The Defiant Ones

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1958, 96 Minuten

R: Stanley Kramer

B: Nedrick Young unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas; Harold Jacob Smith

Kamera: Sam Leavitt

M: Ernest Gold

Produktion: Stanley Kramer. Curtleight Productions, Stanley Kramer Productions im Vertrieb von United Artists

Mit Tony Curtis (John ‚Joker‘ Jackson), Sidney Poitier (Noah Cullen), Theodore Bikel (Sheriff Max Muller), Charles McGraw (Captain Frank Gibbons), Lon Chaney (Big Sam), Cara Williams (die Mutter)

Nedrick Young wurde 1953 vor das House UnAmerican Activities Comittee (HUAC) geladen. Darauf hin konnte er zwar mitunter sogar unter seinem eigenen Namen Drehbücher schreiben, in den meisten Fällen jedoch musste er ein Pseudonym verwenden. Für das Drehbuch für The Defiant Ones erhielt er 1958 den Oscar.

The Defiant Ones (dt.: „Flucht in Ketten“) ist ein 1958 erschienenes US-amerikanisches Filmdrama. Es erzählt die Geschichte zweier Gefängnisinsassen unterschiedlicher Hautfarbe, denen die Flucht gelingt. Durch Ketten aneinandergefesselt muss das Paar lernen seine Differenzen zu überwinden um zu überleben.

The Defiant Ones ist einer der ersten Filme, der den Rassismus innerhalb der USA, vor allem innerhalb der Südstaaten, thematisierte. Entstanden ist der Film während der Anfangszeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und gegen Ende der schwarzen Liste in Hollywood. Erst das Zusammentreffen dieser beiden Faktoren hat dazu beigetragen, dass ein Film, der Rassismus nicht nur thematisiert, sondern auch anprangert, produziert werden konnte.

The Defiant Ones stellt vor allem den alltäglichen Rassismus in den amerikanischen Südstaaten und deren weit verbreitete Lynchjustiz kritisch dar, wobei schon die Basis des Films – ein Weißer und ein Afro-Amerikaner werden gezwungen miteinander auszukommen – genug Stoff für Rassismuskritik bietet. John, der Noah anfangs noch als „Nigger“ beschimpft, liegt am Ende des Films freundschaftlich in seinen Armen und wartet zusammen mit ihm auf ihre Gefangennahme.

Anfangs scheint diese vorurteilsbedingte Kluft zwischen den Hauptprotagonisten noch unüberwindbar, erst auf ihrer Flucht blicken beide langsam über die Grenzen der Hautfarbe hinweg. John wird dabei im Laufe des Films vor Augen geführt in welcher Art und Weise Noah anders behandelt wird als er selber.

Als Beispiel hierfür dienen unter anderem die Szenen in denen Noah und John auf Billy und seiner Mutter treffen. Als die beiden erstmals auf Billy treffen, ‚flüchtet‘ sich dieser beim Anblick von Noah mit den Worten „Don’t let him hurt me“ zu John. Billys Mutter verhält sich ebenso wie ihr Sohn voreingenommen, so bekommt Noah erst auf Bitte von John Essen und einen Kaffee.

Das Verhalten von Billy und seiner Mutter repräsentiert hier den Alltagsrassimus im Amerika der späten 1950er Jahre. Die liberale, fortschrittliche Position, die der Film in seinem Umgang mit Rassismus beziehen möchte, verkehrt sich jedoch in der eindimensionalen und letztlich misogynen Darstellung des einzigen wichtigen weiblichen Charakters in überkommene Geschlechterrollen-Klischees. Die alleinerziehende junge Mutter, die Joker und Cullen auf ihrer heruntergewirtschafteten Farm Unterschlupf gewährt, ist weniger ein eigenständiger Charakter als lediglich ein Prüfstein, der die Männerbeziehung auf eine letzte Probe stellt und die beiden flüchtigen Sträflinge zu entzweien droht. Der Einfluss dieser Frauenfigur auf die Beziehungsdynamik der männlichen Protagonisten wird bereits unmittelbar bei Jokers und Cullens Ankunft auf der Farm etabliert, als Joker beim Essen ganz unverhohlen auf die namenlose Mutter stiert, die in den Credits bloß als „Billy’s Mother“ ausgewiesen wird, was vom – eifersüchtigen? – Cullen argwöhnisch beobachtet wird. Auch sie sendet unter anderem mit einem Griff in ihre Bluse eindeutige Signale an Joker, sodass Cullen gleich zu Beginn dieser Episode als fünftes Rad am Wagen etabliert wird. Die Etablierung der Frauenfigur markiert somit gleichsam einen Wendepunkt hin zu einem melodramatischen Erzählduktus.

