High Noon (1952)

Gepostet am Aktualisiert am

85 Minuten

Regie: Fred Zinnemann

Drehbuch: Carl Foreman, nach einer Geschichte von John W. Cunningham („The Tin Star“)

Produzent: Stanley Kramer

Studio: Columbia-Studios

Darsteller: Gary Cooper (Marshal Will Kane), Lloyd Bridges (Deputy Sherif Harvey Pell), Kate Jurado (Helen Ramirez), Grace Kelly (Amy Kane), Ian MacDonald (Frank Miller), Lee van Cleef (Jack Colby), Robert J. Wilke (Pierce), Sheb Wooley (Ben Miller)

In der Kleinstadt Hadleyville wurde der beliebte Sheriff Will Kane aus seinem Dienst entlassen. Er heiratet die Quäkerin Amy und will mit ihr woanders ein neues Leben beginnen. Kurz bevor er die Stadt mit seiner frisch Vermählten verlassen will, erfährt er von der Rückkehr seines Erzfeindes Frank Miller. Kane hatte Miller vor einigen Jahren ins Gefängnis gebracht. Nach seiner Begnadigung macht sich der Verbrecher nun auf den Weg nach Hadleyville, um sich an Kane zu rächen. Er wird mit dem 12-Uhr-Zug in der Kleinstadt ankommen.

Da sein Nachfolger erst am nächsten Tag seinen Dienst in der Kleinstadt antreten wird, entschließt sich Kane, trotz starker Einwände seiner Frau, in Hadleyville zu bleiben, um die Stadt zu schützen und sich Frank Miller zu stellen.

Vergeblich versucht der Sheriff Verbündete zu finden, um Miller zu schlagen, doch die Stadt verschließt sich ihm gänzlich und Kane gesteht sich ein, dass er ohne Hilfe gegen Miller und sein Gefolge antreten muss.

Es gelingt ihm die Verbrecherbande mit Hilfe seiner zurückgekehrten Frau zu besiegen. Er schließt sie in die Arme, wirft den herbeieilenden Bewohnern von Hadleyville seinen Sheriff-Stern vor die Füße und verlässt sofort mit Amy die Stadt.

Carl Foreman, der Drehbuchautor von High Noon, war als Student in den 1930er-Jahren Mitglied der American Communist Party, was ihm in der McCarthy-Ära zum Verhängnis werden sollte. Nach seinem Abschluss an der University of Illinois zog er nach Los Angeles, um in Hollywood als Drehbuchautor zu arbeiten. Während des zweiten Weltkrieges leistete er seinen Dienst bei den amerikanischen Streitkräften. Am Ende der 1940er Jahre war Foreman einer der erfolgreichsten Schreiber Hollywoods.

Mitte Juli 1951 begannen die Dreharbeiten zu High Noon mit dem Produzenten Stanley Kramer. Foreman hatte schon zwei Jahre zuvor Entwürfe für das Drehbuch entwickelt und sollte erstmals als Co-Produzent an Kramers Seite arbeiten. Während der Produktion wurde er vorgeladen, um vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe (House Committee on Un-American Activities – Abk. HUAC) auszusagen. Er sagte aus, als junger Mann ein Mitglied der American Communist Party gewesen zu sein, sich mit deren Ideologie jedoch nicht mehr identifiziere und deshalb aus der Partei ausgestiegen sei. Da er sich weigerte weitere Mitgliedernamen der Partei zu nennen, wurde Foreman auf die Schwarze Liste, die Liste der „unkooperativen Zeugen“ gesetzt und bekam somit in Hollywood keine Arbeit mehr. Auch Stanley Kramer ließ seinen Kollegen fallen.

Oft wird der Film als Sinnbild zum sogenannten MacCarthyism gezählt. Dies hat neben der zeitlichen Einordnung durchaus auch inhaltliche Gründe.

Zählt High Noon oberflächlich wohlmöglich zum Genre des Westerns, ist der Film zunächst einmal in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Western. Alle genretypischen Elemente wurde weggelassen. Der Film trägt keine blühenden Landschaften, keine glorifizierten Figuren, keine furchtlosen Helden ohne Schwächen, keine typisch amerikanische Nach-Siedler-Generation, die sich zusammengeschweißt den Gefahren stellt. Im Gegenteil: es gibt einen Sheriff, der nicht mehr schießen will, eine feige Gemeinde, die ihren einstiegen Held fallen lässt und selbstbewusste unabhängige Frauenfiguren.

