A Place in the Sun (1951)

Gepostet am Aktualisiert am

USA Paramount Pictures 1951 s/w 117 min

R: George Stevens

B: Michael Wilson / Harry Brown

M: Franz Waxman

D: Montgomery Clift, Elizabeth Taylor, Shelley Winters, Anne Revere, Raymond Burr

K: William C. Mellor

George Eastman, Neffe des reichen Fabrikbesitzers Harry Eastman, reist nach Kalifornien, um in den Dienst seines Onkels einzutreten und sein mittelloses Leben aufzubessern. Entgegen des Verbotes, mit Kolleginnen eine Beziehung einzugehen, beginnt er eine heimliche Affäre mit der Arbeiterin Alice Tripp. Während sich seine Position innerhalb der Firma aufgrund seiner Verwandtschaft schnell zum Besseren wandelt und er in die höheren Kreise eindringt, stellt Alice fest, dass sie schwanger ist. George ist davon nicht begeistert, da er bereits die wohlhabende Angela Vickers kennengelernt hat und ihr ihre Liebe gestanden hat. Nachdem Alice ihm wutentbrannt an den See folgt, an dem er einen Kurzurlaub mit Angela verbringt, und ihm droht, die Schwangerschaft öffentlich zu machen, sucht er die Aussprache. Es  kommt zu einem Streit und Alice stirbt infolge des Kenterns des Bootes, während George überlebt und flieht. Ihm wird der Prozess gemacht, bei dem viele Zeugen gegen ihn aussagen und es als Absicht darstellen – über ihn wird die Todesstrafe verhängt. Während er auf die Hinrichtung wartet, schafft er es mithilfe eines Priesters mit sich ins Reine zu kommen und die Folgen zu akzeptieren. Zu guter Letzt taucht Angela noch im Gefängnis auf und gesteht ihm ihre Liebe.

Mit diesem im Vergleich zur Buchvorlage entpolitisierten Inhalt verfolgt der Film die  offensichtlichen Absicht, Zweifelhaftes zu vertuschen und keine Kritik an Bestehendem zu üben – gerade darin liegt aber auch sein politisches Potenzial. Durch dieses Vorgehen zeigt er, wenn man die damaligen Umstände in Hollywood betrachtet, unter welchem Druck die Filmemacher standen – das als kommunistisch geltende Streben nach einer klassenlosen Gesellschaft bzw. die Kritik an einer Klassengesellschaft durften keinen Platz finden, schließlich verband man mit den Anhängern der Kommunistischen Partei die Vorstellung, dass sie „die herrschende Klasse […] durch eine Weltrevolution“ stürzen wollten (Keil 1979, S.34). Bedenken muss man dabei, dass die USA seit 1947 mit der Sowjetunion in den Kalten Krieg verwickelt waren, bei dem von beiden Seiten versucht wurde, den Einfluss des anderen Lagers einzudämmen und die eigenen politischen, technischen und ökonomischen Ansichten als richtig zu postulieren.

So zeigt der Film zwar eine Gesellschaft auf, in der zwei Klassen aufeinander prallen – unterstrichen durch die zwei weiblichen Hauptprotagonistinnen  –  wartet man aber auf eine Sozialkritik an den bestehenden Verhältnissen, werden vor allem Anhänger von Theodore Dreisers Literaturvorlage Eine amerikanische Tragödie enttäuscht: nicht nur werden Zucht und Moral durch Wegblendungen und  Schattenspiele bei erotischen Momenten propagiert, auch die verbotene Liebe Georges zur mittellosen Alice wird als Versteckspiel inszeniert, das seine Konsequenz in der unehelichen Schwangerschaft findet, ein Tabubruch im prüden Amerika der 50er Jahre. Eine Rolle spielte dabei sicherlich auch der Hays Code, dem sich der US-amerikanische Film seit den 30er Jahren unterworfen hatte und der auf eine moralisch akzeptable Darstellung pochte.

Die Ausweglosigkeit von Georges und Alices Liaison wird legitimiert durch Georges Aufstieg in die höhere Gesellschaft und seine „wahre“ Liebe zu Angela, der sein Herz von Anfang an gehörte. Um die Tragik von Alices Tod für das Publikum abzuschwächen, wird das Hauptaugenmerk und die Sympathie eindeutig der Beziehung zwischen George und Angela zugetragen, während Alice im Laufe der Diegese immer mehr als eifersüchtiges und unkontrolliertes Wesen dargestellt wird, das sich dem Glück der Liebenden in den Weg stellt. Einen weiteren Beweis für diese Schwerpunktverschiebung findet sich schließlich auch in der Betitelung des Films, der von der literarischen Tragödienbezeichnung abweicht und ganz klar auf das Positive setzt – das Scheitern früherer Versionen mit dem Originaltitel spielte dabei auch mit.

