Exodus (1960)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1960, 199 Minuten

Regie: Otto Preminger

Drehbuch: Dalton Trumbo

Produktion: Otto Preminger

Kamera: Sam Leavitt

Musik: Ernest Gold

Mit Paul Newman (Ari Ben Canaan), Eva Marie Saint (Kitty Fremont), Ralph Richardson (Gen. Sutherland), Peter Lawford (Maj. Coldwell), Lee. C. Cobb (Barack Ben Canaan), Sal Mineo (Dov Landau), Jill Haworth (Karen Hansen).

Der Drehbuchautor Dalton Trumbo ist 1943 der kommunistischen Partei beigetreten und wurde 1947 vor das „House of UnAmerican Activities Comittee“ (HUAC) geladen. Dort verweigerte er seine Aussage, verbrachte aufgrund der Missachtung des Kongresses elf Monate im Gefängnis und wurde schließlich auf die schwarze Liste gesetzt. Unter dem Pseudonym Robert Rich verfasste er nach seiner Freilassung weitere Drehbücher. „Exodus“, unter der Regie von Otto Preminger, war der erste Film, in dem sein richtiger Name wieder genannt wurde.

„Gott zu Moses: Gehe hinein zum Pharao und sprich zu ihm, so sagt der Herr, lass mein Volk ziehen, auf dass es mir dient.“ EXODUS, Kapitel 7, Vers 26

„Exodus“, der auf dem Roman von Leon Uris basiert, schildert die mitreißende Chronik der Wiedergeburt eines Volkes und die Gründung einer Nation.

Ari Ben Canaan (Paul Newman), ein Kommandeur der jüdischen Untergrundgruppe in Palästina, schafft es 600 Juden aus einen Internierungslager in Zypern an Bord eines Frachters zu bringen- ihr Ziel: Das gelobte Land. Als die britische Marine hinter den Plan kommt, versucht sie den Frachter zur Umkehr zu zwingen. Unbeeindruckt davon weigern sich Ari und seine Passagiere aufzugeben. Für ihre große Vision, die Neugründung des Staates Israel, riskieren sie ihr Leben.

„Exodus“ beschreibt auf eindrucksvolle Weise einen Teil der jüdischen Geschichte, in dem sich jene nach den Schrecken des Weltkrieges versuchen zu regenerieren, indem sie aus der Trauer heraus etwas Neues erschaffen und sich den langersehnten Traum von einer Heimat erfüllen.
Schon Ari Ben Caanans Aussagen(„Jüdisches Fleisch ist billig, es ist billiger als Rindfleisch und billiger als Heringe.“ und „Erwarten sie nicht dass ich wegen eines jüdischen Kindes noch hysterisch werde, sie kommen zu spät, zehn Jahre zu spät, zwei Millionen jüdische Kinder wurden wie Tiere abgeschlachtet, weil niemand sie haben wollte.“) zeigen den tiefen Schmerz, der unauslöschlich in der jüdischen Seele verankert ist und gleichzeitig den Grund liefert, neue Kraft zu schöpfen.

Auf der anderen Seite zeigt sich auch die Position der Herrschenden deutlich.. Aussagen, wie etwa von General Sutherland zum Thema Juden („Sie sehen auch irgendwie komisch aus; sie sind Unruhestifter und einen Juden erkenne ich auf zwei Kilometer.“) spiegeln treffend das Denken der Briten wieder, die Juden als Last ansehen, derer man sich am besten entledigen sollte.

Palästina ist ein britisches Mandat, welches den Briten vom Völkerbund aufgebürdet wurde. Folglich tragen sie die Verantwortung für den Frieden in der Region, was jedoch aufgrund der dort ansässigen Araber zu einer großen Herausforderung wird: diese möchten das Friedensgebot nicht einhalten, solange die Einwanderung der Juden nach Palästina weiter zugelassen wird.

Die weibliche Protagonistin Kitty Fremont (Eva Marie Saint) ist eine Frau, die ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, nicht mehr weiß wo sie hingehört und nach einer neuen Aufgabe sucht. Durch die 14-jährige Jüdin Karen Hansen (Jill Haworth) erfährt sie wieder wie es ist, gebraucht zu werden. Nicht ahnend, was in Karens Kopf vorgeht und dass ihr Vater noch am Leben ist, möchte sie die junge Jüdin nach Amerika mitnehmen und sie zu einer Amerikanerin machen.

Eine weitere grundlegende Thematik des Films, welche sich erst in der zweiten Hälfe herauskristallisiert, ist das Verhältnis zwischen Juden und Arabern.
Kurz nach der Ankunft im gelobten Land wird im Dorf Gan Dafna zelebriert wie ähnlich Juden und Araber doch wären. So seien allein ihre Begrüßungsformeln, „shalom“ bei den Juden und „salam“ bei den Arabern, sowie der Trinkspruch „l’chaim“ (bedeutet „auf das Leben“) fast ident.