Dieser Umschwung in einen hochgradig melodramatischen Modus wird durch die Inszenierung unterstrichen: in der Szene, als Joker von ihr gesundgepflegt wird und er dabei von exotischen, paradiesischen Schauplätzen außerhalb ihrer tristen Lebenswirklichkeit fantasiert, werden erstmals in diesem Film romantische Close Ups eingesetzt, die an Hollywoods „Golden Age“ erinnern. In einem misogynen Twist wird die junge Mutter schließlich als klammernd und hysterisch dargestellt, indem sie zuerst Cullen in dessen sicheren Tod schickt und anschließend Joker, der durch dieses Cullen drohende Schicksal einen endgültigen Wandel erfährt und diesen warnen möchte, eine Szene macht. Die dabei zur Schau gestellte Hysterie lässt auf ein veraltetes und konservatives Frauenbild schließen. Der Versuch, sie anschließend durch ihre Verschwiegenheit vor der Polizei zu rehabilitieren, ändert nichts daran, dass sie im Rahmen der Diegese als bloßes weiteres Vehikel für Jokers Wandel konzipiert ist und letztlich die große Wiedervereinigungs-Szene der beiden Männer ermöglicht.

Der liberale Grundton des Films ist ein weiterer Baustein im langsamen Ende der Schwarzen Liste gegen Ende der 50er Jahre. Der Drehbuchautor Nedrick Young schrieb The Defiant Ones unter dem Pseudonym  Nathan E. Douglas zusammen mit Harald Jakob Smith und gewann damit einen Academy Award. Regisseur Stanley Kramer besetzte die beiden Drehbuchautoren als Fahrer des Gefängnistransportes und platzierte ihre Credits in einer Einstellung der beiden. Einige Monate nach der Veröffentlichung des Film gab Young sein Pseudonym preis. Kurze Zeit später, erklärte Otto Preminger, dass Dalton Trumbo das Drehbuch für Exodus schreibt – das Ende der schwarzen Liste stand unmittelbar bevor.

Literatur:

Blacklisted. Movies by the Hollywood Blacklist Victims. (Eine Retrospektive der Viennale in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Filmmuseum 1. bis 31. Oktober 2000.) (Katalog) Wien 2000

Buhle, Wagner: Hide in Plain Side.The Hollywood Blacklistees in Film and Television. 1950 – 2002. New York: Palgrave Macmillian. 2003. (insbesondere S. 156ff)

Smith, Jeff, „A Good Business Proposition“: Dalton Trumbo, Spartacus, and the End of the Blacklist., in: Bernstein, Matthew (ed.): Controlling Hollywood. Censorship and Regulation in the Studio Era. London: The Athlone Press 2000, S. 206 – 237 (Erstveröffentlichung in: The Velvet Light Trap, Nr. 23 (1989), S. 75 – 100)

Trumbo, Dalton: Additional Dialogue. Letters of Dalton Trumbo, 1942 – 1962. (Edited by Helen Manfull). New York: M. Evans and Company, Inc. 1970. S. 470ff

AutorInnen: Leopold Ernst, Dominik Mayer Elvira Rumetshofer, Michaela Reithmayer

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