Lawrence of Arabia (1962)

Gepostet am Aktualisiert am

UK 1962, Kinofassung: 216 Minuten, Neufassung: 227 Minuten

Regie: David Lean
Drehbuch: Robert Bolt
Michael Wilson (zuerst nicht in den Credits, dann eingetragen durch die Writers
Guild of America)

Kamera: Freddie Young
Musik: Maurice Jarre
Schnitt: Anne V. Coates
Produktion: Sam Spiegel und Horizon Pictures (GB) Ltd, Columbia Pictures Corporation(US)

Mit Peter O’Toole (T. E. Lawrence), Alec Guinnes (Prinz Faisal), Anthony Quinn (Auda abu Tayi), Jack (General Edmund Allenby), Omar Sharif (Sherif Ali Ibn El Kharisch).

Lawrence of Arabia ist ein Film des Regisseurs David Lean und des Produzenten Sam Spiegel. Grundlage dieses Films, ist die 1926 veröffentlichte Biographie The Seven Pillars of Wisdom von Thomas Edward Lawrence. Er war britischer Archäologe, Offizier, Abenteurer und letztendlich auch Schriftsteller. Drehbuchautoren des Films waren Robert Bolt und Michael Wilson.
Lawrence of Arabia zeichnet sich im Besonderen durch die atemberaubenden Schlachtszenen in der Wüste aus, da dieser Film es wie kein anderer schaffte, die Weite, Einsamkeit, Romantik und Erhabenheit der Wüste, in so eindrucksvollen Bildern wieder zu geben. Schwerpunkt ist allerdings die psychologische Entwicklung des Protagonisten T. E. Lawrence. Drehbuch und Regie konzentrierten sich darauf, den Charakter der widersprüchlichen Persönlichkeit zu zeigen, und ist gerade deshalb eine kritische Heldenglorifizierung. Peter O’Toole spielt einen charismatischen Führer, ebenso einen vor Rache blinden Krieger oder einen fast schon eitlen Homosexuellen, dessen Neigungen für ihn selbst einen Leidensweg darstellen. Außerdem werden die Kolonialmächte an den Pranger gestellt, die während dem Ersten Weltkrieg im Nahen Osten nur ihre eigenen Interessen verfolgten.
Lawrence of Arabia folgt einem klassischen Aufbau: Einem großartigen Aufstieg, gefolgt von einem tiefen Fall.
Kairo 1916. Im Ersten Weltkrieg wird der junge britische Offizier Thomas Edward Lawrence (Peter O’Toole) von Kairo für drei Monate auf die arabische Halbinsel entsandt, um Entwicklungen um den arabischen Führer Prinz Faisal zu beobachten. Um dies tun zu können, muss er allerdings das Vertrauen der Araber gewinnen indem er sich dem Leben der Beduinen anpasst, um sich dann mit ihnen zu Verbünden.
An einem Brunnen kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem arabischen Reiter, Lawrence Führer wird dabei getötet, da dieser aus einem Brunnen getrunken hat, der Eigentum eines anderen Beduinenstammes ist.

Lawrence lehnt die Hilfe des arabischen Reiters ab, ihm den Weg zu zeigen, und trotzdem schafft er es, zum Erstaunen aller, den richtigen Weg zum Lager von Faisals Armee zu finden.
Der furchteinflößende Reiter entpuppt sich dann als der mächtige Sherif Ali.

Lawrence schmiedet einen Plan: Er meint, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Eroberung der Hafenstadt Akaba liegt, und so überredet er Sherif Ali, mit einem kleinen Trupp die kaum passierbare Wüste Nefud zu durchqueren, um zur Hafenstadt zu gelangen. Vor Akaba gewinnt er, mit psychologischem Geschick, die Unterstützung lokaler Stämme und nimmt die Stadt im Überraschungsangriff ein.
Nach und nach schwindet dann aber die Disziplin der arabischen Kämpfer, die allein an der Kriegsbeute interessiert zu sein scheinen. Es gelingt ihm aber dennoch Erfolge gegen die Türken zu erzielen, und gilt dann als bewunderter Anführer namens „El’awrence“. Als solcher trägt er nur noch Beduinenkleidung, ist aber dennoch anders als die Araber, da er den Gedanken der Willensfreiheit und nicht den Fatalismus in sich trägt.

