Gentleman´s Agreement (1947)

Gepostet am Aktualisiert am

Twentieth Century Fox, USA 1947, 118 min

P: Darryl F. Zanuck

R: Elia Kazan

B: Moss Hart, Elia Kazan, nach einem Roman von Laura z. Hobson

Mit Gregory Peck (Philip Schuyler Green), Dorothy McGuire (Kathy Lacy), John Garfield (Dave Goldman), Celeste Holm (Anne Dettrey)

„Gentlemen´s Agreement“ ist ein 1947 erschienener, auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman basierender US-amerikanischer Hollywoodfilm. Er erzählt die Geschichte von Phil Green, einem Journalisten, der den Auftrag bekommt, eine Serie über Antisemitismus zu schreiben. Um sich besser in diese Thematik hineinversetzen und persönliche Erfahrungen in seine Artikel einfließen lassen zu können, gibt er sich selbst als Jude aus und erfährt so die herrschende Intoleranz am eigenen Leib.

„Gentlemen´s Agreement“ beschäftigte sich als erster Hollywoodfilm mit dem Thema Antisemitismus. Interessanterweise erfolgt jedoch kein Querverweis auf Deutschland und die NS-Zeit. Der Film versucht vielmehr, den weniger offensichtlichen Antisemitismus in einer vermeintlich toleranten Gesellschaft aufzuzeigen. Er richtet sich vorwurfsvoll besonders an die Menschen, die sich offen und liberal präsentieren, sich jedoch nicht davor scheuen, sich von Juden oder anderen Minderheiten zu distanzieren oder sie zu denunzieren. Ein Stichwort, das „Gentlemen´s Agreement“ des Öfteren aufgreift und welches diese Haltung auf den Punkt bringt, ist die Feigheit. Diese wird im Film durch das Verhalten Kathys aufgezeigt, die sich der Problematik der Judenfeindlichkeit durchaus am Beginn des Filmes schon bewusst ist, sich jedoch erst am Handlungsende von jenen „Gutmenschen“, die zwar das Problem erkennen, jedoch aus Angst vor Unannehmlichkeiten nicht aktiv dagegen ankämpfen, abheben kann und so ihre Feigheit überwindet.

Diese Thematik in einem Hollywoodfilm aufzugreifen, kann man als durchaus couragiert bezeichnen, auch, wenn der gesellschaftskritische Aspekt, vor allem gegen Ende des Filmes, einer eher flachen Liebesgeschichte zwischen Kathy und Philip weicht. Umso interessanter ist es, dass der Regisseur, Elia Kazan, als er einige Jahre nach „Gentlemen´s Agreement“ vor dem HUAC aussagt, sich an einer vergleichbaren Hetze gegen eine von der amerikanischen Regierung definierten und boykottierten Gesellschaftsgruppe beteiligt.

