Odds Against Tomorrow (1959)

Gepostet am Aktualisiert am

Dt. Titel: Wenig Chancen für morgen
USA HarBel Productions 1959 s/w 96 min

R: Robert Wise
B: Abraham Polonsky (John O. Killens), Nelson Gidding (basierend auf dem Roman „Odds against Tomorrow“ von William P. McGivern)
M: John Lewis
K: Joseph C. Burn
D: Harry Belafonte, Robert Ryan, Shelley Winters, Ed Begley, Gloria Grahame

Dave Burke, ein ehemaliger Polizist, heuert zwei Komplizen für einen Banküberfall an. Zum einen den Schwarzen Johnny Ingram, der sich aufgrund seiner Spielschulden auf den Coup einlässt, zum anderen den Weißen Earle Slater, ein rassistischer Ex-Sträfling. Die Spannung aufgrund der unterschiedlichen Hautfarbe, die von Anfang an zwischen Ingram und Slater zu spüren ist, eskaliert schließlich während des Banküberfalls. Nachdem Slater Ingram die Schlüssel für den Fluchtwagen nicht übergeben will, schickt er Burke, der die Bank verlässt, um das Auto zu holen. Ein Polizist, der Burke aus der Bank kommen sieht, hält diesen auf. Plötzlich geht der Alarm los und Slater, der die Entwicklungen vom Inneren der Bank beobachtet hat, eröffnet daraufhin das Feuer auf den Polizisten. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt sich eine Schießerei mit mehreren Polizisten, in der Burke schwer verwundet wird und sich schließlich selbst das Leben nimmt. Ingram, der Slater für Burkes Tod verantwortlich macht, liefert sich mit diesem einen Schusswechsel und verfolgt den flüchtenden Slater bis zu einem Fabrikgelände, das brennbare Substanzen beherbergt. Ihr gegenseitiger Hass führt schließlich zu einem weiteren Schusswechsel und einem damit verbundenen im wahrsten Sinne des Wortes explosiven Ende, in welchem beide den Tod finden. Einer der Männer, die die Leichen abtransportieren, fragt zum Schluss über die verbrannten Körper gebeugt: „Which is which?“, worauf ein Polizist “Take a pick!“ antwortet. Es ist somit völlig egal welcher nun weiß und welcher schwarz ist. Beide sind tot, weil sie ihre rassistischen Vorurteile nicht bei Seite legen konnten. Die Kamera schwenkt daraufhin auf ein „Stop Dead End“ -Schild. Der Film suggeriert dadurch, dass Rassismus in eine Sackgasse mündet und greift ein wichtiges Motiv auf, welches dem Kommunismus zugeschrieben wird: eine Gesellschaft, in der Rasse, Klasse und Geschlecht keine Rolle spielen sollen. Neben THE DEFIANT ONES (1958) ist ODDS AGAINST TOMORROW einer der ersten Vertreter, welcher den Fokus auf ein gemischtrassiges Hauptdarstellerpaar legt. Im Gegensatz zu THE DEFIANT ONES wird der schwarze Protagonist jedoch nicht als rein positiv dargestellt sondern weißt mit seiner Spielsucht auch negative Züge auf. Im Vergleich dazu werden Slater, der als cholerischer, fremdgehender und rassistischer Ex-Sträfling präsentiert wird, jedoch rein negative Charaktereigenschaften zugeschrieben. Obwohl Burkes Charakter versucht, die rassenbedingten Spannungen zu lösen, indem er klar macht, dass alle Menschen gleichwertig sind ( „We’re in this together, each man equal”), werden die rassistischen Vorurteile und Hassgefühle beider Protagonisten schlussendlich zum unüberwindbaren Verhängnis.

