Lonely are the Brave (1962)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1962

Studio: Universal Pictures
P: Edward Lewis
R: David Miller
B: Dalton Trumbo (basierend auf Edward Abbey’s Roman „The Brave Cowboy“)
Mit Kirk Douglas (John W. „Jack“ Burns), Gena Rowlands (Jerry Bondi), Walter Matthau (Sheriff Morey Johnson), Michael Kane (Paul Bondi)
107 min

Dalton Trumbo, der seit 1943 Mitglied der Kommunistischen Partei war, wurde 1947 vor das „House Committee on Un-American Activities“ (HUAC) geladen, vor dem er mit Berufung auf den Ersten Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika die Aussage verweigerte. Daraufhin wurde er auf die Schwarze Liste gesetzt und zu einer elfmonatigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Kongress“ verurteilt. Mit ihm wurden auch neun andere Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler verurteilt, die als „Hollywood Ten“ bekannt wurden. Auf der Liste befand er sich bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1960.

Der Cowboy Jack Burns provoziert in einer Bar eine Rauferei, um im Gefängnis zu landen. Denn dort ist sein bester Freund Paul Bondi, der illegalen Einwanderern geholfen hatte, inhaftiert. Doch dieser verweigert die gemeinsame Flucht, weil er nach dem Absitzen seiner Strafe ein geregeltes Leben mit seiner Frau Jerry und seinem Sohn beginnen will. Jack Burns flieht allein und will sich nach Mexiko absetzen. Trotz vieler Verfolger scheint es, als würde ihm die Flucht tatsächlich gelingen, doch nicht mehr weit vor der Grenze werden Jack Burns und sein Pferd beim Überqueren einer Straße von einem Lastwagen erfasst.

Ein von Trumbos bevorzugtes Thema war die Rebellion eines Individualisten gegen die herrschenden Mächte. In Lonely are the Brave leistet der Cowboy Jack Burns einsam Widerstand gegen die Veränderungen der modernen Welt. Er will seine Ideale von Individualität und Freiheit nicht aufgeben und. Doch Trumbos Handschrift ist nicht nur im politischen Subtext des Films erkennbar, sondern auch in seinen visuellen Metaphern. So liegt etwa Burns zu Beginn des Films, der gängigen, stilisierten Cowboyromantik entsprechend, eine Zigarette rauchend und mit ins Gesicht gezogenem Hut am Lagerfeuer. Am Himmel ziehen währenddessen geräuschvoll drei Düsenjets vorüber.

Alles was Jack Burns hat und will ist Freiheit und Unabhängigkeit. Er zieht mit seinem Pferd durchs Land, ohne festen Wohnsitz und ohne feste Bindung an Menschen. Doch schon zu Beginn von Lonely are the Brave zeigt der Film, dass die Zeiten der scheinbar grenzenlosen Freiheit vorbei sind. Grenzen und Zäune durchziehen das Land. Gesetze verlangen normiertes Verhalten und einheitliche Wert- und Moralvorstellungen. Für keine dieser Entwicklungen kann Burns Verständnis aufbringen. Er führt als Einzelner einen aussichtslosen Kampf gegen das anonyme System und wehrt sich gegen die aufkommende Massengesellschaft.

Schon in den Anfangsminuten des Films kommt Burns mit seinem Pferd vor einem Stacheldrahtzaun zum Stehen, der das vor ihm liegende Land, der Besitz einer Kraftwerksgesellschaft, abgrenzt. Doch Burns steigt vom Pferd, durchschneidet den Stacheldraht und reitet weiter. So wie Burns, ignoriert auch sein bester Freund Paul Bondi die Grenzen, die Zäune und Gesetze setzen. Bondi half illegalen Einwanderern aus Mexiko über die Grenze, woraufhin er verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Zu Beginn von Lonely are the Brave befindet sich Jack Burns, der erst kurz zuvor von Bondis Verhaftung erfahren hatte, auf dem Weg zu dessen Frau und Sohn. Neben Bondi selbst sind sie die einzigen Menschen, die Burns etwas bedeuten und für sie setzt er Alles, seine Freiheit, aufs Spiel. Er will Bondi aus dem Gefängnis befreien und gemeinsam mit dessen Frau und Sohn ein Leben abseits der Zivilisation beginnen. Dort will er seinen Traum vom Leben in absoluter Freiheit und Unabhängigkeit mit ihnen gemeinsam realisieren. Burns sieht Bondis Tat nicht als Verbrechen an, sondern als einen Akt reiner Menschlichkeit. Als er mit dessen Frau Jerry spricht, erklärt er ihr, dass nur die Zäune an Bondis Verhaftung Schuld tragen würden und er wieder alles in Ordnung bringen wird. Burns will seine eigene Ansicht von Gerechtigkeit in dieser Sache durchsetzen, welche auf bedingungsloser Solidarität zu seinen Freunden gründet.