Kazan wurde am 14. 1. 1952 vor den „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ (HUAC) geladen. Bei diesem ersten Termin hatte sich der Regisseur geweigert, Namen von Regisseuren und Drehbuchautoren zu nennen, die der kommunistischen Partei angehörten. Am 10. April desselben Jahres agierte er jedoch als einer der als „friendly witnesses“ bezeichneten Regisseure und Drehbuchautoren, die bereitwillig Aussagen über kommunistische Aktivitäten in Hollywood machten (Critchlow/Raymond 2009, S.146), und identifizierte bei einem neuerlichen Erscheinen vor dem Ausschuss acht seiner Kollegen. Diese Denunziation stellte einen weiteren Schritt in der Erstellung der schwarzen Liste von Hollywood dar, die die berufliche Zukunft vieler zerstörte. Kazan zählt somit zu der nicht unerheblichen Anzahl von Mitgliedern der Filmgemeinde, die sich entschlossen, mit dem HUAC zusammenzuarbeiten (David Walsh, 27.3.1999) und so, im krassen Gegensatz zu denjenigen, deren Namen sie dem HUAC meldeten, keine negativen Auswirkungen auf ihre berufliche Existenz befürchten mussten, sondern, im Gegenteil, davon profitieren konnten, dass ein Großteil der Konkurrenz ausgeschaltet wurde.
Auch Jahrzehnte danach, wie aus einem Interview aus dem Jahr 2003 hervorgeht, bereut Kazan die Denunziation seiner Kollegen nicht: „Ich trat aus der Partei aus. Als mich das Komitee 1952 befragte, nannte ich nur die Namen der Parteigenossen – teilweise sogar mit deren Zustimmung“ (Elia Kazan im Interview, 14.1.2003). Für die Auswirkungen, die dieses „Nur die Namen-Nennen“ für seine Kollegen hatte, bleibt Kazans Blick in diesem Gespräch blind. Deshalb lässt man sich leicht dazu verleiten, zu schließen, dass er, genau wie die Personen, die sein Film „Gentlemen´s Agreement“ anprangert, die in ihrer sicheren, bequemen Position verharren und es aus Faul- und Feigheit keinesfalls erwägen, gegen Missstände, solange es nur „die Anderen“ trifft, anzukämpfen, reagiert.

Dass die Realität allerdings oft nicht so eindeutig in schwarz-weiß eingeteilt werden kann wie ein, wenn auch politisch motivierter und gesellschaftskritisch couragierter Hollywood-Film, wird einem bewusst, wenn man eine Aussage Kazans in einem weiteren Interview betrachtet:
„I felt that essentially I had a choice between two evils, but the one thing I could not see was (by not saying anything) to continue to be a part of the secret manoeuvring and behind-the-scenes planning that was the Communist Party as I knew it. I´ve often, since then, felt on a personal level that it´s a shame that i named people, although they were all known, it´s not as if I were turning them over to the police; everybody knew who they were, it was obvious and clear. It was a token act to me, and expressed what I thought at the time. Right or wrong, it wasn´t anything I made up, I was convinced of it.“ (Kazan, Interview mit Michel Ciment, 1974)

Schlussendlich kann man anhand der Fakten und Aussagen kein definitives Urteil über die Motive für seine Aussagen vor dem HUAC fällen. Mit gewisser Bestimmtheit kann man allerdings sagen, dass Elia Kazan, während und nach der Liste ebenso wie in der Zeit davor, sich nicht davor gescheut hat, in seinen Filmen Stellung zu beziehen und man ihm so den einen oder anderen Film, der zum Nachdenken anregt, zu verdanken hat.

Ciment, Michel, „The Political Issues; The HUAC: Viva Zapata! (1951), Man on a Tightrope (1952)“, aus: Elia Kazan Interviews, Baer, William (Hg.), Mississippi: University Press of Mississippi 2000

Cogley, John, Report on Blacklisting. I · Movies, The Fund for the Republic, Inc.1956

Critchlow, Donald T./Emilie Raymond (Hg.), Hollywood and Politics. A Sourcebook, New York: Routledge 2009

Interview: Marc Hairapetian mit Elia Kazan, „Was sollte ich bereuen?“, Spiegel-Online, 14. Januar 2003

http://www.spiegel.de/kultur/kino/interview-mit-elia-kazan-was-sollte-ich-bereuen-a-267799.html,
Zugriffsdatum 17.1.2013

Kurzkritik „Tabu der Gerechten“ / „Gentlemen´s Agreement“ (USA 1947), Blockbuster Entertainment, 15.12.2009
http://blockbuster-entertainment.blogspot.co.at/2009/12/kurzkritik-tabu-der-gerechten.html,
Zugriffsdatum 16.1.2013

Walsh, David, „Hollywood ehrt Elia Kazan“, World Socialist Web Site, 27.3.1999
http://www.wsws.org/de/articles/1999/mar1999/kaz1-m27.shtml,
Zugriffsdatum 16.1.2013

Autorin: Sandra Hartinger (0846049)

Redaktion: Johannes Wimberger (0751024)

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