Cincinnati Kid (1965)

Gepostet am Aktualisiert am

USA 1965, 102 Minuten

R: Norman Jewison
B: Ring Lardner Jr.; Terry Southern
Kamera: Philip H. Lathrop
M: Lalo Schilfrin

Produktion: Martin Ransohoff; John Calley. Filmways Pictures und Solar Productions im Vertrieb von Metro-Goldwyn-Mayer und Columbia Broadcasting System

Mit Steve McQueen (Cincinnati Kid), Ann-Margret (Melba), Karld Malden (Shooter), Tuesday Weld (Christian), Edward G. Robinson (Lancey Howard), Joan Blondell (Lady Fingers)

Ursprünglich war Paddy Chayefski als Drehbuchautor von Cincinnati Kid (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Richard Jessup) vorgesehen. Sein Script wurde jedoch als “too wordy” abgestempelt und von Ring Lardner Jr. und Terry Southern umgeschrieben, Charles Eastman war ebenfalls im Autorenteam tätig. Schlussendlich landeten Terry Southern und Ring Lardner Jr. in den Opening Credits des Films.

Während Terry Southern von der Hollywood blacklist weitestgehend verschont wurde, musste sich Ring Lardner Jr. im Jahre 1947 vor dem House UnAmerican Activities Comittee (HUAC), zusammen mit anderen vorgeladenen Autoren, verantworten. Keine Aussage getätigt wurde Lardner Jr. auf die Liste der Hollywood Ten gesetzt. Eine einjährige Haftstrafe folgte. Danach war Lardner Jr. gezwungen, unter Pseudonymen seine Arbeit als Drehbuchautor weiter zu verrichten. Erst 1965 erschien sein Name das erste Mal seit der Geburt der Hollywood blacklist wieder auf der Leinwand – in Norman Jewison’s Film Cincinnati Kid.

Eric Stoner, besser bekannt als Cincinnati Kid (dargestellt von Steve McQuee), läuft durch die Gassen New Orleans. Er ist ein junger, mittlerweile über die Grenzen Louisianas hinweg bekannt gewordener Spieler. Am liebsten spielt er Stud Poker. Gleich Anfangs trifft er auf einen Afro-Amerikanischen Jungen mit dem er sich im Werfen einer Münze duelliert.

Es folgt die Titelsequenz, unterlegt mit Bildern eines Begräbnisses ganz nach New Orleans’ Style – Blues und Jazz spielende und durch die Gassen tanzende Afro-Amerikaner. Gleich darauf werden wir zu Beobachtern eines Pokerspiels, in dem Cincinnati Kid des Gegners Bluff entlarvt. Die Teilnehmer des Pokerspiels sind durchwegs weiss. Wer nun, nicht ganz zu Unrecht, mit einem Message-Film rechnet, der Rassismus oder den Wohlstand der weissen Gesellschaft im Gegensatz zu Afro-Amerikanern thematisiert, der wird sich im weiteren Verlauf des Plots wundern.

Wie es dem einst vorgesehenen Drehbuchautor Paddy Chayefski bereits im Laufe der Vorproduktion ergangen war, so erging es auch Sam Peckinpah. Peckinpah war als Regisseur von Cincinnati Kid eingeplant und begann auch als dieser mit den Dreharbeiten.

„Sam Peckinpah was the original director of The Cincinnati Kid. There is a sequence in the beginning where Slade, a wealthy southerner played by Rip Torn, is at home with his wife and two children. He is shown to be a sanctimonious family man. In a subsequent scene, he is shown in bed with his mistress. Well, it was obvious that the full irony of his hypocrisy, in this citadel of southern virtue, New Orleans, could only be attained by her being black. So that’s how it was written, and that’s how it was shot with Peckinpah of course in enthusiastic agreement. When the producer saw the dailies, he freaked. “We’re not making a message picture,” he said and replaced Peckinpah pronto with Norman Jewison, who said something like “Hey, you guys must have been nuts to try that!””