Zwei Waisenjungen schließen sich ihm als seine Diener an. Der erste stirbt dann allerdings im Treibsand, der andere wird bei einem Unfall mit Sprengpatronen schwer verletzt und deshalb von Lawrence erschossen, um ihn vor türkischer Gefangenschaft zu bewahren.
Auf Grund der furchtbaren Erfahrungen die El’awrence gemacht und überlebt hat, beginnt er sich für nahezu unverwundbar zu halten. Er sucht inkognito die Stadt Dera im südlichen Syrien auf, wo er dann allerdings von türkischen Milizen erkannt, und gefangen genommen wird. Er wird schwer misshandelt, und gekehrt vor Demütigung fast gebrochen, nach Kairo zurück, um dort um seine Entlassung aus dem Militär zu bitten.

In Kairo erfährt El’awrence, dass die britische Regierung gar nicht vor hat den Arabern nach dem Krieg ihre Unabhängigkeit zuzubilligen.
Ziel der Araber ist es, den Traum vom panarabischen Großreich zu verwirklichen, was allerdings ganz gegen die Ziele der Alliierten ist, da diese im arabischen Raum ihre ganz eigenen kolonialen Interessen verfolgen.
So fasst Lawrence den Beschluss, gemeinsam mit den Arabern, die Stadt Damaskus noch vor den Briten einzunehmen, um deren späteren Einfluss zu verhindern. Auf dem Weg dorthin, stößt Sherif Ali mit seinen Männern hinzu. Es kommt allerdings, gegen den Willen Sherif Alis, zu einem Massaker an geschlagenen und flüchtenden türkischen Soldaten. Die Araber erreichen dann Damaskus kurz vor den Briten.
Doch anders als T. E. Lawrence erwartet hatte, scheitert die Bildung einer Regierung an den zu zerstrittenen Arabern. Sie schaffen es nicht, sich dem Einfluss der Kolonialmächte zu entziehen.
T. E. Lawrence wird in diesem Kampf zur Legende, und er kehrt dann desillusioniert, nach dem Scheitern der panarabischen Einigung, wieder nach England zurück.

Robert Bolt war ein englischer Dramatiker und Drehbuchautor. Er schrieb Drehbücher zu bekannten Filmen, und wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet.
Michael Wilson war ein US-amerikanischer Drehbuchautor. Er schrieb zwischen 1941 und 1969 Drehbücher für 22 Filme. Er wurde auf die schwarze Liste der Unterhaltungsindustrie Hollywoods gesetzt. Während dieser Zeit schrieb er hauptsächlich Drehbücher für europäische Filmproduktionen, für Hollywood konnte er nur ungenannt, oder unter einem Pseudonym schreiben. Er tauchte so unter dem Namen James O’Donnell in anderen Filmen auf, erst später wurde ihm seine Autorenschaft wieder angerechnet.
Er erhielt zwei Mal den Oscar, wurde weitere drei Mal nominiert, so wie beispielsweise für Lawrence of Arabia.

Streitigkeiten zwischen David Lean und Michael Wilson führten dazu, dass Wilson durch Robert Bolt ersetzt wurde. Natürlich führte dies zu Diskussionen darüber, welcher Autor was dem Drehbuch beigefügt haben soll. Bolt soll dabei die meisten Dialoge und Interpretationen der Charaktere bereitgestellt haben, während Wilson die Story und deren Grundriss gegeben haben soll. Wilson wurde dann in den Credits nicht angeführt, und so wurde Bolt allein für den Academy Award nominiert. Er gewann allerdings nicht.
Sowohl Drehbuchautor Bolt, als auch der Regisseur Lean, weigerten sich Wilsons Beitrag am Film anzuerkennen. Erst später erschien Michael Wilson auch in den Credits.

Der Film Lawrence of Arabia erhielt 1963 sieben Oscars in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bester Schnitt, Beste Musik und Bester Ton, sowie drei weitere Nominierungen in den Kategorien Bester Hauptdarsteller (Peter O’Toole), Bester Nebendarsteller (Omar Sharif) und Bestes Adaptiertes Drehbuch.
Es gab 1963 weiters vier British Film Academy Awards. 1991 folgte eine Aufnahme in National Film Registry, und 2008 wurde der Film vom American Film Institute auf Platz eins der größten Leinwandepen gewählt.

Literatur:

Dmohowski, J. F. (2012). Unfinished business: Michael Wilson’s “Seven Pillars of Wisdom” screenplay. Film History 2012. Vol. 24(1), pp. 56-73 [Peer Reviewed Journal]

Hodson, J. (1994). Who wrote “Lawrence of Arabia?”: Sam Spiegel and David Lean’s denial of credit to a blacklisted screenwriter. Cineaste, Oct. 1994. Vol. 20(4), p. 12(7)

Kubiak, H.-J. (2005). Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Marburg: Schüren.

Autorin: Julia Palmai (0547112)
Redaktion: Bernd Pichler

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