Will man A Place in the Sun nun einer Gattung zuweisen, müsste man aus heutiger Sicht den Begriff des Melodrams heranziehen, ein Begriff, der erst in den 1970ern für Filme aus den 50er Jahren erfunden wurde und darum nicht selten als Phantomgenre bezeichnet wird. Die Modi des Films sind sowohl was Schnitt, Kamera, Beleuchtung und Musik anbelangt von melodramatischer Natur und bedienen außerdem  noch drei der sechs Grundmotive: Dreiecksbeziehung, sozialer Aufstieg und Bewältigung einer Krise. (Vossen 2007, S.434-438)

Wird bei Dreiser George noch als Mörder von Alice gezeigt, der ihren Tod kaltblütig plant und schließlich auch seine gerechte Strafe erhält, inszeniert der Film einen zu Unrecht verurteilten Mann, mit dem man Mitleid zu haben hat – die Kritik an einem aufstiegsbesessenen Mörder, der für seinen „place in the sun“ über Leichen geht, sollte dadurch wegfallen. Ob man jetzt Parallelen zwischen dem im Film unschuldig angeklagten George und den unschuldig angeklagten Mitgliedern der damaligen Filmindustrie ziehen mag, bleibt jedem Zuschauer überlassen, die Hauptintention des Films liegt aber sicherlich mehr auf einer Abschwächung  des politisch brisanten Inhalts der Vorlage. So lobten auch zeitgenössische Kritiken den Film aufgrund des weitgehenden Verzichts der sozialkritischen Kommentare.

Die Vorladung des Drehbuchautors Michael Wilson kurz nach der Premiere von A Place in the Sun mag aufgrund des damaligen Status‘ von Wilson und den zahlreichen Auszeichnungen von A Place in the Sun (sechs Oscar-Gewinne im Jahr 1952, unter anderem für Bestes adaptiertes Drehbuch) aus heutiger Sicht unverständlich erscheinen. Tatsache war aber, dass Personen – unabhängig von Status und Erfolg – vorgeladen wurden, um über eine unterstellte Mitgliedschaft bei der KP auszusagen. So wurde Wilson am 20. September 1951 von HUAC (House Committee on Un-American Activities) nach den Anschuldigungen des Regisseurs Frank Capra als unfriendly witness eingestuft, weil er seinen Prinzipien treu blieb und nicht daran dachte, mit dem Komitee zu kooperieren und Freunde zu verraten, mit denen er in der Kommunistischen Partei agierte. In den weiteren Filmen, in denen er als Autor fungierte, tauchte sein Name nicht in den Credits auf. Insgesamt stand er 14 Jahre auf der Schwarzen Liste, die Regierung ließ ihn nach seinem Aufenthalt in Frankreich 1957 nicht einmal mehr in die USA einreisen. (McBride 2002, S.1-5) Eine Erklärung für Wilsons Vorladung liegt sicherlich in der Machtübernahme Joseph McCarthys als Außenminister, der ab 1950 bewusst gegen eine kommunistische Unterwanderung des amerikanischen Regierungsapparates vorging und mit Beschuldigungen um sich warf – obwohl er nie Mitglied von HUAC war, wird diese Zeit der Denunziationen und antikommunistischen Bewegungen der frühen 50er Jahre nach ihm als McCarthy-Ära bezeichnet.

Literatur:

Dreiser, Theodore: Eine amerikanische Tragödie. (Originaltitel: An American Tragedy). Deutsch von Marianne Schön. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1978

Keil, Hartmut (Hg.): Sind oder waren Sie Mitglied? Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947-1956. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1979

McBride, Joseph: A Very Good American. The undaunted artistry of blacklisted screenwriter Michael Wilson. 2002, http://marlowesghost.com/yahoo_site_admin/assets/docs/Microsoft_Word_-_A_Very_Good_American.5371929.pdf, Zugriff: 5.1.2013

Vossen, Ursula: Melodram. Reclams Sachlexikon des Films. Hrsg. Thomas Koebner. Stuttgart: Reclam, 2007, S.434-438.

Autorin: Diana Weidlinger (0908741)

Redaktion: Florian Wiesenhofer (0725938)

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