“We’re not making a message picture!”, diese Aussage spiegelt sich gut im weiteren Verlauf des Films wieder. Jewison übernahm das Kommando und die weitere Produktion verlief ohne gröbere Probleme. Produzent Martin Ransohoff befand ein Liebesdreieck als zentrales Thema des Films, welches unter seiner Regentschaft vom Autorenteam so konstruiert wurde. Das Liebesdreieck entsteht im Laufe des Films zwischen Cincinnati Kid, seiner Freundin Christian und deren Freundin Melba.

Nun wird uns der Gegenpart von Cincinnati Kid vorgestellt – Lancey Howard, dargestellt von Edward G. Robinson. Er checkt in einem teuren Hotel ein und fordert Slade, einen weiteren Pokerspieler zum Duell auf. Während Howard dem Antagonisten Slade in einem Pokerspiel sprichwörtlich die Hosen auszieht, versucht ein bekannter Kartengeber Kid zu überzeugen, den Meister herauszufordern. Kid willigt ein. Bis es zum finalen Spiel zwischen den beiden kommt, fühlt sich Kid zwischen den beiden Frauen hin und her gerissen. Er ahnt nicht, dass Slade den Kartengeber Shooter besticht, um sich an Lancey Howard zu rächen.

Mitten im entscheidenden Spiel um die Pokerherrschaft zwischen Kid und Howard, erkennt Kid die Situation und stellt Shooter zur Rede? Er veranlasst, eine Dealerin weiter geben zu lassen und verliert die entscheidende Hand gegen den Altmeister. Kid verlässt die Pokerrunde und trifft noch ein letztes Mal auf den Afro-Amerikanischen Jungen, der ihn dieses Mal beim Münzenwerfen besiegt.

“You’re trying to hard man. You just ain’t ready for me yet”, sind dessen verabschiedende Worte. Kid biegt noch um die Häuserecke, um dort auf Christian zu treffen, die ihm, in Betracht dessen, dass sie Melba und ihn gerade vorher in seinem Appartement überrascht hatte, eine nicht verdiente Umarmung schenkt.

Cincinnati Kid wird oft als As unter den Pokerfilmen gezählt. Eine starke Atmosphäre und eine gute Milieu- und Charakterstudie sind die Zutaten die Cincinnati Kid laut Kritikern ausmachen. Mit solch lobenden Worten wird aber darüber hinweggetäuscht, was die Pointe, die Aussage des Films ist. Über diese lässt sich streiten, und Fans des Popcorn-Kino mögen ihre Argumente haben, doch muss man schon tief in den Charakteren kramen, um etwas aus dem Film mit nehmen zu können. Dass Ring Lardner Jr. und Terry Southern weitaus bessere Bücher geschrieben haben, liegt auf der Hand. Laut Aussagen und Überlieferungen lässt sich dies aber vor allem auf den Produzenten Martin Ransohoff zurückführen.

Cincinnati Kid beinhaltet eine amerikanische Pokergeschichte inklusive eines Sopa-Opera ähnlichen Liebesdreiecks. Die leichte Thematik, die der Film in sich trägt, ist als sehr unauffällige und an’s Popcorn-Kino angepasste Rückkehr von Ring Lardner Jr. von der Schwarzen Liste zu werten und die weiter oben erwähnte Aussage von Ransohoff spiegelt sich im Aussagelosen Endergebnis gut wieder.

Literatur:

http://twentyfourframes.wordpress.com/2012/03/16/the-cincinnati-kid-1965-norman-jewison/

McGilligan Patrick: Backstory 3: Interviews With Screenwriters of the 1960s; University of California Press, 1977

Weddle David: If They Move . . . Kill ‘Em!: The Life and Times of Sam Peckinpah; Grove/Atlantic Inc, 2001

Autor: David Moser – 1047346
Redaktion: Christina Hörgl – 0907149

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