Szene zwischen Crassus und dem Sklaven Antoninus. Die Szenen wurden geschnitten, um Boykotte und Drohungen bei einer Produktion von zwölf Millionen Dollar entgegenzuwirken.

Spartacus spielt zwar in der Vergangenheit, doch weist viele Parallelen, zum Beispiel Spartacus als eine Figur der Linken und die zwei gegenüberstehenden Welten, zur damaligen Gegenwart auf. Da Spartacus nach der McCarthy-Ära entstand, bekam er eine größere politische Bedeutung, als wenn er vor dieser Ära gedreht würde.

Literatur:

Cook, Bruce: Dalton Trumbo, New York: Scribner, 1977.

Duncan, Paul: Stanley Kubrick, Köln: Taschen, 2003.

Hanson Peter: Dalton Trumbo, Hollywood Rebel.A Critical Survey and Filmography, Nort Carolina: McFarland, 2007.

Juraske, Alexander: Spartakus – die Visualisierung der Antike in Hollywood. Mc Carthy, HUAC und das Ende der blacklist in den USA, Saarbrücken: VDM 2010.

Stanfield, Peter/ Frank Krutnik/ Brain Neve / Steve Neale: ‚Un-American‘ Hollywood. Politics and Film in the Blacklist Era, New Jersey: Rutgers University Press, 2007.

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem, Wien: LIT. Verlag, 2008.

Viennale (Hg.): Blacklisted. Movies of the Hollywood Blacklist Victims (Katalog) Wien 2000.

Winkler, Martin M.: The Fall of the Roman Empire.Film and History, Malden: Wiley-Blackwell, 2009.

Autorin: Dominika Chromčáková

Redaktion: Karolína Eckhardtová

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