Einen wichtigen Aspekt des Films stellen auch die Frauenfiguren dar, die emanzipiert und unabhängig gezeigt werden. Ruth, die Ex-Frau von Ingram ist eine alleinerziehende Mutter, und Lorry, die mit Slater eine Beziehung führt, eine unabhängige Karrierefrau, die neben den Haushaltstätigkeiten ihr eigenes Geld verdient. Sowohl Lorry als auch Ruth entsprechen somit nicht der für die Gesellschaft typischen Frauenrolle der 50er Jahre. Lorry verspricht ihrer Nachbarin Helen sogar, dass Slater Babysittern würde und spricht ihm somit eine für eine Hausfrau typische Aufgabe zu. Zwischen Lorry und Slater entwickelt sich im Laufe der Diegese deswegen ein Konflikt, da dieser mit der Verteilung der Rollen nicht umgehen kann. Er vertritt die Meinung, dass ein Mann das Geld verdienen und die Frau zu Hause sein soll. Nach dem Streit betrügt Slater Lorry mit der Nachbarin Helen, die diesen bewusst verführt. Diese Szene bricht gleich in zweifacher Hinsicht mit den moralischen Werten der Gesellschaft der 50 Jahre und damit auch mit dem Hays Code, welcher seit den 30er Jahren Richtlinien für moralisch akzeptable Darstellungen in Spielfilmen vorgab. Denn obwohl Helen verheiratet ist, flirtet sie bewusst mit Slater und lässt sich „just this once“ auf Sex ein. Darüber hinaus wird die Erotik in dieser Szene durch das Öffnen ihres Mantels und der damit einhergehenden Darstellung ihres BHs sowie einen folgenden Kuss sehr explizit zur Schau gestellt, was für den prüden Film der 50er ungewöhnlich war.

Abraham Polonsky, der als Autor am Film beteiligt war, wurde am 25. April 1951 vor das „House Committee on Un-American Activities“ (HUAC) geladen, welches sich zur Aufgabe gemacht hatte, Vertreter des Kommunismus daran zu hindern, ihre Ideologien in Hollywood durch vermeintliche (versteckte) Botschaften in ihren Filme zu verbreiten. Polonsky verweigerte mit Berufung auf das „Fifth Amendment“, welches gegen den Missbrauch von Autoritäten in einem gerichtlichen Verfahren schützen soll, die Aussage. Er verriet somit keine Freunde und Bekannte, obwohl er selbst von einigen als Angehöriger der Kommunistischen Partei genannt wurde – eine Tatsache, die er nie bestritt. Da Polonsky zuvor im „Office of Strategic Services“ gearbeitet hatte und somit ein Spionageverdacht gegeben war, wurde Polonsky vom Committee sogar als „very dangerous citizen“ eingestuft. Die Aussageverweigerung hatte zur Folge, dass Polonsky bis 1968 auf die „Schwarze Liste“ gesetzt wurde und während dieser Zeit nur unter Pseudonymen als Drehbuchautor Arbeit finden konnte. Aus diesem Grund wird er in den Credits von ODDS AGAINST TOMORROW auch nur unter dem Pseudonym John O. Killens genannt. Am Anfang des Film erzählt Slater, was er über Burke gehört hatet: “I know you were on the police force … you had a session with the State Crime Committee and you got a year for contempt!”. Daraufhin erwidert Burke: “Because I wouldn’t talk … I was on the force 30 years I had my own squad, and I knew everybody. Everybody was my friend until they needed a patsy”. Polonsky verweist hier ziemlich eindeutig auf die Ereignisse um seine Vorladung und Verweigerung der Aussage. Polonsky verarbeitete die Vorfälle jedoch nicht nur in diesem Drehbuch, sondern konnte auch 1956 den Roman „A Season of Fear“, der sich direkt mit der „Schwarzen Liste“ und deren Auswirkungen beschäftigt, veröffentlichen, da die „Schwarze Liste“ auf die Literatur keinen Einfluss nahm. 1968 wurde Abraham Polonsky erstmals wieder mit einem offiziellen Credit als Co-Autor von MADIGAN erwähnt.

Quellenverzeichnis:

„Odds Against Tomorrow“, http://www.imdb.com/title/tt0053133/?ref_=sr_2 , Zugriff: 27.01.2013
Marsden, Andrew: „Abraham Polonsy“.2005, http://sensesofcinema.com/2005/great-directors/polonsky/ Zugriff: 17.01.2013
Buhle, Paul; Wagner, Dave: „A Very Dangerous Citizen“. University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London, 2001.
Keil, Hartmut (Hg.): Sind oder waren Sie Mitglied? Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947-1956. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1979

Autor: Lechner Tobias (0909032)

Redaktion: Diana Weidlinger (0908741)

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