Im Gegensatz dazu stehen die Beziehungen zwischen den Brüdern Barack Ben Caanans (Lee J. Cobb), (Aris Vater) und Akiba (David Opatoshu) in Hinblick auf deren unterschiedlichen Rechtsauffassungen (Irgun und Hagana). Die Irgun ist auf das Zerstören und Bomben aus, vergleichbar mit der IRA, während die Hagana eher durch Reden oder solchen Unterfangen, wie die Überreise auf der Exodus mit über 600 Personen an Bord, versucht Aufsehen zu erregen. Diese treten in Erscheinung, als Ari während eines Besuchs mit Kitty im Hause seines Vaters dessen Bruder/seinen Onkel erwähnt, woraufhin jener vehement erklärt, dass der Onkel für ihn gestorben sei.
Durch die Gefangennahme und Einweisung Akibas in den Todestrakt sieht man erstmals Barack weinen und beten.

Die Beziehung zwischen Ari und Kitty wird durch das erstmalige Eintreffen bei den Eltern zu einer „Fremdbeziehung“ für Kitty. Sie spürt, wie Aris Eltern sie als Amerikanerin ansehen und dadurch keine Zugehörigkeit entstehen kann.
Ihre Gefühle äußert sie wie folgt: „Es ist eigentlich die einfachste Sache der Welt; diese Unterschiede zwischen den Völkern sind künstlich geschaffen, die Menschen sind überall dieselben, ganz gleich wie man sie nimmt.“, „Man macht Unterschiede, aber es gibt sie nicht.“ Im Gegensatz dazu gewinnen Aris Aussagen ( „Die Menschen sind verschieden, die Völker auch, und sie haben sogar das Recht verschieden zu sein; sie wollen verschieden sein, Unterschiede sind da, sie müssen anerkannt und respektiert werden.“) umso mehr an Bedeutung, als dass Kitty dadurch bewusst wird, wie aussichtslos die Chancen auf eine gemeinsame Zukunft mit Ari stehen .

Durch den Film hindurch wird außerdem die Länderabstimmung in den Vereinten Nationen dargelegt, die sich mit der, noch heute ungeklärten Frage, nach einer Teilung in einen jüdischen und arabischen Teil Palästinas beschäftigt.

Verbunden damit ist auch das Verhältnis zwischen Ari und seinem arabischen Sandkastenfreund Tara (John Derek), der nach der Zustimmung zur Teilung Israels von seinem Großmufti erfährt, dass die Araber alle Juden ausrotten wollen. Dies erzählt er Ari zwar, wagt jedoch nicht mehr zu sagen, da er schließlich kein Verräter seines eigenen Volkes werden möchte.
Aris Aussage, „Über unser ganzes Leben waren wir befreundet und haben uns geliebt, jetzt wo es wirklich darauf ankommt zu zeigen dass Araber und Juden in Frieden leben können, sind wir uns fremd, wie nie zuvor“, legt diese Zwickmühle genau dar.

Der Film ist mit einer bewegenden Musik unterlegt, für die der Komponist Ernest Gold 1961 den Oscar erhielt. Des Weiteren konnte der Film zwei weitere Nominierungen in den Kategorien „Beste Kamera“ und die „Beste Nebenrolle“ für Sal Mineo in der Rolle des Dov Landau für sich beanspruchen.

Das Ende des Films schließt mit dem Tod Taras und Karens, die gemeinsam im selben Grab liegen, sie eine Jüdin, er ein Araber. Aris letzte Worte sind folgende „Es ist gut und recht dass sie zusammen liegen in Frieden, aber im Tod sind sie alle beisammen- aber es wird der Tag kommen in dem auch im Leben Juden und Araber friedlich zusammenleben werden.“.

Der Inhalt des Romans „Exodus“ von Leon Uris, für dessen Materialsammlung und Recherche Uris annähernd 50.000 Meilen zurückgelegt und über zwei Jahre mit Hunderten von Menschen gesprochen hat, wurde im Film nicht sehr ausführlich dargelegt. Nichtsdestotrotz kann die Inszenierung Otto Premingers als durchaus gelungen betrachtet werden und besticht nicht zuletzt durch die überragenden schauspielerischen Leistungen von einem Paul Newman, Eva Marie Saint und Sal Mineo .

Für die schwarze Liste, auf der Dalton Trumbo als einer der Top 10 – Kandidaten geführt wurde, leitete „Exodus“, in dem Trumbo unter echtem Namen geführt wird, ihren Untergang ein.
Der Oscar für „Roter Staub“ (Regie: Irving Rapper, 1956) wurde ihm Jahre 1975, ein Jahr vor seinem Tode, überreicht. Und bei „Ein Herz und eine Krone“ (Regie: William Wyler, 1953) wurde 1992 die ursprüngliche Oscarvergabe an Ian McLellan Hunter nachträglich zu Trumbo/Mc Lellan geändert.

Literatur:
Keil, Hartmut (Hg.): Sind oder waren Sie Mitglied? Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947-1956. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1979
Leon Uris, 1924-2003.2. Uris, Leon 1924-2003. Exodus. 3.Jews United States-Attitudes toward Israel. 1. title
Kubiak, H.-J. (2005). Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Marburg: Schüren.

Autor: Bernd Pichler , Matrikelnummer 0901490
Redaktion: Anastasia Muntaniol

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