Solidarität und Freundschaft sind in Lonely are the Brave existenzielle Themen. Nicht nur Jack Burns Fluchtplan für Bondi, sondern auch seine Flucht steht im Zeichen dieser Werte. Nachdem Burns alleine ausbricht ist der einzige Begleiter auf seiner Flucht sein Pferd Whisky. Auch vor seiner Flucht war es sein steter Gefährte. In den Bergen wird Burns vor die Wahl gestellt. Die Flucht könnte ihm schnell gelingen, wenn er das Pferd zurücklassen würde und alleine weiterklettert. Doch er bringt es nicht fertig Whisky zurückzulassen und schafft es schließlich unter großen Mühen gemeinsam mit dem Pferd über das Gebirge. Hier hat Burns erstmals Verantwortung für ein anderes Wesen übernommen, wobei dies den Misserfolg seiner Flucht einleitet. Als die Flucht schon beinahe geglückt ist, wird Burns mit seinem Pferd, welches auf der Straße in Panik gerät, von einem Lastwagen erfasst. Beide liegen schwer verletzt am Straßenrand. Als schließlich Hilfe eintrifft, wird dem leidenden Pferd der Gnadenschuss gegeben. Dabei wird nur eine Großaufnahme von Burns Gesicht gezeigt. Es scheint als würde er mit dem Pferd gemeinsam leiden und sterben.

Der Lastwagen wird zu einem Boten der Massengesellschaft, welcher Jack Burns zu entkommen versucht. Anpassungswille und zu funktionieren wann immer es verlangt wird, sind die Grundvoraussetzungen um sich erfolgreich in diese Gesellschaft zu integrieren. Diese kann und will Jack Burns nicht erfüllen und gefährdet so die gesetzlich geregelte Ordnung. Dadurch wird er schnell zum Gejagten. Burns flieht auf seinem Pferd vor Geländewagen, Funkgeräten und Hubschraubern. Auch wenn er diesen entkommen kann, wird er schließlich doch von einem Produkt der Massengesellschaft aufgehalten, einem Toilettenschüssel transportierenden Lastwagen. So wird der Flucht sehr nüchtern ein Ende bereitet und zurück bleibt sein Cowboyhut, auf der Straße liegend, im Regen. In dieser Schlussszene arbeitet Trumbo scheinbar ausschließlich mit Metaphern, um den Niedergang Burns, unabhängig davon ob er den Unfall überlebt oder nicht, zu verdeutlichen.

Wie Jack Burns war auch Dalton Trumbo ein Verfolgter. Beide wählten sie, um ihren Idealen und moralischen Werten treu zu belieben, den schwereren und gefährlicheren Weg. Wer sich anders als die Masse verhält, anders denkt als dem herrschenden System entsprechend, wird gerichtet. Obwohl Trumbo in vielen seiner Werke uramerikanische Werte, wie den Glauben an Freiheit, die Bedeutung und Kraft des Einzelnen preist, wird er verurteilt. Nach seiner Haftstrafe ging er nach Mexiko und musste für mehr als zehn Jahre unter Pseudonymen schreiben. Als 1960 bekannt wurde, dass er sich für die Drehbücher der Filme „Exodus“ und „Spartacus“ verantwortlich zeichnet, war das Ende der Schwarzen Liste eingeleitet.

Literatur:
Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem, Wien: LIT-Verlag 2008 S.235-236
Krüger, Malte: Einsam sind die Tapferen. Ein Cowboy fürs Museum, o.J., http://www.filmzentrale.com/rezis2/einsamsinddietapferenmk.htm, Zugriff: 12.1.2013
Trumbo, Dalton: Additional Dialogue. Letters of Dalton Trumbo, 1942 – 1962, Hrsg. von Helen Manfull, New York: M. Evans and Company, Inc. 1970
Smith, Jeff: „A Good Business Proposition“: Dalton Trumbo, Spartacus, and the End of the Blacklist., in: Bernstein, Matthew (ed.): Controlling Hollywood. Censorship and Regulation in the Studio Era. London: The Athlone Press 2000, S. 206 – 237 (Erstveröffentlichung in: The Velvet Light Trap, Nr. 23 (1989), S. 75 – 100)

Autorin: Julia Steinbichler (1163109)
Redaktion: Katharina Dieckmann (1003197)

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