Papillon (1973)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1974, 150 Minuten

R: Franklin J. Schaffner

B: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple Jr.

uncredited: David Newman, Robert Benton, William Goldman und Christopher                                           Trumbo (vgl. Tieber 2008:228f)

Kamera: Fred J. Koenekamp

M: Jerry Goldsmith

Produktion: Ted Richmond. Allied Artists Pictures Corporation, Columbia Pictures.

Mit Steve McQueen (‚Henri ‚Papillon‘ Charriere‘) und Dustin Hoffman (Louis Dega).

Dalton Trumbo der, aufgrund von Verweigerung der Aussage vor einem Staatskomitee, die zweifelhafte Ehre hatte Mitglied der Hollywood Ten zu werden (und folglich eine dreiviertel Jahr lange Freiheitsstrafe absitzen durfte), ist eine der essenziellen Figuren in der Auseinandersetzung mit der Blacklist. Trumbo steht nicht nur am Beginn der Blacklist, sondern auch an ihrem vermeintlichen Ende. Otto Premingers öffentliche Bekanntmachung (und Durchführung), Dalton Trumbos Name in den Abspann von Exodus (1960) zu stellen, sowie Trumbos Credit in Spartacus (1960) (Spartacus wurde vor Exodus veröffentlicht, die Entscheidung und Veröffentlichung geschah erst nach Premingers Aussage) gelten allgemein als die „ersten offiziellen Brüche“ der Blacklist. Zuvor wurden Trumbos Arbeiten durch „Fronts“ (Mittelsmänner) oder Pseudonyme veröffentlicht, zwei so veröffentlichte Arbeiten gewannen auch einen Academy-Award. So nahm Ian McLellan Hunter, der als Front diente, den Drehbuchoscar für  Roman Holiday (1953) entgegen (Trumbos Oscar wurde ihm 1993 posthum anerkannt) und Trumbos Pseudonym, Robert Rich, gewann den Oscar für das Drehbuch von The Brave One (1956). Trumbos zweiter Gewinn eines Oscars wurde 1975 von der Academy gewürdigt.

Henri ‚Papillon‘ Charriere, der Mann mit dem Schmetterling auf der Brust, ist ein zu unrecht wegen Mordes verurteilter Sträfling. Er wird als Gefangener nach Französisch-Guyana gebracht, um dort eine lebenslange Haftstrafe abzusitzen. Auf dem Boot, welches die Insassen an ihren Bestimmungsort bringt, schließt er eine Zweckfreundschaft mit Louis Dega. Papillon beschützt den reichen Dega und bekommt im Gegenzug die finanziellen Mittel für einen Ausbruch zur Verfügung gestellt.

Mit Ankunft in der Anstalt werden Papillon und Dega den schwer arbeitenden Häftlingen zugeteilt. Als Papillon Dega vor einem Aufseher beschützt kommt er in monatelange Einzelhaft. Gestärkt durch Extrarationen, zumeist Kokosnüsse, gesendet von Dega, scheint die Einzelhaft kein Problem darzustellen. Als die Zusatzlieferungen erkannt werden, und Papillon den Namen seines Lieferanten nicht nennt, verschärft der Gefängnisdirektor die Haftbedingungen. Papillon überlebt die Einzelhaft knapp, mit seinem Geist intakt und einem ungebrochenen Willen zur Flucht. Nachdem er wieder bei vollen Kräften ist, gelingt Papillon, zusammen mit Dega und einem drittem Häftling, André, die Flucht. Doch Dega bricht sich dabei den Knöchel und das gekaufte „Fluchtboot“ stellt sich als untauglich heraus. In einer Leprakolonie, die sie per Floß erreichen, bekommen die Flüchtigen ein Boot und etwas Geld. Am Festland angekommen werden die Drei sofort verhaftet. Papillon kann flüchten, wird jedoch von einem indigenen Stamm „gefangen“ und lebt für kurze Zeit mit ihnen zusammen. Mit Perlen, die er von dem Stamm erhalten hat, versucht er über die Grenze in die Freiheit zu kommen. Papillon wird zum wiederholten Male verraten (diesmal von einer Nonne) und die nächste Szene zeigt den ergrauten Papillon, nachdem er aus einer fünfjährigen Einzelhaft entlassen wurde. Gerade rechtzeitig um seinen Komplizen André sterben zu sein. Papillon wird auf die „Devils-Island“ versetzt und trifft dort Dega wieder. Noch immer von seinem Streben nach Freiheit besessen, gelingt Papillon hier die endgültige Flucht. Nach einem Klippensprung wird er durch die Strömung, auf einem Sack voller Kokosnüsse, in die Freiheit getragen. Dega, der sich mit seinem Leben auf der Insel angefreundet hat, kann diesen „leap of faith“ nicht mehr durchführen und bleibt zurück. Papillons Gefängnis wird wenige Jahre später geschlossen und er „überlebte“ es somit.