“The public doesn’t give a damn about integrity. A town that won’t defend itself, deserves no help.” (Aus: High Noon, 1952)

In High Noon verrät eine kleine Gemeinde aus Angst um ihr eigenes Wohl einen Gleichgesinnten und offenbart damit, dass sich unter einer brüchigen Oberfläche von vermeintlicher Ehre, Wahrheit, Gemeinschaft und Mut vielmehr Feigheit, Egoismus und Illoyalität befindet. So ähnlich muss sich der Vertrauensbruch für viele Regisseure, Drehbuchautoren oder Schauspieler neben Carl Foreman während der Zeit der Schwarzen Liste angefühlt haben. Denn ebenso wie die Bewohner von Hadleyville die Verbrecherbande um Frank Miller fürchtet, stellten die Studios in Hollywood aus Angst vor politischen Mächten keine Leute mehr ein, die die Zusammenarbeit mit dem Komitee für unamerikanisch Umtriebe verweigerten. (Vgl. Ulrich Behrens, Filmzentrale)

Vor allem Foreman sah in High Noon einen visuellen Gegenschlag gegen die organisierte Verfolgung der HUAC. Der erst am Ende des Films in Erscheinung tretende Frank Miller, der die vorherigen 70 Minuten ein gesichtsloser Verbrecher bleibt, und seine drei Mitläufer scheinen als Paradebeispiel für das Komitee McCarthys zu gelten. Sheriff Will Kane stellt gleichzeitig das moralisch aufrichtige Opfer dar; gleichzusetzen mit den Filmschaffenden der 1950er Jahre in Hollywood.

Natürlich hat die Gegenseite damals ganz anders interpretiert. Marshall Kane wurde als robuster ur-amerikanischer Held gedeutet, der der drohenden Gefahr (Frank Miller und seine Verbrecherbande galten als die roten Kommunisten) Stand und seine Stadt „sauber“ hält.

Die Verachtung, mit der Kane am Ende wortlos seinen Sheriffstern den Einwohnern vor die Füße wirft, spiegelt jedoch eher das Urteil der wenigen Freunde und Verbündeten der „Blacklisted“ wider, die sich nicht wie die großen Studiobosse vor dem Komitee verkrochen, sondern ihren Verbündeten in der Not beistanden.

Carl Foreman hatte zum Beispiel das Glück mit einem der Schauspieler aus High Noon, dem Hollywood-Star Gary Cooper, befreundet zu sein. Der Republikaner genoss nicht nur großes öffentliches Ansehen, er hatte auch gute Beziehungen, sodass er Foreman helfen konnte das Land zu verlassen. Dort lebte Foreman wie viele andere „Blacklisted“ für einige Jahre und schrieb Drehbücher unter einem Pseudonym, bevor er nach Amerika zurückkehrte und dort als Produzent und Drehbuchautor große Erfolge feierte (er war insgesamt neun Mal für die Oscars und diverse andere Filmpreise nominiert, von denen er drei gewann).

High Noon stellt in jeder Hinsicht ein Stück Zeitgeschichte des amerikanischen Films dar. Neben den ruhmreichen Schauspielern, wie Gary Cooper oder Grace Kelly, steht er auch inhaltlich und historisch in einem besonderen Kontext.

Angelehnt an John W. Cunninghams Kurzgeschichte The Tin Star gleicht High Noon einem moralischen Appel und gilt als eine Metapher für die Rebellen der politischen Verfolgung der McCarthy-Ära, die ihre moralischen Prinzipien zugunsten ihres Gewissens und ihrer Loyalität gegenüber ihren Gleichgesinnten verteidigten.

Literatur

Behrens, Ulrich: Filmzentrale: http://legacy.filmszene.de/gold/zwoelf.html (Letzter Zugriff: 24.01.2013).

Dirks, Tim: High Noon (1952): http://www.filmsite.org/high.html (Letzter Zugriff: 24.01.2013).

Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studiosystem. Literatur Verlag, Wien, 2008.

Viennale (Hg.): Blacklisted. Movies of the Hollywood Blacklist Victims (Katalog) Wien 2000.

Autorin: Friederike Rotermund (0903294)

Redaktion: Simon Weyer (0803130)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s