Smash-Up: The Story Of A Woman (1947)

Gepostet am Aktualisiert am

 USA 1947, 103 Minuten

R: Stuart Heisler

B: John Howard Lawson, Story: Dorothy Parker, Frank Cavett

Kamera: Stanley Cortez

M: Frank Skinner

Produktion: Walter Wanger. Universal International Pictures

Mit Susan Hayward (Angelica `Angel´ Evans Conway) , Lee Bowman (Ken Conway), Eddie Albert (Steve Nelson), Marsha Hunt (Martha Grey), Carl Esmond (Dr. Lorenz)

 

Der Drehbuchautor John Howard Lawson, der als „Kopf“ der von HUAC ins Visier genommenen Filmschaffenden galt, wurde 1947, ein halbes Jahr nach dem Erscheinen von „Smash-Up“, auf der Schwarzen Liste eingetragen. Sowohl Susan Hayward als auch Dorothy Parker und Frank Cavett wurden 1948 für einen Oscar nominiert. 

„Smash-Up“ erzählt die Geschichte von Angel und ihrer großen Liebe Ken Conway. Das Glück des Sängerehepaars wird perfekt, als die beiden ein gemeinsames Kind bekommen. Gleichzeitig wird Ken eine neue Stelle als Radiomoderator angeboten.

Von da an landen die beiden in einer Teufelsspirale: Ken wird zum Star während Angel ihre Karriere für die Familie aufgibt, er ist kaum noch zu Hause und sie versucht, vor der plötzlichen Leere in den Alkohol zu entfliehen. Das geht schließlich soweit bis Ken sich gezwungen sieht, Angel aus seinem und dem Leben ihrer Tochter zu verbannen.

Ein zentrales Thema des Films ist Alkoholismus und der Umgang mit diesem. Als Angel dem Alkohol immer mehr verfällt, wendet sich ihr Mann von ihr ab, nur der gemeinsame Freund Steve Nelson bleibt ihr erhalten. In ihrer Verzweiflung trifft Angel die Entscheidung, sich einem Arzt anzuvertrauen.

Wie es für Filme dieser Zeit sehr unüblich war, stellt der Arzt Dr. Lorenz eine Gegenposition zu der in den USA verbreiteten Haltung dar, Alkoholismus als „Sünde“ zu betrachten. Dr. Lorenz versucht wiederholt Ken Conway davon zu überzeugen, dass seine Frau keineswegs eine Sünderin sei: „You`re wife is the victim of a disease, and there is only one cure.“ (0:51:36)

Hier widerspricht Lawson drastisch den Lehren der christlichen Kirche, indem er Angels Verfassung nicht als gottgegebene Strafe beschreibt, die Schuld tragen ganz klar äußere Einflüsse und psychischer Druck: So beginnt Angels „Verfall“, als ihr Mann plötzlich nicht mehr für sie da ist (vorläufig erklärt sie ihren Alkoholkonsum als Mittel gegen Nervosität und Angst – offensichtlich beginnt Angel, sich mit der neuen Situation unwohl zu fühlen), wird hochgetrieben durch die Figur der neuen Sekretärin ihres Mannes, Martha Grey, die hier als Antagonistin auftritt und ganz offensichtliche Gefühle für Ken zur Schau stellt, womit sie Angel in rasende Eifersucht und Paranoia treibt.

Am Ende von „Smash-Up“, nachdem beide Ehepartner ihre Verfehlungen einsehen, schwören sie Besserung. Hierfür mussten sie jedoch erst ganz unten ankommen und das Leben ihrer Tochter gefährdet sehen.

Für das Aufgreifen dieser heiklen Thematik wurde Produzent Walter Wanger vom Studio heftig kritisiert. Der Film konnte schließlich nur in dieser Art realisiert werden, weil man den exzessiven Alkoholismus als wichtig für die Zeichnung des Hauptcharakters und die Story argumentierte.

In seiner Darstellung von Angel lassen sich in „Smash-Up“ bereits fortschrittliche frühfeministische Elemente finden: Der Film manifestiert sich ganz deutlich als Darstellung der Sicht der Frau, wie bereits dem Untertitel „The Story of a Woman“ zu entnehmen ist. Mit der ihr zugedachten Rolle der klassischen Hausfrau und Mutter, in einem großen Haus umgeben von Angestellten, kann sie kein Glück finden (außerdem wurde Alkoholismus als eine „Männerdomäne“ angesehen, Frauen, die an dieser Krankheit litten, wurden nur selten in Filmen gezeigt). Angel trauert ihrer Karriere nach und möchte etwas Sinnvolles zu tun haben.

Auch in diesem Punkt verkörpert Dr. Lorenz die Stimme des Fortschritts. In seinem Gespräch mit Ken Conway über den Alkoholismus seiner Frau sagt er diesem: „You know, Conway, with all the best intentions in the world, man like you make their wives idle, useless.“ (0:50:53).

Bei der Krise ihrer Ehe wiederum sind beide Partner gleichgestellt. Keinen von beiden scheint mehr Schuld daran zu treffen; Ken, der anfangs die Augen vor den Problemen seiner Frau verschließt, die er mit seinem Verhalten provoziert, und auf der anderen Seite Angel, die nicht mit ihrem Mann über das spricht, was sie bedrückt, und nichts gegen ihre Situation unternimmt.

Mit dem Aufstieg in eine höhere Gesellschaftsschicht, von der Mittelklasse in den Reichtum, endet das idyllische Leben des Paares: Als klare Botschaft von „Smash-Up“ lässt sich zusammenfassen, dass Geld eben einfach nicht glücklich macht. Ebenso durch die Darstellungsweise der gehobenen Kreise, in denen sich Ken Conway später bewegt, wo Eifersucht und Falschheit vorherrschen, ist in den Film eine versteckte Kritik an der Klassengesellschaft eingebettet (auf einem Empfang wird das Geschehen kommentiert mit: „All of this makes you realize what work really meant.“ – 0:32:43).

In Anlehnung an die wahre Geschichte der vom exzessiven Alkoholismus geprägten Ehe von Bing Crosby und der Sängerin Dixie Lee, die mit dem großen Erfolg ihres Mannes ein ähnliches Schicksal wie Angel in „Smash-Up“ ereilte, schrieb John Howard Lawson hier ein Drehbuch, das aneckte. Er widersetzte sich amerikanischen Stereotypen und zeichnete ein fortschrittliches Gesellschaftsbild – wofür „Smash-Up“ letzlich auch mit zwei Oscarnominierungen belohnt wurde.

Quellen:

– Krutnik, Frank et al (Hg.), „Un-American“ Hollywood. Politics and Film in the Blacklist Era, New Brunswick: Rutgers University Press 2007.

http://www.politicalaffairs.net/john-howard-lawson-s-smash-up-a-lesson-on-cold-war-culture/, Zugriff: 9.1.2013.

– IMDb

http://www.classicfilmguide.com/indexaed1.html , Zugriff: 10.1.2013.

Autorin: Sophie Eidenberger (1101228)

Redaktion: Michaela Reithmayer (0801876)

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s