Auf den ersten Blick handelt es sich hier um einen Gefängnisfilm. Der Film scheint nicht über die „normale Sozialkritik“ und den Kampf des Überlebens hinauszugehen. Ein genauerer Blick zeigt einem, dass es vielleicht nicht ganz so simpel ist. Auch wenn der Film nicht während der schwarzen Liste produziert wurde, scheint er eine klare Referenz zu ihr (und ihrer Geschichte) zu sein.

„As of this moment you are the property of the Penal Administration of French Guiana. After serving your full terms in prison those of you with sentences of eight years or more will remain in Guiana as workers and colonists for a period equal to that of your original sentences. As for France the nation has disposed of you. France has rid herself of you altogether. Forget France and put your clothes on.“ – gesprochen von dem Direktor des französischen Gefängnis. Gespielt von Dalton Trumbo!

Hollywood hatte sich von den Menschen der Liste gesäubert („to get rid“), es zeigte ihnen die Tür. Manchmal war die Tür eine metaphorische und manchmal eine tatsächliche (dem Autor Michael Wilson wurde eine Wiedereinreise verboten nachdem er die USA, ironischerweise, Richtung Frankreich verlies).

Wenn man Parallelen zwischen der Liste und dem Film ziehen will, dann fällt es einem hier nicht schwer. Die Haft obwohl der Unschuld – die Hollywood Ten sahen sich auch als unschuldig Verurteilte. Der Verrat bzw. der Verzicht auf den Verrat – die freundlichen Zeugen (hervorgehoben ist hier Edward Dmytryk, Mitglied der Hollywood Ten und später „friendly witness“) bzw. die Weigerung vor dem Ausschuss Namen zu nennen und die deswegen schärfere Strafe. Die Ausbruchsversuche – der Versuch den Weg zurück in die verbotene Arbeit zu finden. Die Aussätzigen der Leprakolonie – die Verstoßenen aus dem System Hollywood. Der große Sprung am Ende – „making a big splash/comeback“ auf der Leinwand, wie es Trumbo mit Exodus und Spartacus schaffte. Das Überleben des Gefängnisses/der Liste.

Man sollte nicht unterschätzen, was für ein immenser Wille von Nöten war, um sich über die Blacklist hinwegzusetzen. Es handelte sich hierbei um eine emotional anstrengende Arbeit, in der es für die meisten Geschädigten mehr „downs“ als „ups“ gab. Nicht jeder konnte ein Dalton Trumbo sein, und selbst dieser hatte genug zu kämpfen.

So scheint die Verbindung zwischen Liste und Papillon vielleicht doch nicht zu weit hergeholt. Zumindest wenn man ein bisschen genauer hinsieht.

Literatur:

F. X, Feeny: Odd Man In. 2002, http://marlowesghost.com/yahoo_site_admin/assets/docs/Microsoft_Word_-_Odd_Man_In.5371545.pdf, Zugriff 20.01.2013

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood: das Drehbuch im Studiosystem. Wien, Univ., Habil.-Schr., 2008

Viennale (Hg.): Blacklisted. Movies of the Hollywood Blacklist Victims (Katalog) Wien 2000

Filmographie:

Trumbo (Peter Askin 2007), Magnolia Home Entertainment 2009.

Autor: Florian Wiesenhofer (0725938)

Redaktion: Sophie Eidenberger (1101228)

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